Öffentlicher Verkehr

Senioren sollen zu Stosszeiten nicht mehr Bus fahren

Senioren: In der Westschweiz ist diese Altersgruppe während den Stosszeiten im öffentlichen Verkehr nicht mehr erwünscht.

Senioren: In der Westschweiz ist diese Altersgruppe während den Stosszeiten im öffentlichen Verkehr nicht mehr erwünscht.

Der Tarifverbund Mobilis aus dem Kanton Waadt will Inhaber eines Alters-Abonnements ab dem 12. Dezember nur noch ab 9 Uhr morgens im öffentlichen Verkehr zulassen. Dies stösst auf starke Gegenwehr in der betroffenen Gruppe.

Im Kanton Waadt profitieren 7000 Pensionierte für den Öffentlichen Verkehr von einem vergünstigten Senioren-Abonnement. Damit soll nun Schluss sein. Ab dem 12. Dezember soll das Angebot erst ab neun Uhr morgens gültig sein. Damit sollen die Pensionerten in Zukunft erst am späteren Morgen zum Einkaufen, Schwimmen oder zum Zahnarzttermin fahren können.

Diese Massnahme hat im Kanton Waadt llaut «24 heures» eine Welle der Entrüstung innerhalb der betroffenen Gruppe ausgelöst. Von Diskriminierung und Verleumdung ist die Rede: «Es würde vielmehr taugen, wenn die Jungen lernen, die Älteren zu respektieren, statt sie in Stosszeiten aus dem Öffentlichen Verkehr zu verscheuchen», klagt eine 74-Jährige.

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«Diskriminierend und nutzlos»

Auch die Vereinigung Avivo, welche Pensionierte verteidigt und sich für deren Integration einsetzt, kann es kaum fassen. «Als ob die Pensionierten keine Verpflichtungen am frühen Morgen hätten», entrüstet sie sich auf ihrer Website. «Diese Massnahme ist im Geheimen eingeleitet worden. Sie ist diskriminierend und nutzlos».

Um die Massnahme des Tarifverbundes doch noch umzustimmen, hat nun Avivo eine Petition «Nein zum obligatorischen Ausschlafen» lanciert.

Schritt wird noch einmal überprüft

Dies ist Avivo zumindest teilweise gelungen: Am Montag hat der Öffentliche Verkehr der Region Lausanne bekannt gegeben, dass er aufgrund des «Ausmasses an Unzufriedenheit» die Verantwortlichen des Tarifverbundes aufgetragen hat, diesen Schritt nochmals zu überprüfen.

Was überrascht: Bereits 1971 gab es in Lausanne ein Abo für über 70-Jährige. Auch damals schränkte der Öffentliche Verkehr die Benutzung zu Stosszeiten ein. Allerdings wurde die Einschränkung bald wieder aufgelöst. Der Grund: Schwache Abo-Verkaufszahlen.

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Die gleiche Situation zeigte sich vor 25 Jahren in der Nordwestschweiz. Denn bevor der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) 1987 gegründet wurde, standen über 500 verschiede Abonnementssorten zur Auswahl, weiss Andreas Büttiker vom TNW. Unter anderem auch Abos, die während den Stosszeiten gesperrt waren.

Von einer erneuten Einschränkung für Senioren hält Büttiker gar nichts: «Das ist eine absolute Diskriminierung». Sowieso bestehe seiner Meinung nach am Morgen kein Problem mit Senioren im Öffentlichen Verkehr. «In der morgendlichen Stosszeit zwischen 6:30 und 8 Uhr sind kaum Senioren unterwegs». 

Ein klares Nein lässt auch der Tarifverbund Libero verlauten. «Diese Diskussion führen wir bei uns nicht», sagt Mediensprecherin Annegret Hewlett auf Anfrage.

Keine Nachfrage nach Senioren-Abos bei A-Welle

Da der Aargauische Tarifverbund A-Welle keine Abos speziell für Pensionierte anbietet, stellt sich gar nicht die Frage, ob eine Änderung durchgeführt werden soll. Auch an eine Einführung eines speziellen Abonnements für Pensionierte denkt Martin Osuna von A-Welle nicht: «Zurzeit besteht keine Nachfrage nach Abos für Pensionierte.»

Die Senioren werden darum auch künftig zu Stosszeiten mit den Pendlern um einen Platz buhlen. Für die Pensionierten in Lausanne und Umgebung gibt es immer noch einen Hoffnungsschimmer: Die Antwort vom Tarifverband steht noch aus. 

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