Sonntagspresse
Schweiz bei Booster-Impfungen benachteiligt? Prämienschub bei Krankenkassen? Zunahme von Kurzarbeit?

Bundespräsident Guy Parmelin befürchtet eine Zunahme der Kurzarbeit, das SRF-Umbauprogramm läuft harziger als erwartet, die Pharma gibt der Schweiz bei den Booster-Impfungen wenig Gewicht: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.

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NZZ am Sonntag: Pharma benachteiligt die Schweiz bei Booster-Impfungen

In den Schweizer Spitälern liegen vermehrt Personen, die doppelt gegen Corona geimpft sind. Dennoch hat die Heilmittelbehörde Swissmedic die Zulassung für die sogenannte Booster-Impfung nicht erteilt. Mit einer solchen dritten Impfdosis könnte der Impfschutz aufgefrischt werden. Der Entscheid dürfte aber kurz bevorstehen, sagt Swissmedic-Direktor Raimund Bruhin im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Man sei bei der Begutachtung der Anträge von Pfizer und Moderna «weit fortgeschritten».

Raimund Bruhin, Direktor von Swissmedic, im Interview mit CH Media, am 17. März 2021 am Hauptsitz von Swissmedic in Bern. Swissmedic ist die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Raimund Bruhin, Direktor von Swissmedic, im Interview mit CH Media, am 17. März 2021 am Hauptsitz von Swissmedic in Bern. Swissmedic ist die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Severin Bigler

In mehreren Nachbarländern wird indes schon seit längerem nachgeimpft. Für die Dauer des Schweizer Zulassungsverfahrens sei nicht allein Swissmedic verantwortlich, sagt Bruhin im Interview. «In der Pflicht stehen auch die Pharmafirmen.» Diese entschieden, wo sie wann ihre Gesuche einreichten. Andere Länder hätten die Anträge früher erhalten als die Schweiz. Bruhin warnt zudem davor, die fachliche Prüfung der dritten Impfung durch politische Entscheide vorwegzunehmen, wie dies in Israel passiert sei.

NZZ am Sonntag: Kommt der nächste Prämienschub bei den Krankenkassen?

Diese Woche hat Preisüberwacher Stefan Meierhans eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigt, wie viel die Spitäler an überhöhten Rechnungen für Zusatzversicherte verdienen. Nun geraten die Spitäler zusehends unter Druck zur Kostenwahrheit. Gegenüber der «NZZ am Sonntag», spricht Gesundheitsökonom Heinz Locher von einer «Ausbeutung der Zusatzversicherten».

Gesundheitsökonom Heinz Locher war Mitglied der bundesrätlichen Expertenkommission, die ein Kostendämpfungspaket für das Gesundheitswesen erarbeitet hat.

Gesundheitsökonom Heinz Locher war Mitglied der bundesrätlichen Expertenkommission, die ein Kostendämpfungspaket für das Gesundheitswesen erarbeitet hat.

Sandra Ardizzone

Wenn aber die Spitäler über die privat und halbprivat Versicherten nicht mehr so viel verdienen dürfen, könnte dies die Tarife für die Grundversicherung in die Höhe treiben, sagt Locher: «Die Spitäler brauchen die Gewinne aus den Zusatzversicherungen, weil die Grundversicherung nicht kostendeckend ist», sagt Locher. «Fallen diese weg, müssten logischerweise die Preise der Leistungen aus der Grundversicherung steigen.»

NZZ am Sonntag: Grosse Turbulenzen bei SRF wegen Sparrunden

Das SRF will Millionen sparen und gleichzeitig zu einem digitalen Medienhaus werden. Doch der Umbau zieht offenbar schwere Turbulenzen nach sich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen gegenüber der «NZZ am Sonntag» von mieser Stimmung und Managementfehlern. Ausgerechnet bei den Flaggschiffen von SRF, den Nachrichtensendungen wie «Tagesschau», «10 vor 10» und «Schweiz aktuell», seien die Zustände nach einer ersten Neuorganisation gravierend.

Nathalie Wappler, Direktorin SRF.

Nathalie Wappler, Direktorin SRF.

Severin Bigler / MAN

In den letzten drei Jahren des Umbaus hätten mindestens 136 von 1038 Redaktionsmitgliedern das Unternehmen verlassen. Bald werden die nächsten Reformschritte bekanntgegeben. Der vor einem Jahr geplante Abbau von 211 Stellen soll allerdings langsamer erfolgen. Langsamer werden nun aber auch die neuen Stellen für den digitalen Wandel aufgebaut. Für neue Formate stehen statt der geplanten 23 Millionen erst 9 Millionen zur Verfügung. «Der ursprüngliche Zeitplan war zu ambitioniert, das Vorhaben erwies sich als sehr komplex», gibt SRF-Direktorin Nathalie Wappler im Interview zu.

Sonntagsblick: Pflege-Initiative im Höhenflug

Als die Pflege-Initiative im November 2017 eingereicht wurde, hätte kaum jemand darauf gewettet, dass sie bei den Stimmberechtigten ankommt. Die letzte gesundheitspolitische Initiative von ähnlicher Tragweite scheiterte vor sieben Jahren mit 71 Prozent Nein. Damals ging es um die Einheitskasse. Nun liegen die Zustimmungswerte gemäss einer aktuellen SRG-Umfrage bei 78 Prozent – nur 15 Prozent der Stimmberechtigten sind dagegen.

Yvonne Ribi, Geschäftsführerin SBK-ASI und Mitglied des Initiativkomitees der Pflegeinitiative.

Yvonne Ribi, Geschäftsführerin SBK-ASI und Mitglied des Initiativkomitees der Pflegeinitiative.

Keystone

Damit hat die Pflegereform beste Aussichten, die erste von einer Gewerkschaft lancierte Initiative zu sein, die angenommen wird. Sogar der höchste Ja-Stimmen-Anteil in der Geschichte der modernen Schweiz ist möglich, wie der «Sonntagsblick» schreibt. Für Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), gilt fünf Wochen vor Urnengang: jetzt bloss nicht patzen. «Wichtig ist, dass alle, die heute Ja sagen, auch abstimmen. Wir brauchen auch das Ständemehr.»

Sonntagsblick: Bundespräsident Guy Parmelin befürchtet eine Zunahme der Kurzarbeit

Bundespräsident Guy Parmelin ist besorgt. «Die Firmen bekommen mehr und mehr Probleme, weil viele Lieferketten unterbrochen sind», stellt der SVP-Bundesrat im «Sonntagsblick»-Interview fest. «Es könnte sein, dass wir nächstes Jahr wieder vermehrt auf Kurzarbeit zurückgreifen müssen. Nicht weil keine Arbeit da ist, sondern weil Einzelteile oder Material fehlen, um Produkte fertigstellen zu können.»

Bundesrat Guy Parmelin an der Delegiertenversammlung der SVP am 23. Oktober 2021.

Bundesrat Guy Parmelin an der Delegiertenversammlung der SVP am 23. Oktober 2021.

Cyril Zingaro / KEYSTONE

Weniger Mühe hat Parmelin mit dem aggressiven Kurs seiner Partei, deren Delegierte am Samstag eine Resolution gegen die Städte verabschiedeten. Parteien hätte nun einmal ihre Themen und Programme, so Parmelin. Ihm scheint es im linken Bern jedenfalls zu gefallen, er lebe sehr gerne in der Bundesstadt. Den Abstimmungskampf um das Covid-Gesetz bewertet er zurückhaltend. Falle die Vorlage an der Urne durch, müsste ab März «etwas Neues» gefunden werden, um das Zertifikat zu ersetzen - was auf internationaler Ebene Probleme geben könne.

Sonntagsblick: Verband der Lastwagenfahrer will Sozialpartnerschaft bei Chauffeurmangel beenden

Lastwagenfahrer sind Mangelware, auch in der Schweiz. Nun bahnt sich in der Branche auch noch ein Arbeitskampf an. «Anstatt dafür zu sorgen, dass Lastwagenfahrer in der Schweiz anständige Arbeitsbedingungen erhalten, denken die Transportfirmen nur darüber nach, wie sie irgendwo auf der Welt noch billigere Arbeitskräfte finden können», sagt David Piras, Generalsekretär von Les Routiers Suisses, zum «Sonntagsblick». Das sei aus Sicht der Schweizer Chauffeure absolut inakzeptabel.

Lastwagen-Chauffeure sind gesucht in der Schweiz.

Lastwagen-Chauffeure sind gesucht in der Schweiz.

Alex Spichale / AAR

«Wir haben aber ­bereits Mühe, bei den Mindestlöhnen auf 20 Franken pro Stunde zu kommen, in gewissen Re­gionen liegen wir gar darunter.» Da die Astag nicht verhandeln wolle und versuche, die Angelegenheit schönzureden, sehe man in der Zusammenarbeit keinen Sinn mehr. Piras: «Wir werden deshalb in Kürze über die Weiterführung der Sozialpartnerschaft entscheiden. Aktuell sieht es nach Kündigung aus.»

Die Astag zeigt kein Verständnis für diese Kritik. «Unsere Branche zahlt anständige Löhne», sagt Vizedirektor André Kirchhofer. Der Bund habe der Branche jüngst wieder ein gutes Zeugnis ausgestellt. Demnach lägen «keine gesamtschweizerischen Probleme» vor. Zur Prüfung der aktuellen Forderungen habe man eine Arbeitsgruppe eingesetzt. David Piras von Les Routiers Suisses ist das Warten jedoch leid: «Es muss jetzt etwas geschehen, sonst gehen wir in Zukunft andere Wege.»

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