Nach Anschlag in Berlin

So schützen sich die Schweizer Weihnachtsmärkte vor dem Terror

Christkindlimarkt im Zürcher Hauptbahnhof

Christkindlimarkt im Zürcher Hauptbahnhof

Nach dem Attentat in Berlin passen die Zürcher Stadtpolizei und die Kantonspolizei Basel-Stadt ihre Sicherheitskonzepte bei den Weihnachtsmärkten an. Andere Stadt- oder Kantonspolizeien verweisen darauf, die Sicherheitsmassnahmen bereits aufgrund früherer Ereignisse erhöht zu haben.

Die Massnahmen, welche die Stadtpolizei Zürich nach einer "sorgfältigen Lagebeurteilung" ergreifen wird, werden nicht kommuniziert, teilte der Mediensprecher am Dienstag auf Anfrage mit.

Der Betreiber des Christkindlimarkts im Zürcher Hauptbahnhof und in Luzern sagt, man habe ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept aus Videoüberwachung, Alarmanlagen, Stadtpolizei, Bahnpolizei und angestellten zivilen "Fahndern", die sich unters Volk mischen.

Vor einem Angriff mit einem Lastwagen fürchtet er sich im Hauptbahnhof nicht. Ein Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel sei eine unwägbare Gefahr aber: "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen."

In Basel ist die Kantonspolizei bereits ab Dienstag präsenter auf den Plätzen des Weihnachtsmarktes vertreten, wie sie mitteilte. Zudem würden Zufahrten mit baulichen Massnahmen oder mit Fahrzeugen erschwert. Die Sicherheitsmassnahmen würden auch bei der Silvesterfeier erhöht werden.

Mit diesen Massnahmen trage die Kantonspolizei der aktuellen Lage im nahen Ausland Rechnung. Für Basel und die Schweiz liege jedoch nach wie vor keine Veränderung der Bedrohungslage vor.

Sicherheit bereits früher erhöht

Auf den beiden Weihnachtsmärkten der Stadt Bern markierte die Polizei am Dienstagmittag Präsenz, wie ein Augenschein zeigte. Polizisten patrouillierten. und am unteren Rand des Markts auf dem Waisenhausplatz hatte die Polizei zwischen Durchgangsstrasse und erstem Marktstand ein grösseres Fahrzeug quer auf den Platz gestellt.

Da es schon vor dem Anschlag in Berlin ähnliche Ereignisse gegeben habe, sei die Polizeipräsenz an Anlässen mit grossem Besucherandrang schon früher erhöht worden. Das sagte Christoph Gnägi von der Berner Kantonspolizei auf Anfrage.

Nebst sichtbaren Massnahmen habe die Berner Kantonspolizei auch nicht sichtbare Massnahmen ergriffen, zu denen sie aus taktischen Gründen keine Angaben mache, so Polizeisprecher Gnägi weiter. Ausserdem könnten die Dispositive immer kurzfristig angepasst werden.

Für die Berner Marktkommission, welche diesen Markt organisiert, stellten die Ereignisse von Berlin keinen Anlass dar, die Mitglieder zusammenzurufen. "Wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit der Sicherheitskräfte", sagte Dirk Kredtke, der Vorsitzende und selber Marktfahrer, am Dienstagmittag in Bern.

"Natürlich macht man sich Sorgen und schaut vielleicht mal genauer hin", sagte Stephan Mosimann, der auf dem Berner Münsterplatz einen Keramikstand betreibt. Aber es gelte, nicht emotional zu werden und den Ball flachzuhalten. "Wir müssen unser Leben weiterführen."

Polizei ist "sensibilisiert"

Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei, verweist ebenfalls auf die Anpassungen wie eine höhere Präsenz, welche die Polizei bereits seit November 2015 nach den Anschlägen in Paris vorgenommen hat.

Nach einem solchen Ereignis wie am Montag sei die Polizei "sensibilisiert", stellt er fest. Bisher gebe es vom Nachrichtendienst keine Hinweise, dass in der Schweiz Anschläge wie in Berlin geplant seien, ergänzt er.

Die Kantonspolizei Thurgau habe nach den Anschlägen im Juli in Nizza bei Grossveranstaltungen wie dem Seenachtfest Kreuzlingen veranlasst, dass die Zufahrten zum Festgelände durch schwere Betonelemente abgeriegelt werden, erklärt Andy Theler, Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei.

Eine solche Massnahme könne die Gefahren durch den Einsatz von Fahrzeugen als Waffe vermindern. Nach dem Anschlag in Berlin werde die Kantonspolizei im Rahmen ihrer permanenten Lagebeurteilung prüfen, ob solche Elemente auch bei kleineren Veranstaltungen eingesetzt werden sollen.

Kontakt mit Nachrichtendienst des Bundes

Auch die Luzerner Polizei analysiert und beobachtet die Situation laufend. Dazu sei man auch mit dem Nachrichtendienst vom Bund in Kontakt, heisst es seitens der Luzerner Behörden. Bei Bedarf würden die Mittel der Polizei situationsgerecht angepasst werden.

In Chur führt die Stadtpolizei keine zusätzlichen Massnahmen durch. Man halte am Konzept der "sichtbaren Präsenz" fest.

Drei Marktfahrer sagten der Nachrichtenagentur sda vor Ort in Bern, sie hätten am Dienstagvormittag keinen Besucherrückgang festgestellt. Bislang ist auch beim Organisator in Zürich kein Rückgang der Besucher bekannt.

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