Giuseppe Gracia

«Selbstmord in Zeitlupe»: Bistums-Sprecher vergleicht im «Blick» die Homo-Ehe mit Suizid

Giuseppe Gracia ist seit 2011 Sprecher des Bistums Chur. Er ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Giuseppe Gracia ist seit 2011 Sprecher des Bistums Chur. Er ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Kaum jemand getraue sich, sich als Gegner der Homo-Ehe zu outen. Und wenn, dann sehe er sich bald einem Shitstorm ausgesetzt wie Martin Candinas (CVP) nach seinem Interview mit watson, schreibt der «Blick». Die Zeitung hat deshalb eine «Polemik» des Churer Bistums-Sprechers Giuseppe Gracia abgedruckt – und die hat es in sich.

Die Provokation liegt Giuseppe Gracia, dem Sprecher des Bistums Chur, im Blut. Das stellte er heute im «Blick» erneut unter Beweis. In einem Gastbeitrag schiesst er scharf gegen die «Ehe für alle». Dass das standesamtliche Ja-Wort bald allen offenstehen könnte, «die sich ganz doll lieben», läuft aus seiner Sicht dem Staatsinteresse zuwider.

Das Interesse des Staates bestehe im Heranwachsen künftiger Steuerzahler, Arbeitnehmer und Konsumenten «in stabilen Verhältnissen», argumentiert Gracia. Ohnehin fragt er sich, was eine Gesellschaft, die sich progressiv schimpft, überhaupt mit dem Konzept Ehe anfangen will:

Immerhin sei die traditionelle Ehe die Hauptursache aller Scheidungen, höhnt PR-Profi Gracia. Allerdings sei es nicht an ihm, zu urteilen, welche Formen des Zusammenlebens der Staat künftig privilegieren soll.

Die totale Verluderung der Sitten ist jedenfalls nah, sollte der traditionelle Ehebegriff tatsächlich aufgebrochen werden, davon ist Gracia überzeugt. Beim Gedanken daran scheint seine Fantasie fast mit ihm durchzugehen.

Die komplette Abschaffung der Ehe ist dann aus Sicht des Bistums-Sprechers nur noch eine Frage der Zeit. Gracia skizziert folgende Kaskade: Polygame Männer holen sämtliche Gemahlinnen per Familiennachzug in die Schweiz. Die Integrationsprobleme laufen aus dem Ruder. Am Ende bleibt nur noch eine Lösung:

Shitstorm gegen Martin Candinas

In der Einleitung zum Gastartikel verweist der «Blick» darauf, dass das deutsche Ja zur «Ehe für alle» in der Schweiz überwiegend positiv bewertet worden sei. Die Gegner der Homo-Ehe getrauten sich kaum, ihre Bedenken laut zu äussern. Und wenn, gerieten sie prompt in einen Shitstorm – wie CVP-Nationalrat Martin Candinas nach seinem watson-Interview.

Tatsächlich sorgte das Gespräch für emotionale Diskussionen. Die Kontroverse blieb auch in Candinas' bündnerischer Heimat nicht unbemerkt – das Onlineportal der «Südostschweiz» widmete den Kommentaren der watson-Leser einen eigenen Artikel. Mit der Kritik habe er keine Mühe, liess sich Candinas als Reaktion darauf zitieren. «Ich weiss, dass es ein emotionales Thema ist, das auch Reaktionen provoziert.»

(jbu)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1