Spitex
Spitex wird aufwändiger und teurer

Seit einem Jahr sind die Gemeinden für die Spitex zuständig. Weil diese immer mehr Menschen pflegt, steigen die Kosten. Die Spitex Lenzburg musste ihren Pro-Kopf-Beitrag innerhalb von zwei Jahren um zehn Franken erhöhen.

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Spitex wird aufwändiger und teurer

Spitex wird aufwändiger und teurer

Aargauer Zeitung

Irena Jurinak

«Für Unruhe bei den Gemeinden sorgt vor allem, dass der Kanton und die Versicherer die Vorgaben machen und die Gemeinden bezahlen müssen», sagt Maurice Humard. Der Gemeindeammann von Niederlenz ist im Vorstand der Spitex Lenzburg tätig. Sie ist mit 11 Mitgliedergemeinden und rund 20 000 Einwohnern die grösste Spitex-Organisation im Westaargau.

Spitex kommt neu auch nachts

Seit dem 1. Januar 2008 ist im Kanton Aargau das neue Pflegegesetz in Kraft. Danach sind die Gemeinden zuständig für die Planung und Sicherung der ambulanten und stationären Langzeitpflege. Zum Angebot gehört die Hilfe und Pflege zu Hause, die Übergangs-, Palliativ- und stationäre Pflege sowie Dienstleistungen im Bereich Information, Beratung und Vermittlung. Nach dem neuen Gesetz wurde von der Objekt- zur Subjektfinanzierung übergegangen. Jeder Pflegebedürftige muss die bezogenen Leistungen selber bezahlen.

Wenn das nicht mehr möglich ist, kommt das Sozialwesen der Gemeinden zum Zug. Ausserdem sind die Spitex-Beiträge des Bundes weggefallen und müssen neu auch von den Gemeinden übernommen werden. Die Gemeinden kaufen bei ambulanten, beispielsweise der Spitex, und stationären Anbietern, Heimen, Leistungen ein. Seit Anfang 2009 ist das Leitbild der Spitex gesetzlich verankert. Das Mindestangebot der Spitex wurde um Abend- und Nachteinsätze sowie die Kinderspitex und Onkologiepflege erweitert. (ju)

In den vergangenen drei Jahren musste sie ihren Pro-Kopf-Beitrag um über zwanzig Franken - also 143 Prozent - erhöhen, um unter anderem die weggefallenen AHV-Beiträge des Bundes zu ersetzen. Laut Humard wurde die Schaffung einer professionellen Geschäftsleitung unumgänglich, um den Vorstand fachlich zu unterstützen und in der Führung zu entlasten. Dies trug zur Kostensteigerung bei.

Spitex hat immer mehr Arbeit

Mit dem neuen kantonalen Pflegegesetz (siehe Text unten) erklärte der Kanton die Spitex zur Sache der Gemeinden. Ausserdem erneuerte der Kanton das Leitbild der Spitex, das neu gesetzlich verankert ist. Seit Anfang 2009 müssen alle Spitex-Organisationen im Aargau danach arbeiten. «Das Know-how in der Langzeitpflege fehlt noch, die Gemeinderäte müssen es erst aufbauen», so Humard.

Die Einführung von Fallpauschalen in den Spitälern sorgt dafür, dass Patienten früher entlassen werden. Die Spitex pflegt also immer mehr Menschen, die Kosten steigen. Laut Bundesamt für Statis-tik lag die Spitex im vergangenen Jahr auf Platz drei der prozentualen Kostensteigerung im Gesundheitswesen. «Jede Stunde, die von den Pflegerinnen geleistet wird, produziert ein Defizit», erklärt Roswitha Süess, Leiterin Finanzen der Spitex Lenzburg. Jede gearbeitete Stunde generiert nicht verrechenbare Stunden. Wegzeiten, Pflegedokumentationen, Administration, das Rechnungswesen und Bürozeiten sind vom Krankenversicherungsgesetz (KVG) nicht abgedeckt.

«Im Rahmen des KVG ist festgehalten, welche Tätigkeiten als pflegerische Leistung anerkannt und somit von der Krankenkasse bezahlt werden», so Katharina Steffen vom kantonalen Spitex-Verband. Die pflegerischen Leistungen dürfen nur aufgrund festgelegter Tarife verrechnet werden, die unter den Vollkosten liegen. Rund die Hälfte aller erbrachten Stunden werden in der Hauswirtschaft erbracht.

Freiwillige bauten Spitex auf

Die Kosten sind in den Gemeinden unterschiedlich hoch. Katharina Steffen erklärt, dass ein direkter Kostenvergleich zwischen den Organisationen schwierig ist. «Auf dem Land entstehen viel mehr Wegzeiten als in städtischen Regionen.» Altersstruktur einer Gemeinde, Nähe zum Spital, Ärztedichte, Angebot von Tageskliniken habe ebenfalls einen Einfluss.

Die einzelnen Spitexorganisationen im Kanton sind sehr unterschiedlich strukturiert. «Die Einrichtung der Hilfe und der Pflege zu Hause entstand aufgrund des Engagements von Freiwilligen», erzählt Steffen. Die Vereine wurden hauptsächlich von Kirchgemeinden finanziert.

Im Laufe der Zeit, vor allem aber mit der Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes, änderten sich die Anforderungen. «Wie bei jedem anderen Unternehmen ist bei der Spitex heute Professionalität und qualifiziertes Wissen nötig. Es braucht jedoch Zeit, die Strukturen entsprechend anzupassen.»

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