Kabinenpersonal
Swiss-Flugbegleiter schmeissen oft ihren Job hin

Nach zwei Jahren haben die jungen Flugbegleiter genug – sie studieren lieber. Miserable Anfangslöhne und geringe Erholungszeiten bei Langstreckenflügen sind die Hauptgründe.

Matthias Niklowitz
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Nach zwei Jahren haben viele junge Swiss-Flugbegleiter genug vom Fliegen.

Nach zwei Jahren haben viele junge Swiss-Flugbegleiter genug vom Fliegen.

«Ab Sommer studiere ich Betriebswirtschaft in Zürich», sagte die junge Flugbegleiterin der Swiss auf dem Abendflug von Berlin nach Zürich. «Ich habe genug – es gibt keine Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten und das Management signalisiert uns auch, dass es nicht an uns interessiert ist.» «Für uns ist das natürlich ein Riesenproblem», sagt auch der Kabinenchef in der gleichen Bordküche.

«Wir bauen dauernd Know-how auf, das uns durch die Abgänge immer wieder abhanden-kommt.» Ein kleines Beispiel ist das Getränk in der Business-Klasse vor dem Start: Das gibt es auf Europastrecken selbst bei Swiss, die sich als Premium-Airline positioniert, längst nicht mehr.

Etliche altgediente Kabinenchefinnen und -chefs machen allerdings kleine Ausnahmen für ihre besten Kunden. Und müssen das dann dem jüngeren fliegenden Personal erklären. «Champagner – ach, das gab es einmal früher, das war sozusagen das Standardgetränk bei der Swissair.»

Immer schlechtere Bedingungen

Dass viele Flugbegleiter nach zwei bis drei Jahren gehen, ist ein Phänomen gerade der mitteleuropäischen Fluggesellschaften», bestätigt der österreichische Aviatik-Experte Kurt Hofmann, «auch Lufthansa selber und selbst Turkish Airlines haben dieses Problem.» Es gebe zahlreiche Gründe, warum junge Flugbegleiter den Job nach kurzer Zeit hinschmeissen: So hat grundsätzlich das Renommee dieses Berufs stark an Glanz verloren. Die Dienstpläne werden immer straffer, auf Langstrecken wie nach New York gebe es nur noch eine Übernachtung, bevor es dann bereits wieder zurück geht.

Zudem sind gerade die ersten Jahre miserabel entlöhnt. «Und die Einsparmassnahmen und damit die Auswirkungen auf das fliegende Personal gehen weiter», sagt Hofmann, «denn besonders auf Langstrecken wird der Service von immer weniger Personal vorgenommen, wodurch die Arbeitsbelastung für die einzelnen Flugbegleiter weiter steigt.»

Schliesslich sei die Auslastung in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert worden und die Verschiebung des Business-Economy-Klassen-Mix zulasten der Business-Gäste steigere den Arbeitsaufwand zusätzlich. «Wir können auch längst nicht mehr den Service in der Business-Klasse auf Langstrecken anbieten», sagt denn auch der Swiss-Kabinenchef, «der Abbau ist auch für uns spürbar.»

Allschwil mit Gemeindepräsident Anton Lauber ud Swiss Chief Commercial Officer Holger Hätty. Bilder: Kenneth Nars.
9 Bilder
Anton Lauber.
Im Cockpit.

Allschwil mit Gemeindepräsident Anton Lauber ud Swiss Chief Commercial Officer Holger Hätty. Bilder: Kenneth Nars.

Endstation Kabinenchef

«Es ist eine Tatsache, dass sich Flight Attendants oftmals nach zwei bis drei Jahren entscheiden, ihr Studium fortzusetzen und so das Unternehmen auf eigenen Wunsch wieder verlassen» bestätigt Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack die Abgänge nach einer gewissen Zeit. Eine Häufung stelle Swiss allerdings nicht fest. «Diese Wechsel bewegen sich auf stabilem Niveau.» Der Verband des Kabinenpersonals Kapers reagierte nicht auf Anfrage.

«Swiss hat Interesse, das aufgebaute Know-how von Flight Attendants im Unternehmen zu behalten», sagt Ziesack weiter. So bestehe die Möglichkeit, sich zu einem Maître de Cabine für Europa- oder interkontinentale Strecken und einer eidgenössischen Berufsprüfung weiterzuentwickeln. Erst diese Prüfung qualifiziere für die Arbeit in der First Class.

Dort ist es nicht nur für die maximal acht Passagiere, sondern auch für das Personal viel ruhiger.