Bundesrats-Karussell

Philipp Müller: «Nur eine Frau in der Regierung wäre peinlich für die Schweiz»

Philipp Müller wünscht sich eine FDP-Frau im Bundesrat.

Philipp Müller wünscht sich eine FDP-Frau im Bundesrat.

Der frühere FDP-Präsident Philipp Müller erklärt, warum die FDP wieder eine Bundesrätin braucht und wie er Schneider-Ammann beim gemeinsamen Znacht erlebt hat.

Herr Müller, Johann Schneider-Ammann tritt inmitten der festgefahrenen Verhandlungen im EU-Dossier zurück. Ist dies nicht eine Kapitulation vor den Gewerkschaften, an denen er sich wegen den flankierenden Massnahmen zuletzt die Zähne ausgebissen hat? 

Philipp Müller: Diese Frage finde ich daneben. Es war absehbar, dass Schneider-Ammann gegen Ende der Legislatur aufhört. Nicht zuletzt, damit seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger Zeit hat, sich zu profilieren.

Sie spielen auf die Wahlen 2019 an.

Es schadet sicher nicht, wenn eine Partei mit einem neuen Bundesrat in das Wahljahr steigen kann. Das weckt naturgemäss grosses Interesse und ist somit gute Werbung für das Programm einer Partei.

Die aussichtsreichsten Bundesratskandidaten von der FDP:

Die Frauen sind in der Landesregierung stark untervertreten. Soll die FDP ein reines Frauenticket portieren?

Das ist Sache der Fraktion. Aus meiner Sicht wäre es aber wünschenswert, wieder eine FDP-Bundesrätin zu stellen. Es wäre peinlich für die Schweiz, sollte nach einem möglichen Rücktritt von Doris Leuthard plötzlich nur noch eine Frau im Bundesrat vertreten sein.
 

Mit Schneider-Ammann verabschiedet sich der letzte Unternehmer aus dem Bundesrat. Welchen Typ Bundesrat wünschen Sie sich als Nachfolger?

 Wir brauchen wieder eine richtige Konkordanzregierung. Bundesräte, die sich vermehrt bei den anderen einmischen und nicht nur für die eigenen Dossiers schauen. Dies ist bei der aktuellen Regierung zu oft der Fall.

Sie treffen Bundesrat Schneider-Ammann regelmässig privat. Ist er wirklich so müde, wie es gegen aussen den Anschein macht?

Das Lachen ist ihm überhaupt nicht vergangen, er ist sehr unterhaltend. Das zeigt sich immer wieder an gemeinsamen Abendessen mit ihm und anderen Parlamentariern. Aber natürlich machen die vielen Reisen und die extrem hohe Arbeitsbelastung hie und da müde. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass Schneider-Ammann krank ist.

Sie geben 2019 Ihr Amt als FDP-Ständerat ab. Hand aufs Herz: Mit Ihrem Netzwerk und Bekanntheitsgrad wären Sie doch ein idealer Bundesratskandidat?

Die FDP hat genug andere fähige Leute für diesen Job. Ich stehe definitiv nicht zur Verfügung.

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