Schlager

PR-Berater zu Beatrice Eglis deutscher Werbung: «Ethik ist eine Sache für Verlierer»

Beatrice Egli auf der Bühne des VolksSchlager OpenAir am Heitere Festival in Zofingen 2017.

Beatrice Egli auf der Bühne des VolksSchlager OpenAir am Heitere Festival in Zofingen 2017.

Der Schweizer Schlagerstar Beatrice Egli ist seit Kurzem in einem Prospekt der deutschen Discount-Kette «Real» zu sehen. Zahlreiche Schweizer Politiker störten sich daran. Andere Beobachter, wie Ständerat Ruedi Noser oder PR-Berater Klaus Stöhlker, verstehen die Aufregung nicht.

Beatrice Egli trägt graue Damen-Leggins, ein blaues Sport-T-Shirt, hat eine Sporttasche um die Schulter und strahlt den Leser mit ihrem bezaubernden Lächeln an.

Die Sport-Artikel werden von der deutschen Discount-Supermarktkette «Real» in Deutschland verkauft. Dementsprechend sind sie im Werbeprospekt zu begutachten – mit Beatrice Egli als Aushängeschild.

Beatrice Egli postete die Werbung auf Instagram, wo sie auf das Unverständnis von Nationalratskandidat Marcel Fringer stiess. (Instagram/Screenshot)

Beatrice Egli postete die Werbung auf Instagram, wo sie auf das Unverständnis von Nationalratskandidat Marcel Fringer stiess. (Instagram/Screenshot)

Damit entfachte die 31-jährige Schlagersängerin eine Polemik in der Schweiz. Zahlreiche Politiker ärgerten sich in den Medien über diese Werbekampagne.

Unter anderem wird dem Schlagerstar unterstellt, Werbung für eine Supermarktkette zu machen, dessen grenznahe Filialen den Einkaufstourismus ankurbeln und Schweizer Geschäften schade.

Politiker empören sich

Marcel Fringer, FDP-Nationalratskandidat und Präsident des Schaffhauser Gewerbeverbands, lästert auf Instagram: «Ich kann absolut nicht verstehen, dass sich ein Schweizer Superstar für eine deutsche Billigkette für Werbezwecke hergibt.» Seines Erachtens sei das ein Schlag ins Gesicht des Schweizer Detailhandels, dessen Niedergang er seit Jahren in Schaffhausen beobachte.

Der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin nervte sich aus dem gleichen Grund: «Ich finde es fragwürdig, dass deutsche Werbung mit Egli im Schweizer Grenzgebiet verteilt wird», lässt er sich im Blick zitieren.

SVP-Nationalrat Mauro Tuena würde Egli lieber als Aushängeschild einer Schweizer Marke sehen. «Beispielsweise von der Läderach-Schokolade.»

Nosers Unverständnis

In den Medien nahm bloss Ruedi Noser Beatrice Egli in Schutz. «Ich freue mich für sie, dass sie auch in Deutschland erfolgreich ist.»

Ruedi Noser, Zürcher Ständerat

Ruedi Noser, Zürcher Ständerat

Gegenüber der AZ äussert er sein Unverständnis zu der Aufregung um diese Werbekampagne.

«Frau Egli kann sich doch sponsern lassen, von wem sie es für richtig hält. Das ist ihre Entscheidung. Die Politik hat dazu sicher nicht Stellung zu nehmen.»

PR-Berater und Fachmann Klaus Stöhlker versteht die Empörung nicht. «Beatrice Egli ist sehr konsequent: Sie stellt ihr Image europäisch jener Marke zur Verfügung, die ihr am meisten Geld bietet.»

Klaus J. Stöhlker, PR-Berater

Klaus J. Stöhlker, PR-Berater

Für Stöhlker liegt es an Schweizer Firmen, Berühmtheiten anzulocken. «In der Schweiz haben weder Migros noch Coop je Interesse an der Schweizer Sängerin gezeigt. Die Deutschen waren einfach schneller.» Für ihn beweist dies auch, dass wirtschaftliche Grenzen eigentlich keine Rolle mehr spielen.

«Menschen wie Egli oder Roger Federer gehen dorthin, wo sie die höchsten Honorare erhalten.»

Auf die Frage, ob das nicht unethisch sei, antwortet er ohne zu zögern: «Der Wunsch nach Ethik ist immer ein Aufruf der Verlierer. Hier gehts um Business.»

Kein Vertrag mit deutscher Supermarktkette

Vonseiten der deutschen Handelskette antwortete man, dass Beatrice Egli bloss Botschafterin der Sportbekleidungs-Marke Syltfit sei. Diese würde von Real vertrieben, aber eine Zusammenarbeit bestünde nicht und sei auch nicht geplant.

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