Sicherheit

Problemwölfe: Helfen GPS-Sender tatsächlich beim Abschuss?

Alle Wölfe in der Schweiz sollen künftig mit einem GPS-Sender ausgestattet werden, fordert CVP-Nationalrat Thomas Egger.

Alle Wölfe in der Schweiz sollen künftig mit einem GPS-Sender ausgestattet werden, fordert CVP-Nationalrat Thomas Egger.

Ein CVP-Nationalrat will alle Wölfe und Bären in der Schweiz mit einem GPS-Halsband ausrüsten. Der Kanton Graubünden hat damit bereits Erfahrung - und kennt die Schwierigkeiten.

CVP-Nationalrat Thomas Egger will Bär und Wolf an den Kragen. Sämtliche Grossraubtiere in der Schweiz sollen mit GPS-Sendern ausgerüstet werden, verlangt er in einem kürzlich eingereichten Vorstoss. Damit könnten Schäden einfacher dem jeweiligen Tier zugeordnet werden, und dieses somit zum Abschuss freigegeben, so die Hoffnung des Oberwallisers.

Bereits Erfahrung mit der GPS-Ausstattung von Wolf und Bär hat der Kanton Graubünden. 2015 wurde ein Jungwolf aus dem Calanda-Rudel mit einem Senderhalsband ausgestattet. Dieser war, wie andere Jungtiere aus dem Rudel, wiederholt in der Nähe von Dörfern und Bauernhöfen gesichtet worden. Mithilfe des Senders wollten die Verantwortlichen mehr über die Bewegungsmuster herausfinden, und allenfalls Vergrämungsaktionen einleiten.

Schon nach sieben Tagen war es mit der GPS-Überwachung allerdings vorbei, weil der Sender nach einer Woche nicht mehr funktionierte, wie Hannes Jenny, Wildbiologe beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden erzählt. Dieser ging, wie es sich im Nachhinein herausstellte, vermutlich beim Spielen mit einem anderen Wolf in die Brüche. Der ebenfalls eingebaute Peilsender funktionierte zwar weiterhin. Dieses System ist aber sehr arbeitsintensiv und ungenau.

Erfolgreicher war der Sendereinsatz bei zwei Problembären. Dank der Ortung konnten mehrere Vergrämungsaktionen durchgeführt werden. «Die Bären sollten lernen, dass es 'chlöpft', wenn sie sich Kehrricht im Siedlungsgebiet nähern», sagt Jenny. Die Bären wurden mit Gummigeschossen und Knallpetarden aufgeschreckt. Die Lektion war allerdings zu schwierig. Die Bären mieden zwar in der Folge den besagten Standort, machten sich aber andernorts trotzdem über Siedlungsabfall her. Beide Bären entwickelten sich zu Risikobären und mussten schliesslich erlegt werden. «Dank dem Sender konnten sie einfacher geortet werden», sagt Jenny.

Einfangen ist schwierig bis unmöglich

Grösste Schwierigkeit beim Einsatz von GPS-Sendern ist laut dem Experten das Einfangen der scheuen Tiere. Bereits ein Abschuss sei sehr schwierig, die Tiere lebend einzufangen eine noch grössere Herausforderung. Die beiden Bären wurden per Narkosepfeil aus einem Helikopter ausser Gefecht gesetzt. Möglich war dies aber nur, weil beide auffällig waren und sich im Sommer oberhalb der Waldgrenze aufhielten. «Bei unauffälligen Wölfen und Bären ist das Unterfangen deutlich schwieriger bis fast unmöglich», so Jenny.

Eine weitere Schwierigkeit ist laut Jenny die beschränkte Batterielaufzeit der Sender. Damit die Daten während rund eineinhalb Jahren übermittelt werden können, wird nur alle drei Stunden eine Standortaufzeichnung per GPS gemacht, und diese werden alle 21 Stunden übermittelt. Eine Überwachung in Echtzeit, für Schafhalter wohl praktisch, ist mit der heutigen Technik aber nicht möglich. «Dafür wäre eine deutlich grössere und schwerere Batterie nötig, was den Tieren nicht zugemutet werden kann», so Jenny. Zum aktuellen politischen Vorstoss auf Bundesebene will er sich nicht äussern.

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