Verdachtsfälle

Präventive Massnahmen im Tessin: «Es wird einen ersten Corona-Fall geben»

In Italien versuchen sich die Menschen vor dem Coronavirus zu schützen. Die Behörden erwarten, dass das Virus bald auch im Tessin auftaucht.

In Italien versuchen sich die Menschen vor dem Coronavirus zu schützen. Die Behörden erwarten, dass das Virus bald auch im Tessin auftaucht.

Im Kanton Tessin sind präventive Massnahmen ergriffen worden. Bisher gibt es noch keine positiv getesteten Fälle. Getestet wird in einem Labor in Genf.

Der Kanton Tessin geht davon aus, dass früher oder später ein Fall mit Coronavirus auftreten wird. Entsprechend werden die präventiven Massnahmen verstärkt. Verschiedene Verdachtsfälle seien aufgetaucht, doch bisher resultiere kein Test positiv auf den Coronavirus, sagte der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani im Rahmen einer Medienkonferenz, welche das kantonale Gesundheitsdepartement am Montagnachmittag in Bellinzona einberufen hatte. Erleichterte zeigten sich die Tessiner darüber, dass aus Genf Hilfe für Labortests kommt. Die Zahl der Tests habe sich in den letzten Tagen deutlich erhöht.

In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen in Italien, könnte man die Ängste der Bevölkerung verstehen, zugleich müsse man die Situation rational beurteilten, sagten Regierungspräsident Christina Vitta (FDP) und Gesundheitsdirektor Raffaele De Rosa (CVP). Die kantonalen Behördenvertreter erklärten, man nehme die Entwicklung sehr ernst, warten aber zugleich vor Panikmache. Ein Koordinationsgruppe verzichtete darauf, einschneidende Massnahmen wie ein Verbot von Sport- oder Karnevalsveranstaltungen zu empfehlen. Die Einwohner des Kantons Tessins wurden eindringlich gebeten, bei minimen Symptomen von Fieber oder Husten nicht gleich insspital oder zu einer Notfallstation zu rennen.

Eine Schliessung der Grenzen zu Italien wird nicht als Option gesehen, zumal ein entsprechender Schritt in die Bundeskompetenz fällt. Doch hätte dieser für das Gesundheitssystem des Tessins selbst gravierende Folgen, hiess es an der Medienkonferenz. Von 28‘000 Personen, die im gesamten Gesundheitswesen (Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Spitex) tätig sind, sind nämlich 3‘800 Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Allein beim kantonalen Spitalamt EOC (Ente Ospedaliero Cantonale) arbeiten 530 Pflegefachkräfte sowie 120 Ärzte, die von Italien als Grenzgänger täglich in Tessin zur Arbeit pendeln.

Umgekehrt ist auch die Frage aufgetaucht, ob es im Moment angebracht ist, vom Tessin in die Lombardei zu reisen. Die Quarantäne-Gebiete müssten logischerweise vermieden werden, sagte der Kantonsarzt: „Aber ich hätte kein Problem, heute Abend zu einem Essen nach Mailand zu gehen.“

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