Absenzen

Schulschwänzer: Absenzen sollen ins Zeugnis

Sollen Absenzen in der Volksschule wieder ins Zeugnis? Der führende SVP-Bildungspolitiker Beat Unternährer fordert genau dies.

Mathias Küng

In einem Postulat ersucht SVP-Grossrat Beat Unternährer die Regierung, Grundlagen zu schaffen, damit Absenzen wieder in die Schulzeugnisse eingetragen werden. Damit steht er nicht allein. 2009 hat der Zürcher Kantonsrat beschlossen, dass Absenzen von Schülern der Sekundarstufe I künftig wieder in die Zeugnisse eingetragen werden – unterteilt in «entschuldigt» und «unentschuldigt».

Solche Einträge seien keine Schikane, glaubt Unternährer: «Häufige oder längere Abwesenheiten können sich ganz klar nachteilig auf die Schulleistungen auswirken. Anmerkungen von solchen Abwesenheiten, insbesondere von unbewilligten oder unzureichend begründeten Abwesenheiten, sind daher sinnvoll. Zudem kann dieser Eintrag unter Umständen auch helfen, eine ungenügende Schulnote zu begründen, und liegt somit durchaus auch im Interesse des Schülers oder der Schülerin.»

Gibt es so weniger Absenzen?

Nachfragen bei kantonalen Bildungspolitikern ergeben Für und Wider: Die Grossräte Hans Ulrich Bühler (FDP) und Esther Gebhard-Schöni (EVP) befürworten den Vorstoss. Absenzen seien zwar nicht grad das grösste Problem, relativiert Bühler, doch Unternährers Begründung kann er nachvollziehen. Dass es so weniger Absenzen gibt, glaubt er aber nicht – höchstens in der letzten Klasse. Die Absenzen könnten indessen etwas über den Charakter des Schülers aussagen. Bedingung für Bühler ist, dass zwischen «entschuldigt» und «unentschuldigt» unterschieden wird. Das unterstützt Unternährer auf Nachfrage. Auch fände er einen klärenden Zusatzeintrag zu einer längeren Absenz sinnvoll, wenn beispielsweise eine schwere Blinddarmoperation diese ausgelöst hat.

Esther Gebhard-Schöni sind Vorfälle bekannt, «die nach strafferem Umgang mit dem Problem rufen». Sie unterstützt den Vorstoss. Ihr ist aber auch wichtig, die Gründe für häufige Absenzen zu ermitteln und mit Eltern und Schülern klare Regeln zu vereinbaren. Gebhard-Schöni: «Kooperation muss eingefordert werden!» Weil die Allgemeinheit für die Schule sehr viel Geld aufwendet, sei es «besonders gegenüber Steuerzahlern mit geringerem Einkommen ein Hohn, wenn man schwänzt, einfach weil einem nicht ganz nach Schule ist».

Vorn dabei: Wegen Mutterschaft

Deutlich zurückhaltender reagieren Thomas Leitch (SP) und Nicole Meier Doka (CVP). Mit einem Eintrag für unentschuldigte Absenzen könnte sich Grossrat Leitch (selbst Lehrer) gerade noch anfreunden, nicht aber mit entschuldigten Absenzen. Solche könnten Lehrmeister abschrecken, wenn sie – ohne die Gründe zu erfragen – aufgrund hoher Zahlen denken, der angehende Lehrling sei viel krank. Damit könnte man jungen Leuten gar die Zukunft verbauen, fürchtet er. Klar ist für ihn: Wenn die Absenzen zurückkommen, sollen sie in der ganzen Volksschule gelten. Meier Doka anerkennt das Problem mit zunehmenden Absenzen. Doch Unternährers Postulat ist für sie nicht die Lösung. Wie Gebhard-Schöni fordert sie, die Eltern mehr in Pflicht zu nehmen. Ein Absenzeneintrag als Sanktion widerstrebt ihr. Erst recht, wenn nur nackte Zahlen eingetragen werden sollten. Ihr selbst ist das als Grossrätin widerfahren. Dort figurierte sie weit vorn in der Absenzenliste des Rates: Wegen Mutterschaft...

Würden Lehrer zustimmen?

Doch was sagen die Lehrer selbst dazu? Lehrerverbandspräsident Niklaus Stöckli erinnert daran, dass die Reallehrer die Forderung nach Absenzeneinträgen selbst schon erhoben haben. Damit wolle man niemanden an den Pranger stellen. Diese Einträge brächten aber eine gewisse Verbindlichkeit mit sich und zeigten, dass die Volksschule nicht freiwillig ist. Stöckli glaubt: Eine Mehrheit der Lehrerschaft würde dies begrüssen. Oder umgekehrt gesagt: Die Lehrer würden es nicht bekämpfen.

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