Zürich

Schub für Hort und Mittagstisch

Kinderhaus Urdorf: Im kantonsweiten Durchschnitt boten die Zürcher Gemeinden 2008 für 10,9 Prozent aller Kinder familienergänzende Betreuung an – Tendenz steigend. fuo

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Kinderhaus Urdorf: Im kantonsweiten Durchschnitt boten die Zürcher Gemeinden 2008 für 10,9 Prozent aller Kinder familienergänzende Betreuung an – Tendenz steigend. fuo

Tagesstrukturen für Kinder boomen. Doch noch ist unklar, ob das Angebot der Nachfrage im Kanton Zürich genügt. Klar ist: Es müsste.

Matthias Scharrer

Der Fahrplan zur Umsetzung des neuen Zürcher Volksschulgesetzes ist eindeutig: «Eingeführt», heisst es da unter der Rubrik «Tagesstrukturen» zum Stichtag Schuljahresbeginn 2009/10. Das Schuljahr hat kürzlich begonnen. Doch ob das Ziel eines bedarfsgerechten Angebots an Tagesstrukturen schon erreicht ist, kann Regula Enderlin Cavigelli, Projektleiterin für die Umsetzung des Volksschulgesetzes, noch nicht sagen. Zahlen für den ganzen Kanton lägen erst Ende Jahr vor, wenn der Betreuungsindex für 2009 erstellt sei, erklärt sie. Feststeht: «Es wird insgesamt einen Schub geben», so Enderlin Cavigelli. Vor allem städtische Gebiete hätten grossen Bedarf an Tagesstrukturen.

In den Städten, allen voran Zürich und Winterthur, sei das Angebot an Tagesstrukturen bereits sehr ausgebaut und die Nachfrage steige weiter an. Das Angebot reicht von Tagesschulen über Tageshorte zu Mittagstischen. «Ebenfalls ein sehr gut ausgebautes Angebot an Tagesstrukturen haben verschiedene Seegemeinden, etwa Herrliberg und Zumikon», so die Projektleiterin des Kantons. Kleinere Gemeinden setzen laut Enderlin Cavigelli hingegen eher auf Mittagstische. Aber: «Verschiedene ganz kleine Gemeinden haben zur Rettung ihrer Schule Tagesschulen aufgebaut, die ein grösseres Einzugsgebiet haben.»

Wartelisten abbauen

Klar auf Ausbaukurs ist die grösste Zürcher Gemeinde: «Unser primäres Ziel war es, die Wartelisten abzubauen», sagt Marc Caprez, Sprecher des Stadtzürcher Schul- und Sportdepartements. Anfang Juli fehlten in Zürich gemäss Warteliste noch 180 Hortplätze. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Fortschritt: Damals umfasste die Warteliste noch 300 Kinder. Und der Ausbau geht weiter: Die Stadt Zürich kündigte auf Schuljahresbeginn 2009/10 Horteröffnungen und -erweiterungen im Umfang von 800 Plätzen an, zudem bis Oktober 70 weitere neue Hortplätze.

Ob damit für alle Kinder auf der Warteliste das nötige Angebot steht, ist laut Caprez jedoch noch offen. Er rechnet damit, dass bis Mitte September die bereinigten Zahlen vorliegen.

Bis zu 50 Prozent Bedarf

Derzeit seien in Zürich rund 30 Prozent der Schulkinder in Tagesstrukturen eingebunden. Für die Zukunft rechnet Caprez mit bis zu 50 Prozent. Dabei verfolge die Stadt Zürich die Vision vom «Lebensraum Schule» mit Tagesstrukturen «à la carte» von 7 bis 18 Uhr.

Ein ehrgeiziges Ziel. Denn es fehlt nur schon an Platz: «Zürich ist gebaut», zitiert Caprez ein geflügeltes Wort. Und die Auflagen, etwa bezüglich Küchenhygiene, seien hoch.

Der Ausbau geht auch ins Geld:

Einen Hortplatz zu bauen kostet laut Caprez 25 000 Franken. Die laufenden Betriebskosten pro Jahr beziffert er auf 10 000 Franken. Zur Finanzierung dürfen die ärmeren Gemeinden laut Enderlin Cavigelli für maximal ein Drittel der Kosten auf den kantonalen Lastenausgleich zurückgreifen.

Lösungen für alle Kinder

Während die Stadt Zürich noch um den Abbau der Wartelisten ringt, hat Winterthur dieses Ziel laut Stadträtin Pearl Pedergnana bereits erreicht: «Wir führen ab diesem Schuljahr keine Warteliste mehr», so die Vorsteherin des Winterthurer Schul- und Sportdepartements. «Wir müssen für alle Kinder Lösungen finden.» Selbstbewusst fügt sie hinzu: «Wir haben Lösungen parat.

Wir sind weiter als Zürich.» Schon in den letzten zwei Jahren habe ein starker Ausbau stattgefunden, sodass jetzt keine übermässigen Anstrengungen nötig seien.

Ab Sommer 2011 sollen alle Winterthurer Primarschulen als freiwillige Tagesschulen geführt werden. An den Sekundarschulen beschränke sich die Nachfrage auf Mittagstische. Doch auch hier zeigt sich Pedergnana offensiv: «Wenn Eltern das wünschen, suchen wir Tagesfamilien oder Hortplätze an Primarschulen für ihre Sekundarschulkinder.»

In der Eulachstadt braucht laut der SP-Stadträtin Pedergnana etwa jedes dritte Kind familienergänzende Tagesstrukturen. Rund zwei Drittel der betroffenen Eltern seien subventionsberechtigt.

Im kantonsweiten Durchschnitt boten die Zürcher Gemeinden 2008 für 10,9 Prozent aller Kinder familienergänzende Betreuung an - Tendenz steigend.

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