Fotografen und Kameraleute haben keine Chance, Thomas N. abzulichten. Ein aktuelles Foto vom Angeklagten am Prozess zum Vierfachmord Rupperswil gibt es nicht. Selbst Peter Studer, langjähriger Journalist und ehemaliger Presseratspräsident, ist damit nicht einverstanden.

Er findet es falsch, dass man jemanden, der solch abscheuliche Taten begangen hat, derart vor der Öffentlichkeit schützt. «Da es sich bei Thomas N. um eine Person der Zeitgeschichte handelt, sollte es möglich sein, ein aktuelles Foto zu schiessen, sagt Peter Studer gegenüber «TeleM1».

Zur Erklärung: Sobald ein Ereignis berechtigterweise genug Aufmerksamkeit erregt, wird jemand zur Person der Zeitgeschichte – und die Namensnennung sowie die Ablichtung der involvierten Personen sind gerechtfertigt. So hält es der Journalistenkodex fest. Der Schweizer Presserat wacht über die Einhaltung dieses Kodex'.

Auch für den früheren Bezirksrichter und SVP-Nationalrat Luzi Stamm ist klar: «Ein Schwerstverbrecher sollte diesen Schutz nicht haben.» Sofern Thomas N. je wieder auf freien Fuss käme, müsse auch die Öffentlichkeit geschützt werden, in dem sie sein Gesicht kenne, sagt Stamm.

Rudolf Hediger, Gemeindepräsident von Rupperswil, hingegen findet es richtig, dass Thomas N. den Gerichtssaal nicht durch den Vordereingang betreten muss. «Es ist nicht wichtig, dass der Täter vorgeführt und zur Show gestellt wird», sagt er zu «TeleM1». «Es ist wichtig, dass es einen fairen Prozess gibt und am Schluss ein korrektes Urteil gefällt wird.»

Exklusiv: Hier kommt der Vierfachmörder!

Hier wird Thomas N. ins Zentralgefängnis Lenzburg gebraacht

Hier wird Thomas N. für den Rupperswil-Prozess ins Zentralgefängnis Lenzburg gefahren. Es befindet sich nur zehn Minuten vom Gerichtssaal in Schafisheim. 

Dass der Täterschutz in der Schweiz so hoch ist, überrascht den deutschen N24-Reporter Patrick Kerber. Er ist sich aus Deutschland anderes gewohnt. Dort darf man den Angeklagten vor der Verhandlung im Gerichtssaal fotografieren und filmen. «Ich musste leider erfahren, dass dies in der Schweiz nicht der Fall ist.»

Für Ex-Kriminalkommissär Markus Melzl ist das Vorgehen des Bezirksgerichts korrekt. «Die Verhandlung läuft nach Strafprozessordnung korrekt ab. Und das ist auch richtig so.» Es wäre falsch, den Beschuldigten vorzuführen. «Das Ziel ist eine saubere Gerichtsverhandlung.» (sga)