Die aktuelle Charme-Offensive der Trump-Administration hat auch mit den beiden Flugzeugen zu tun, davon sind Beobachter überzeugt. Die Amerikaner setzen alles daran, dass die Schweiz einen ihrer Jets kauft. Das wäre auch ein Erfolg im US-Verdrängungskampf gegen die europäische Kampfjetindustrie um Airbus, Dassault und Saab.

Die beiden US-Jets seien «überlegene Produkte», sagte McMullen in Payerne. Welches er bevorzugt, wollte er nicht sagen. Nur: «Ich liebe sie beide.»

Noch vor einigen Monaten gingen die meisten Beobachter davon aus, dass die amerikanischen Flugzeuge kaum eine Chance haben würden in der Schweizer Ausmarchung. Aber diese Vorzeichen haben sich geändert. Nicht wenige Politiker, die vorher kritisch waren, zeigen sich mittlerweile milde, wenn es um die Amerika-Jets geht. Charme-Offensive und Meetings im Hintergrund zeigen Wirkung. SVP-Sicherheitspolitiker und Pilot Thomas Hurter (SH) hat beobachtet: «Die Chancen der US-Jets sind in den letzten Monaten gestiegen. Das freundschaftliche Auftreten der Amerikaner der Schweiz gegenüber kann Wirkung zeigen.»

«Hervorragende Arbeit»

SVP-Sicherheitspolitiker Adrian Amstutz (BE) antwortet auf die Frage, ob die USA mit ihrem Schmusekurs erreichen wollen, dass die Schweiz einen ihrer Kampfjets kauft: «Nein – es ist vor allem ein Ausdruck davon, dass der US-Botschafter seine Arbeit hervorragend macht. Er hat ein sehr gutes Verhältnis zu Präsident Trump, und das ist für die Schweiz grundsätzlich positiv.»

Balthasar Glättli (ZH), Fraktionschef der Grünen, sagt, es gehe den Trump-Amerikanern allein ums Geschäft. «Für den Botschafter ist es das Einzige, was er nach Hause liefern kann – den Kampfjet-Auftrag.» McMullen setze daher alle Hebel in Bewegung, um der Schweiz einen US-Flieger zu verkaufen: «Jetzt umso mehr, wo nur 60 Prozent mit Gegengeschäften kompensiert werden müssen.»

SP-Aussenpolitiker und Nationalrat Fabian Molina (ZH) sagt: Es gehe bei den auffällig vielen Kontakten zwischen den USA und Bern «sicher auch um Kampfjets». Aber er glaubt, es gehe den USA «vor allem um Geopolitik, um den Iran».

US-Mehrheit im Bundesrat?

Der Schmusekurs der Amerikaner könnte sich ganz am Schluss des Auswahlprozesses um die Kampfjets auszahlen, glauben Beobachter. Der ehemalige Kampfjet-Pilot Hurter erklärt: «Die amerikanische Charme-Offensive hat im jetzigen Moment keinen Einfluss auf die Evaluation. Jetzt geht es um technische Fragen, was das Flugzeug kann und was es kostet. Aber wenn es am Schluss um politische Fragen geht, dann haben solche Dinge wie eben gegenseitige Besuche und Einladungen sehr wohl einen Einfluss.»

Am Schluss wird es der Bundesrat sein, der auf Antrag von Verteidigungsministerin Viola Amherd entscheidet, welchen Kampfjet die Schweiz kaufen will. Und in der Landesregierung könnte die Charme-Offensive der Amerikaner Früchte tragen.

Derzeit laufen aber noch die Flugtests. Drei Flugzeuge (Eurofighter, F/A-18 Super Hornet, Rafale) wurden von der Luftwaffe bereits erprobt. Bevor Ende Monat der Gripen als letztes an die Reihe kommt, ist derzeit der F-35-Kampfjet von Lockheed Martin an der Reihe. Am Freitag findet der Medientag dazu statt, und Botschafter Ed McMullen wird natürlich dabei sein. Das hat er bereits angekündigt.