Coronavirus

Schweizer Impfstoffvertrag mit Moderna: WHO kritisiert «Covid-19-Nationalismus»

Die WHO setzt sich für eine solidarische Verteilung eines Impfstoffes ein. (Symbolbild)

Die WHO setzt sich für eine solidarische Verteilung eines Impfstoffes ein. (Symbolbild)

Im Wettrennen um einen Corona-Impfstoff sichern sich die Schweiz und andere reiche Länder mögliche Präparate durch Vorverträge. Die Solidarität mit ärmeren Ländern bleibe damit auf der Strecke, kritisiert die WHO.

(dpa/gb.) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert, dass sich einzelne reiche Länder Vorbestellungen von möglichen Corona-Impfstoffen sichern. «Aus unserer Sicht ist es ein Fehlgedanke zu glauben, wenn die ganze Bevölkerung eines einzelnen Landes durchgeimpft ist, sei das Problem gelöst», sagt Caroline Schmutte von der Stiftung Wellcome Trusts, welche ein Projekt der WHO zur solidarischen Finanzierung eines weltweit verfügbaren Impfstoffs unterstützt, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Die Schweiz hat anfangs August einen Kaufvertrag für einen Corona-Impfstoff mit dem US-Biotechnologieunternehmen Moderna unterschrieben. Sie ist damit nicht allein: Die USA und Deutschland haben ähnliche Verträge mit einzelnen Firmen abgeschlossen. Laut Schmutte ist das problematisch. «Das könnte Hürden bei der gerechten und bedarfsorientierten Verteilung von Impfstoffen schaffen.»

Derweil fehlt der WHO das Geld für die Finanzierung ihres Projekts zur solidarischen Verteilung von Impfstoffen und Medikamenten auf der ganzen Welt. «Es gibt erhebliche Finanzierungslücken», so Schmutte weiter. Konkret geht es um knapp 30 Milliarden Dollar, die noch fehlten. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus appellierte deshalb an die Staaten, sich zu beteiligen: «Begrenzte Bestände strategisch und weltweit mit anderen zu teilen ist im nationalen Interesse jedes Landes», sagte er in Genf. Die Pandemie könne am schnellsten gestoppt werden, wenn alle Risikopersonen weltweit geschützt sein, nicht ganze Bevölkerungen in nur einigen Ländern. «Wir müssen Covid-19-Nationalismus verhindern», so der WHO-Chef.

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