Schweiz

«Switzerland first»-Prinzip auch für den Leib Christi

Mit viel Handarbeit werden die Hosten produziert, wie hier im Klostern Namen Jesu in Solothurn.

Mit viel Handarbeit werden die Hosten produziert, wie hier im Klostern Namen Jesu in Solothurn.

Die Bischöfe wehren sich gegen günstige Importhostien. Sie fordern die Kirchgemeinden auf, Ware aus den zwölf Schweizer Frauenklöstern zu beziehen, die noch Hostien backen.

Wenn Weihnachten naht, steigt die Nachfrage nach Hostien. Manch einer geht dann in die Kirche, der er das Jahr über fern bleibt. Doch die Schweizer Hostienbäckereien leiden – nicht nur unter dem Rückgang der Kirchenmitglieder, sondern auch unter billiger Konkurrenzware, etwa aus Italien oder Polen. Kurz vor Weihnachten nun hat sich deshalb die Schweizerische Bischofskonferenz zu Wort gemeldet. Sie ruft die katholischen Kirchgemeinden dazu auf, nur Schweizer Hostien zu kaufen.

«Seit einiger Zeit versuchen weltliche und ausländische Firmen auf dem Schweizer Hostienmarkt Fuss zu fassen, indem sie die hier bestehenden Preise unterlaufen», so die Bischöfe. Ihre Unterstützung gelte jedoch «den hiesigen Ordensgemeinschaften, die für ihren Lebensunterhalt auf die Herstellung und den Verkauf von Hostien angewiesen sind».

«Die Verarbeitung benötigt viel Zeit»

«Wir haben aber noch immer einen recht grossen Kundenkreis in der Innerschweiz und im Tessin», sagt Schwester Maria Nicola vom Kapuzinerinnenkloster St. Anna auf dem Gerlisberg in Luzern. Ein Rückgang der Nachfrage sei dennoch zu beobachten. Einmal pro Woche backen die Ordensfrauen hier Hostien. Zwar seien die Hostien relativ schnell gebacken. «Die Verarbeitung benötigt aber mehrere Tage Zeit.» Im Schnitt arbeiten von Montag bis Donnerstag drei Frauen in der Hostienbäckerei.

Gar bis ins Jahr 1082 kann das Kloster Hermetschwil (AG) die Tradition des Hostienbackens zurückführen. Auch hier ist die ausländische Konkurrenz spürbar, wie Schwester Pia erklärt. Stärker als diese falle aber der Rückgang an Gottesdienstbesuchern ins Gewicht – wobei die Produktion zugenommen hat, seit ein anderes Kloster die Herstellung aufgegeben hat. Wie in allen Klöstern wird auch in Hermetschwil ein Backautomat eingesetzt. Es brauche jedoch noch immer viel Handarbeit und Konzentration, erklärt Schwester Pia.

Preisabsprachen unter den Schweizer Produzentinnen

Aus Mehl und Wasser, ohne weitere Zutaten, werden die Hostien wie auf einem Waffeleisen gebacken. Zur Weiterverarbeitung werden sie mehrere Stunden befeuchtet, bevor sie dann ausgestanzt, getrocknet und abgepackt werden. Hergestellt werden die Schweizer Hostien ausschliesslich von Ordensfrauen; in Dominikanerinnen-, Benediktinerinnen- und Kapuzinerinnenklöstern. Zwölf Hostienbäckereien gibt es in der Schweiz noch, sechs in der Romandie und sechs in der Deutschschweiz.

Die Preise sind reguliert. Festgelegt werden sie von der Vereinigung der Oberinnen der kontemplativen Orden der Schweiz. 1000 Stück braune Laienhostien kosten demnach 75 Franken. Haben die dünnen Gebäcke eine Prägung – vom Benediktinerinnenkloster St. Gallenberg in Oberbüren (SG) werden als Spezialität Hostien mit kleinen Kreuzen angefertigt –, sind sie pro 1000 Stück zehn Franken teurer. Speziell grosse Hostien, sogenannte Konzelebrationshostien mit bis zu 15 Zentimeter Durchmesser, kosten 2.50 Franken pro Stück. 2007 war eine Laienhostie mit sechs Rappen noch rund 20 Prozent günstiger. In den letzten Jahren aber waren die Preise nicht mehr angehoben worden; auch wegen der ausländischen Konkurrenz.

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