Schweizergarde

Straffe Führung wurde dem Kommandanten zum Verhängnis

Ist er beim Papst in Ungnade gefallen: Schweizergarde-Kommandant Daniel Anrig

Ist er beim Papst in Ungnade gefallen: Schweizergarde-Kommandant Daniel Anrig

Der Kommandant der Schweizergarde, Daniel Anrig, wird den Dienst im nächsten Jahr quittieren. Italienische Medien schreiben von einer Entlassung durch den Papst.

Papst Franziskus habe Anrigs «Amtsverzicht» angenommen, schreibt die Vatikanzeitung «L’Osservatore Romano» in einer nur zwei Zeilen langen Meldung. Glaubt man italienischen Medienberichten, ist der Verzicht nicht ganz freiwillig zustande gekommen: Vielmehr soll der Papst seinen obersten Leibwächter entlassen haben.

Der 42-jährige Sarganser Daniel Anrig leitet die Schweizergarde seit dem 1. Dezember 2008 als 34. Kommandant in der über 500-jährigen Geschichte der Truppe. Er war wie üblich zunächst für fünf Jahre bestellt worden. 2013 ist seine Amtszeit vom Papst verlängert worden. Nun wird Anrig das Kommando am 31. Januar 2015 abgeben.

Verschiedene italienische Medien berichteten am Mittwoch, dass der Papst insbesondere den Führungsstil des Kommandanten als zu streng und zu militärisch erachtet habe. Gardisten hatten sich offenbar beklagt, dass selbst kleinste Vergehen schikanöse Strafen nach sich zögen.

Ausserdem sei dem Papst, der selber in einer einfachen kleinen Wohnung im vatikanischen Pilgerheim Santa Marta wohnt, die luxuriöse Wohnung über der Garde-Kaserne, die sich Anrig habe einrichten lassen, ein Dorn im Auge gewesen. Diese sei dreimal grösser als die bisherige Kommandanten-Wohnung. Der Sprecher der Schweizergarde hat erklärt, dass keine näheren Angaben zu den Umständen und Gründen des Amtsverzichts des Kommandanten gemacht würden.

Trinken nicht erlaubt?

Der joviale und umgängliche Franziskus habe zu seiner Leibwache einen kollegialen Umgang entwickelt, berichtete der Römer «Messaggero» gestern. Tatsächlich begrüsst der argentinische Papst die Gardisten oft mit Namen, erkundigt sich nach ihrem Befinden, schüttelt ihnen auch ab und zu öffentlich die Hand – was unter Bergoglios Vorgängern absolut unüblich war und schlecht zum autoritären Gebaren Anrigs passt.

Geradezu schockiert sei der Papst bei einem Besuch in der Kasernenküche vor einem Monat gewesen, schreibt die Zeitung «Libero». Dort habe er müde Gardisten in Uniform vorgefunden, die ihm auf die Frage, ob sie sich nicht setzen und etwas Wasser trinken wollten, zur Antwort gegeben hätten, dass ihnen das nicht erlaubt sei.

Umstrittener Polizeieinsatz

Die Wahl Anrigs zum Kommandanten der Schweizergarde war von Beginn weg nicht unumstritten gewesen. Vor seiner Berufung nach Rom war der mit einer Theologin verheiratete Jurist und vierfache Familienvater zunächst Chef der Glarner Kriminalpolizei und schliesslich der Kantonspolizei. Als Kripochef hatte er mit einer unschönen Affäre für Schlagzeilen gesorgt: Unter seiner Leitung waren 2003 bei einer Hausdurchsuchung in einem Durchgangsheim mehrere Asylbewerber gefesselt, entkleidet und fotografiert worden.

Die Sache hatte ein gerichtliches Nachspiel, bei dem die objektiven Tatbestände des Amtsmissbrauchs und der Freiheitsberaubung bestätigt worden waren. Weil Einsatzleiter Anrig kein subjektiver Vorsatz bewiesen werden konnte, wurde das Verfahren eingestellt. Ob Papst Benedikt XVI., der Anrig 2008 zum Kommandanten ernannt hatte, von dem Vorfall wusste, ist nicht bekannt.

Anrigs Nachfolger ist vom Papst noch nicht bestimmt worden; nach übereinstimmenden Medienberichten hat der bisherige Vizekommandant Christoph Graf gute Chancen, die Nachfolge zu übernehmen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1