Um 11.45 Uhr haben die Polizisten das von den Aktivisten aufgebaute Camp gestürmt.

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Räumung
Polizei räumt Besetzer-Camp bei Holcim-Steinbruch in der Waadt

Seit Monaten haben Umweltaktivisten den Hügel Mormont in der Waadtländer Gemeinde Eclépens besetzt. Sie wollten eine Erweiterung des Steinbruchs verhindern. Am frühen Dienstagmorgen hat die Polizei mit der Räumung des Geländes begonnen und gegen Mittag das Camp gestürmt.

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(chm)

Der Steinbruch La Birette 20 Kilometer nördlich von Lausanne ist das älteste Zementwerk der Romandie. Seit bald 70 Jahren wird hier Kalkstein abgebaut. 2016 hat Betreiberin Holcim vom Kanton Waadt die Genehmigung erhalten, den Steinbruch zu erweitern - mit dem Abbau des angrenzenden Mormont.

Blick auf den Steinbruch La Birette bei Eclépens VD.

Blick auf den Steinbruch La Birette bei Eclépens VD.

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Im Oktober haben Umweltaktivisten das Gelände besetzt. Sie kämpften gegen die Zerstörung des Ökosystems. Nachdem eine Beschwerde von Holcim wegen Hausfriedensbruchs gutgeheissen worden ist, hat die Polizei am frühen Dienstagmorgen mit der Räumung des Geländes begonnen.

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Um 11.45 Uhr haben die Polizisten das von den Aktivisten aufgebaute Camp gestürmt (Video ganz oben). Die Besetzerinnen und Besetzer revanchierten sich mit Steinwürfen und Rauchpetarden. Laut einer Mitteilung des Kantons hätten die Einsatzkräfte «mit Grummigeschossen und Tränengas reagieren müssen».

Bis am späten Nachmittag sind gemäss der Waadtländer Polizei 41 Personen festgenommen und 38 «entlassen und zum Bahnhof begleitet» worden.

Klimastreikende solidarisieren sich, SVP kritisiert Kantonsregierung

Diverse Gruppierungen haben sich mit den Besetzerinnen und Besetzern solidarisiert. So etwa die Klimaaktivisten von Klimastreik Schweiz und Extinction Rebellion. 1500 Personen haben vergangenen Freitag an einer Demonstration in Lausanne ihre Solidarität ausgedrückt. «Holcim ist der grösste CO2-Emittent der Schweiz», heisst es in einer Mitteilung von Klimastreik Schweiz am Dienstag. «Die Erweiterung der Steingrube würde nicht nur weitere Emissionen verursachen, sondern auch konkret die rare Biodiversität des Mormonts zerstören.»

Die Waadtländer SVP begrüsst die Räumungsaktion, wie die Partei mittels Medienmitteilung kundtut, kritisiert die Kantonsregierung aber für deren «Feigheit» im Umgang mit den Aktivisten. Zu lange habe diese «den zivilen Ungehorsam toleriert» und nun habe deshalb Gewalt angewendet werden müssen.

Der Räumung vorausgegangen ist ebenfalls eine Beschwerde von Anwohnern und Umweltorganisationen gegen den Ausbau des Steinbruchs. Diese scheiterte vor den kantonalen Gerichten und ist von ans Bundesgericht weitergezogen worden. Das Urteil steht noch aus.