Terror in Frankreich

Roger Köppel: «Muslime müssen dieses Krebsübel in ihrer Religion bekämpfen»

«TalkTäglich» zum Umgang mit radikaler Islamisierung in Europa

«TalkTäglich» zum Umgang mit radikaler Islamisierung in Europa

Es diskutierten Publizist Peter Rothenbühler und «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel mit Moderator Markus Gilli (von links). Sehen Sie hier den Zusammenschnitt der Sendung.

«Weltwoche»-Chefredaktor Köppel und Publizist und Frankreich-Experte Peter Rothenbühler attestieren Frankreich gravierende gesellschaftliche Probleme. Köppel fordert bessere Integration. Und zieht auch die Muslime selbst zur Verantwortung.

Vier Millionen Menschen waren am Montag in ganz Frankreich auf der Strasse und haben der Terror-Opfer in und um Paris gedacht. Publizist und Frankreich-Experte Peter Rothenbühler hat an der Kundgebung in Paris teilgenommen. Zurück in der Schweiz ist er Gast in der Sendung «TalkTäglich».

«Es war sehr berührend, aus allen Stadtteilen sind die Leute geströmt – samt Kindern und Hund. Die Massen haben spontan Imagine von John Lennon gesungen. Das war natürlich wahnsinnig eindrücklich», schildert er zu Beginn der Sendung.

«Imagine all the people living life in peace»: Singende Menschenmasse am Gedenkmarsch in Paris

«Imagine all the people living life in peace»: Singende Menschenmasse am Gedenkmarsch in Paris

Er staunt darüber, dass die Kundgebungen innert kürzester Zeit und unbürokratisch organisiert worden sind: «Ich habe Frankreich nicht mehr erkannt.» Präsident Hollande habe Entscheidungen getroffen, die normalerweise Monate dauern würden.

«Es war eine bürgerliche Mittelklasse-Demo»

Doch Rothenbühler steht dem Geschehen in Frankreich kritisch gegenüber. In den Menschenmassen hat er etwa die 30 Prozent Wähler des rechtspopulistischen «Front National» oder die Bewohner der Banlieue vermisst.

«Diese Spaltung der französischen Gesellschaft, die gravierend ist, hat man dadurch nicht gesehen», sagt er. «Es war eine bürgerliche Mittelklasse-Demo.»

Dass der Front National ausgeladen war, finden beide Talk-Gäste «eine Dummheit». «Wenn man die Einheit beschwört, muss man auch alle einladen», sagt Roger Köppel.

Frankreich hat laut Köppel nicht nur mit politischen und ökonomischen Schwierigkeiten zu kämpfen, «sondern es ist auch ein Land, das tiefgreifende Probleme mit der Integration hat.» Gerade von solchen jungen Muslimen, wie jene, die das Attentat in Paris verübt haben.

«Das sind gescheiterte Existenzen, die in diesem Islamismus irgendwo ein Sinnstiftungs-Angebot gefunden haben, für dieses sie sogar ihr Leben opferten», sagt Köppel. «Das ist extrem verstörend und zeigt, dass mit den Muslimen in diesem Land etwas nicht stimmt.»

«Lippenbekenntnisse» der Muslime

Frankreich muss laut Köppel die Muslime besser integrieren. Und der «Weltwoche»-Chefredaktor zieht auch die Muslime selbst zur Verantwortung. «Indem sie sich davon distanzieren, machen sie es sich zu leicht. Sie sind entscheidend mitverantwortlich, dass dieses Krebsübel in dieser Religion bekämpft werden kann.»

Auch Peter Rothenbühler findet die «Lippenbekenntnisse», der Terror in Frankreich habe nichts mit dem Islam zu tun, «falsch». «Was man jetzt von den Imamen in Frankreich verlangen muss, ist eine gute Ausbildung – es gibt zu viele selbsternannte Imame.» Zudem fordert er, dass Muslime, die im Namen Allahs töten, exkommuniziert, also auch religiös abgestraft werden.

Rothenbühler, Köppel und Thiel

Gegen Ende der Sendung entbrennt eine kurze Auseinandersetzung zwischen Rothenbühler und Köppel. Roger Köppel diagnostiziert Rothenbühler in Sachen Sarite-Kritik «eine gewisse Doppelmoral».

«Wenn du dich so beherzt für die Charlie-Hebdo-Karikaturisten einsetzt, dann darfst du in der Schweizer Illustrierten nicht Andreas Thiel aufs Übelste kritisieren, nur weil er einen Text schreibt, der auf die gewaltaufrufenden Suren im Koran hinweist», kritisiert Köppel.

Rothenbühler wehrt ab, dass er auch «Charlie Hebdo» bereits «sehr oft» kritisiert habe. Moderator Markus Gilli würgt das Streitgespräch schliesslich ab. (smo)

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