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Rätselhaft: Tüfteln Schweizer Beamte an einem «Bundesamt für Zeit»?

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Auf einer kuriosen Homepage des Bundes tummeln sich Koalabären, Wein-Empfehlungen und ein auffälliger Link.

Die Reporterin dieser Zeitung staunte nicht schlecht, als sie bei ihrer Google-Suche nach einer Zürcher Studie zur Einbürgerungspraxis auf einen Link zu einer Homepage des Bundes klickte und dann mitten in einem digitalen Gewimmel von Koalabären, Fake-Medienmitteilungen und Quallen-Galerien landete.

Die Homepage sah auf den ersten Blick aus wie jede Website des Bundes: weiss schraffierter Hintergrund, oben links das offizielle Signet der Schweizerischen Eidgenossenschaft, oben rechts eine aufklappbares Menü. Doch statt Medienmitteilungen über Parlamentsentscheide oder Links zu Abstimmungsunterlagen waren da nur Onlineartikel über asiatische Laubholzbockkäfer, Tipps zur Frage «Welcher Käse passt zu Rotwein?» und allerlei komische Fotos von Tulpenwiesen und dem amerikanischen Monument-Valley. Wollte da jemand das fade Bundesbern für einmal etwas bunter ausstaffieren? Hatte sich ein amtsmüder Beamter einen kreativen Scherz erlaubt? Oder wurde die IT-Zentrale der Eidgenossenschaft gar von Wein-liebhabenden Hippie-Hackern angegriffen?

Wir klickten uns durch die kuriose Homepage, scrollten durch die Tiergalerien und fanden im aufklappbaren Themen-Menü oben rechts gar einen Link zum «Bundesamt für Zeit (BfZ)».

Peinlich, aber harmlos

Das «Bundesamt für Zeit»? Planen Berner Beamte da etwa insgeheim die Verbürokratisierung unseres kostbarsten Gutes? Soll die Zeit einer behördlichen Sonderbehandlung unterzogen werden? Horrorszenarien von neuen Steuern auf vergeudete Minuten und Lebenszeitkürzungen bei verspätetem Einreichen der Steuererklärung schiessen uns durch den Kopf.

Leicht verunsichert ob des digitalen Funds fragen wir beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) nach. Sprecherin Sonja Uhlmann-Haenni gibt Entwarnung: «Die von Ihnen angegebene Website ist eine Arbeitswebsite unserer Techniker, welche sie mit Platzhalter-Begriffen versehen haben. Sie war irrtümlicherweise im Internet zugänglich.» Auch die Webagentur Namics, die die Seite (wie ein Link verrät) erstellt hat, sagt auf Anfrage, dass die Homepage eigentlich nicht online abrufbar sein sollte, dass die Sichtbarkeit der Page allerdings nicht in ihren Händen liege. Die Verantwortung für die Inhalte und das Hosting liege beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation. Inzwischen hat das BIT die kuriose Testpage vom Netz genommen.

Wie lange die Fake-Website für alle Internetnutzer öffentlich zugänglich war, ist nicht klar. Spielt aber auch keine Rolle, findet ein Informatik-Spezialist auf Nachfrage. Ein ausserordentliches Sicherheitsrisiko für Hackerangriffe sei durch die aufgeschaltete Test-Page nicht entstanden. Das Ganze sei zwar etwas peinlich für das BIT, aber weitgehend harmlos.

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