Fachhochschule

Prüfungen mit Lösungen verteilt: Es wird nach Grund für Fauxpas gesucht

Die Studenten müssen nochmals zur Prüfung antreten. az

Die Studenten müssen nochmals zur Prüfung antreten. az

Die Fachhochschule Nordwestschweiz verteilte bei Prüfungen am Dienstag die Lösungen gleich mit. Der Ausbildungsleiter kann sich den Fauxpas nicht erklären. Er will nun mit allen Beteiligten «intensive Gespräche» führen und nach den Ursachen fahnden.

Die Betriebsökonomen des 5. Semesters an der Hochschule für Wirtschaft müssen an ihrer Prüfung im Modul «Spezialgebiete der VWL» vom letzten Dienstag verwundert geschaut haben: Ihnen wurden nämlich nicht nur die Aufgabenblätter, sondern auch die Lösungen dazu ausgeteilt.

Momentan würden die Ursachen dieses Fauxpas im Detail abgeklärt, wie Markus Freiburghaus, Ausbildungsleitung der Hochschule für Wirtschaft FHNW, auf Anfrage erläutert. «Ich kann noch nicht genau sagen, wie dies alles passieren konnte. Klar ist, dass die Aufgaben und Lösungen, welche sich normalerweise auf separaten Seiten befinden, den Verantwortlichen im selben Mail zugeschickt und in der Folge als ein einziges Dokument an der Prüfung ausgeteilt wurden.»

Prüfung wurde fortgesetzt

Nach ungefähr dreissig Minuten meldete einer der zirka dreissig Studenten den Fehler der Aufsichtsperson. Trotz Kenntnis der Sachlage liess diese die Prüfung zu Ende schreiben. Nur weshalb? «Es liegt in der Kompetenz des Prüfungsleiters, das Examen abzubrechen oder aber fertig schreiben zu lassen; in der Regel geschieht Letzteres.

Denn wird die Prüfung abgebrochen, so wird die Entscheidung, ob diese zählt oder nicht, schon vorweggenommen.» Nachdem Freiburghaus über den Sachverhalt informiert worden war, erklärte er die Prüfung für ungültig und setzte für kommenden Freitag den obligatorischen Wiederholungstermin an.

«Für die Studenten stellt die Sache eine unangenehme Situation dar», betont er. Einzelne hätten sich auch schon bei der Leitung mit «Spezialfragen» gemeldet. Den betroffenen Studierenden wurde aber gemäss Freiburghaus noch am Mittwoch ein Schreiben mit Antworten zu den aufgetretenen Fragen zugesandt.

Falschmeldung verbreitet

Die Fachhochschule sah sich am Dienstag zu allem Übel noch mit einem anderen Problem konfrontiert: Am Abend kursierte in mehreren Online-Medien die Nachricht, dass die Prüfung trotz ausgeteilter Lösungen gültig sei. Wie kam es zu dieser Falschmeldung? «Auch dieser Umstand ist nicht zu 100 Prozent geklärt. Tatsache ist, dass eine Dame am Dienstag zwischen 10 und 14 Uhr das Prüfungssekretariat angerufen hat. Die Prüfungssekretärin ging davon aus, dass die Anruferin eine Mitarbeiterin der Fachhochschule sei, und versorgte diese mit Informationen zum Vorfall.»

Am Ende des Gesprächs habe sich die Frau jedoch als Journalistin geoutet und aufgelegt, so Freiburghaus. Zur Journalistin bestehe kein Kontakt, allerdings zum Newsredaktor. «Es steht Aussage gegen Aussage. Die Sekretärin beteuert, nichts in diese Richtung gesagt zu haben, der Redaktor aber behauptet genau das Gegenteil», resümiert Freiburghaus.

Trotzdem richtet er sein Augenmerk lieber auf die genaue Abklärung des Vorfalls: «Ich werde mit allen Betroffenen intensive Gespräche führen, den Mailverkehr und das entsprechende Dokument unter die Lupe nehmen und infolgedessen Massnahmen einleiten, um eine solche Situation in Zukunft zu verhindern.»

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