Düsseldorf

Prozess gegen Peiniger des 12-Jährigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der Angeklagte vor Gericht.

Der Angeklagte vor Gericht.

Grösstenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat der Prozess gegen den 35-jährigen Deutschen Werner C. wegen sexuellen Missbrauchs des 12-jährigen Buben aus dem Kanton Solothurn begonnen.

Der aus dem Kanton Solothurn stammende Zwölfjährige wird beim Düsseldorfer Prozess als Nebenkläger von Anwalt Wolfgang Steffen vertreten. Er habe mit dem Jungen gesprochen. Dieser habe aber nicht viel darüber reden wollen. «Das muss man akzeptieren», wie Steffen gegenüber TeleM1 sagt.

Persönlich will er nicht am Verfahren teilnehmen, wie Steffen am Rande des Prozesses sagte. «Er wird nicht nach Düsseldorf kommen.»

«Er hat zweites Trauma erlitten»

Der Anwalt des Jungen übte an Teilen der Medienberichterstattung im Vorfeld des Strafverfahrens heftige Kritik. Durch Berichte über Details der Tatvorwürfe habe der Junge ein «zweites Trauma» erlitten.

Der Junge sei nach entsprechenden Veröffentlichungen wiederholt von Mitschülern nach Einzelheiten des mutmasslichen Missbrauchs gefragt worden. Insgesamt sei die Familie durch die Tat und die späteren Ereignisse «schwer, schwer getroffen».

Zum Prozessauftakt gab die Düsseldorfer Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Karin Michalek wiederholten Anträgen von Verfahrensbeteiligten auf Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So mussten Zuschauer und Prozessbeobachter schon vor der Verlesung der Anklageschrift den Saal verlassen.

Auch die spätere Vernehmung des 35-Jährigen, der sich laut Medienberichten im Vorfeld des Prozesses geständig gezeigt haben soll, fand hinter geschlossenen Türen statt. Als Grund nannte das Gericht schutzwürdige Interessen des Nebenklägers und auch des Angeklagten.

«Das Gesetz geht davon aus, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird, wenn persönliche Lebensbereiche des Opfers oder des Angeklagten betroffen sind. Und das ist hier der Fall», sagt Elisabeth Stöve, Sprecherin des Landgerichts gegenüber TeleM1.

Es gelte zu verhindern, dass diese Interessen durch eine öffentliche Erörterung bestimmter Details aus dem jeweiligen persönlichen Lebensbereich verletzt würden. Dahinter müsse das Interesse der Öffentlichkeit zurücktreten, hiess es. Dem Angeklagten droht eine langjährige Haftstrafe.

Nach Deutschland gelockt und missbraucht

Laut Anklageschrift lernte der Angeklagte Werner C. den 12-Jährigen Anfang 2016 über das Onlinespiel «Minecraft» kennenlernte. Der Mann war Administrator des Spiels und gewährte dem Jungen m Rahmen des Spiels nach und nach mehrfach Vergünstigungen, um sein Vertrauen zu erlangen.

Der Junge gab private Informationen über sich preis, die der Angeklagte nutzte, um den 12-Jährigen zu überreden, sich mit ihm zu treffen. Der Angeklagte flog am 18. Juni von Düsseldorf nach Zürich, traf sich in Härkingen mit dem Jungen und nahm ihn mit nach Düsseldorf.

Bis zur Befreiung des Jungen am 26. Juni zwang der Angeklagte den Knaben gegen dessen Willen mehrfach zur Duldung und zur Vornahme sexueller Handlungen. Die Anklageschrift listet im fraglichen Zeitraum 15 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs Kindes auf.

Am frühen Morgen des 26. Juni stürmte die Polizei in Düsseldorf die Wohnung des Angeklagten und befreite den Jungen. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. (sda/ldu)

(2.12.2016)

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