Kommunikations-Panne
Schneider-Ammanns Info-Chef sah das Video vor der Ausstrahlung nicht

Die ganze Welt lacht über die Rede von Johann Schneider-Ammann. Wie der SonntagsBlick berichtet, sah sein Informationschef die Aufzeichnung nicht, bevor sie ausgestrahlt wurde.

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Zweifelhafter Ruhm für Bundesrat Schneider-Ammann: Seine Ansprache zum Tag der Kranken hat es bis nach Amerika geschafft. Screenshot RTS

Zweifelhafter Ruhm für Bundesrat Schneider-Ammann: Seine Ansprache zum Tag der Kranken hat es bis nach Amerika geschafft. Screenshot RTS

Bundespräsident Schneider-Ammann will dreifachen Kulturwandel

Die Schweiz benötige einen dreifachen Kulturwandel, um ihren Erfolgsweg in die Zukunft zu bringen. Dies schreibt Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in einem Gastbeitrag in der „Schweiz am Sonntag“ vor der dringlichen Debatte zur Wirtschaftssituation vom Mittwoch. Der erste Kulturwandel betrifft die Digitalisierung. «Als innovativer Standort mit hervorragenden Fachkräften und privater wie staatlicher Spitzenforschung ist unser Land zwar prädestiniert für die 4. industrielle Revolution», schreibt er. Trotzdem weckten die anstehenden fundamentalen Veränderungen Ängste. Davon dürfe sich die Schweiz nicht blockieren lassen. «Wir brauchen mehr Mut und Zuversicht.» Als zweiten nötigen Kulturwandel ortet Schneider-Ammann «mehr Bereitschaft zu Reformen». Diese Reformen könnten aber nur gelingen, «wenn wir sie gemeinsam anpacken, statt gegeneinander zu arbeiten» – der dritte notwendige Kulturwandel.

«Ist man bei einer solchen Aufzeichnung dabei, muss man sofort reingrätschen – und sie stoppen», zitiert der SonntagsBlick einen ehemaligen Bundesrats-Sprecher. Nur: Noé Blancpain (35), Informationschef von Schneider-Ammann, fehlt beim einstündigen Dreh in Bern. Und er schaut sich die Rede nicht an, bevor sie ausgestrahlt wird. Das sei «mehr als ein Versäumnis, das ist echtes Versagen!», urteilt der SonntagsBlick. Personelle Folgen seien in Schneider-Ammanns Team aber nicht vorgesehen.

Gemäss der Zeitung habe die kommunikationstechnische negativ-Spirale von Schneider-Ammann bereits im Februar 2014 begonnen. Publik wurde, dass Schneider-Ammann als Chef der Ammann Group auf der Kanalinsel Jersey Firmengelder angelegt hatte. Das ist zwar legal, stempelt ihn aber zum Steueroptimierer. Den Ruf kitten sollten die "Konsulenten", das klandestine Beratungsbüro in Zürich. Sie fädelten damals Interviews mit der NZZ und dem SonntagsBlick ein. Und sie legten dem Bundesrat nahe, seinen bisherigen Informationschef auszuwechseln.