Flugzeugunglück

Schweizer Menschenrechts-Aktivistin unter den Opfern des Mali-Absturzes

Angehörige der französischen Armee bergen die Blackbox der abgestürzten Maschine der Air Algérie.

Angehörige der französischen Armee bergen die Blackbox der abgestürzten Maschine der Air Algérie.

Nach dem Absturz einer Air-Algérie-Maschine in Mali ist ein Flugschreiber geborgen worden. Laut dem französischen Präsidenten François Hollande gab es keine Überlebenden beim Absturz. Unter den Opfern ist auch eine junge Schweizerin aus Lausanne.

An Bord der Unglücksmaschine waren nach neuesten Angaben des Elysée-Palastes 118 Insassen, darunter 51 Franzosen und nach Angaben des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) auch eine Schweizerin.

Bei der Schweizerin handelt es sich um eine junge Frau aus Lausanne. Ihre Identität geht aus einer Liste hervor, die im Internet kursiert. Sie war für eine Genfer NGO tätig und engagierte sich im Bereich der Menschenrechte.

Eine Menschenrechtsaktivistin aus Lausanne ist unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Mali.

Eine Menschenrechtsaktivistin aus Lausanne ist unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Mali.

Nach dem Flugzeugabsturz in Mali ist das zerschellte Wrack der Unglücksmaschine gefunden und der Flugschreiber geborgen worden. Keiner der 118 Insassen der Maschine der Air Algérie habe das Unglück überlebt, sagte der französische Staatspräsident François Hollande am Freitag.

Frankreichs Regierung vermutete schlechtes Wetter als Absturzursache und schloss einen Abschuss praktisch aus. Französische Soldaten sollten die Blackbox zur Auswertung in die rund hundert Kilometer von der Absturzstelle in der Region Gossi entfernte nordmalische Stadt Gao bringen.

Rund hundert Soldaten waren zuvor am Fundort des Wracks eingetroffen, um die Absturzstelle zu sichern und die Toten zu bergen. Das Flugzeug vom Typ McDonnell Douglas MD-83 war in der Nacht zum Donnerstag auf dem Weg von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou nach Algier über Mali abgestürzt. Erst in der Nacht zum Freitag wurde das zerschellte Wrack in der Nähe der Grenze zu Burkina Faso entdeckt.

Bilder vom Absturzort zeigten ein völlig in kleine Einzelteile zersplittertes Flugzeugwrack. Die Bergungsarbeiten könnten sich aufgrund der schlechten Wetterbedingungen hinziehen. "Die Maschine ist über der Sahelzone abgestürzt. Der Sand und vor allem der Regen erschweren die Arbeit der Bergungskräfte", sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Freitag an einer Pressekonferenz in Paris.

Die Internationale Polizeibehörde Interpol schickt zur Identifizierung der Opfer ein Spezialteam. Man liefere jegliche Hilfe, um sicherzustellen, dass die Opfer so schnell und sorgfältig wie möglich identifiziert werden könnten, teilte Jean-Michel Louboutin, der Direktor der Organisation mit Sitz in Lyon, am Freitag mit.

"Extrem schlechtes Wetter"

Auf der Suche nach der Absturzursache würden alle Hypothesen untersucht, "vor allem klimatische", sagte Staatschef Hollande. Die Wetterbedingungen in der Region seien zum Zeitpunkt des Absturzes "extrem schlecht" gewesen.

Frankreichs Verkehrs-Staatssekretär Frédéric Cuvillier sagte, ein Raketenabschuss könne praktisch ausgeschlossen werden: "Wir haben von Anfang an die Möglichkeit eines Schusses vom Boden aus ausgeschlossen, der höchst unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich ist", sagte er dem Sender France 2.

Staatssekretärin Fleur Pellerin hob in Ouagadougou hervor, es habe sich nach Erkenntnissen der französischen und burkinischen Behörden "keine verdächtige Person" an Bord befunden. Experten hatten einen Terroranschlag zuvor nicht ausgeschlossen.

In Mali hatte die französische Armee im vergangenen Jahr eine Offensive gegen islamistische Rebellen geführt, die zuvor den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Das französische Militär ist weiterhin in der Region um Gao präsent. In dem riesigen und schwer zu kontrollierenden Wüstengebiet sind Islamisten sowie Rauschgiftschmuggler und andere Banditen aktiv.

Drei Abstürze - 460 Tote

Der internationale Luftfahrtverband IATA erklärte derweil, er werde sich für die Sicherheit des weltweiten Flugverkehrs einsetzen. Nach drei Tragödien mit insgesamt mehr als 460 Toten innerhalb einer Woche "werden viele Leute aus verständlichen Gründen die Flugsicherheit hinterfragen", sagte IATA-Chef Tony Tyler.

Der Luftfahrtverband werde alles tun, um die Ursachen der Unglücke zu klären und dafür zu sorgen, dass sich ähnliche Katastrophen nicht wiederholten. "Unsere oberste Priorität ist die Sicherheit. Und trotz der Ereignisse der vergangenen sieben Tagen ist Fliegen sicher", betonte Tyler. "An Bord eines Flugzeuges zu gehen gehört immer noch zu den sichersten Dingen überhaupt."

Am 17. Juli war ein Jet von Malaysian Airlines mutmasslich von prorussischen Separatisten abgeschossen worden und im Osten der Ukraine abgestürzt. Alle 298 Menschen wurden dabei getötet. Am Mittwoch war ein taiwanisches Flugzeug bei heftigem Regen im Südwesten Taiwans abgestürzt, 48 Menschen kamen dabei ums Leben.

Der vierte Crash einer MD-83

Der Absturz der McDonnell Douglas 83 - kurz MD-83 - der Fluggesellschaft Air Algérie ist nicht der erste dieses Flugzeugtyps. In der Vergangenheit gab es bereits drei grosse Katastrophen mit MD-83-Flugzeugen.

Im Januar 2000 stürzte eine MD-83 der Fluggesellschaft Alaska Airlines vermutlich wegen eines Wartungsfehlers in den Pazifik. 83 Menschen starben.

Eine vom Kurs abgekommene MD-83 der türkischen Fluggesellschaft Atlasjet stürzte im November 2007 in der Türkei ab, 57 Menschen kamen ums Leben. Im Juni 2012 stürzte eine MD-83 der Fluggesellschaft Dana Air wegen eines Motorschadens in einem Viertel der nigerianischen Grossstadt Lagos ab. Die 153 Insassen starben, insgesamt kamen über 200 Menschen ums Leben.

Die MD-80er-Maschinen des 1997 von Boeing aufgekauften US-Flugzeugbauers gehören zu den meistverkauften Flugzeugen der Welt. Die erste MD-80, eine Weiterentwicklung der DC-9, wurde 1980 in Dienst genommen.

An Bord der zweimotorigen Maschine haben bis zu 172 Passagiere Platz. Die 1985 in Dienst gestellte MD-83 hat mit 4630 Kilometern eine grössere Reichweite als die anderen Maschinen der Reihe.

Boeing baute die Flugzeuge nach der Übernahme von McDonnell Douglas 1997 zunächst weiter. Die letzte Maschine der Serie lief Ende 1999 vom Band.

Die Pratt-and-Withney-Motoren verbrauchten zu viel Treibstoff, um gegenüber der Boeing 737 oder dem Airbus A320 konkurrenzfähig zu sein. Über 20 Jahre wurden 1191 Flugzeuge aus der MD-80er Reihe gebaut, sie sind heute noch weltweit im Einsatz.

Flugangst nach Abstürzen? So reagieren Passagiere

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