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So sieht es aus, wenn der Lokführer nur zuschaut – der erste selbstfahrende SBB-Zug fuhr durch die Schweiz

SBB testet einen Autopiloten für Züge

Video-Reportage: In der Nacht auf den Dienstag testeten die SBB einen Autopiloten für Züge.

Premiere auf dem Schweizer Schienennetz. Auf der Neubaustrecke Bern-Olten haben die SBB und Stadler Rail in der Nacht erstmals einen selbstfahrenden Intercity getestet.

Auf der Strecke Bern - Olten sind erstmals Tests mit neuen digitalen Assistenzsystemen für Lokführer durchgeführt worden. Dabei wurde ein Doppelstockzug im Beisein des Lokführers automatisch gebremst und beschleunigt.

SBB-Test mit automatisiertem Fahren

Im fast führerlosen Führerstand.

Die Aufnahmen zeigen den Führerstand beim automatisierten Bremsen und Beschleunigen und die Betriebszentrale, die für die Testfahrt im Zug eingerichtet wurde.

Die Schweizer Bahnen wollen die Digitalisierung Schritt für Schritt nutzen und die Automatisierung des Zugbetriebs mit dem gemeinsamen Programm SmartRail 4.0 gemeinsam vorantreiben, wie SBB, Stadler und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) am Dienstag gemeinsam mitteilten.

Ziel sei es, die Kapazität und die Sicherheit im Schweizer Bahnnetz weiter zu steigern und Kosten zu sparen. Bei den auf der Bahn-2000-Strecke Bern - Olten von SBB und Stadler durchgeführten Automatisierungstests wurde ein Doppelstockzug im Beisein des Lokführers mit Hilfe eines neuen Fahrassistenzsystems automatisch gebremst und beschleunigt.

Dank der neuen Technik sollen mehr Züge verkehren können, was die Passagierkapazität um bis zu 30 Prozent erhöhen könnte. Good News für Pendler also.

Vergleichbar mit Autopilot

Zusätzlich sei der Zug einem vorgegebenen Geschwindigkeitsprogramm für eine besonders energiesparende Fahrt gefolgt. Dieser Grad der Automatisierung sei vergleichbar mit einem Autopiloten: Der Lokführer sei im Führerstand, überwache und greife bei Bedarf ein.

Ganz ohne Zugführer wird es aber auch in Zukunft nicht gehen. «Weiter automatisieren: Ja. Unbegleitet fahren: Nein», twitterte SBB-Chef Andreas Meyer dazu. Die Bahnbranche automatisiere die Bahntechnik weiter, um mehr aus der Infrastruktur herauszuholen.

Das neue Fahrassistenzsystem baue auf dem bestehenden Zugsicherungssystem European Train Control System (ETCS Level 2) sowie einem von der SBB entwickelten System für die energiesparende Fahrweise namens adaptive Lenkung (ADL) auf.

Um den grössten Nutzen für das Gesamtsystem zu erzielen, müsse die Technik für eine weiter automatisierte Zugsteuerung grenzüberschreitend ausgelegt und für den Güter- und Personenverkehr möglichst standardisiert sein. ETCS sei der internationale Standard. Entsprechend stünden die Schweizer Bahnen mit der europäischen Bahnbranche und der Industrie in Kontakt.

Wie die aktuellen Tests verdeutlichten, seien automatisierte Züge nicht gleichbedeutend mit selbstfahrenden oder unbegleiteten Zügen. SBB-Chef Andreas Meyer sagte in einem sda-Video, dass es aus seiner Sicht auch weiterhin Lokführer brauche. Fachkundiges Personal sei in den Zügen weiterhin notwendig.

Bereits heute sei der Schweizer Bahnbetrieb in vielen Bereichen automatisiert: Über 90 Prozent der Stellwerke werden laut SBB aus einer der fünf Betriebszentralen mit IT-basierten Systemen gesteuert.

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