Herr Müller, die FDP hat gestern in der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) einen Sistierungsantrag zur Beschaffung der Kampfflugzeuge durchgebracht. Wollen Sie den Gripen noch?

Philipp Müller: Grundsätzlich ja. Wir haben immer gesagt, die Schweizer Flugwaffe braucht ein neues Flugzeug. Allerdings muss die Beschaffung sauber verlaufen. Vier Bedingungen müssen zwingend erfüllt sein: Ein Rücktrittsrecht und eine Konventionalstrafe, wenn etwas schiefläuft, ein jährlicher Rapport des Bundesrats ans Parlament, und schliesslich wollen wir die Lieferung sichergestellt haben: Was wird also in welcher Qualität bis wann geliefert?

Nach der Konsultation in der SiK des Ständerats Ende Februar teilte die FDP per Communiqué noch mit: «Zustimmung der FDP zum Kauf des Gripen».

Wir haben immer darauf gepocht, dass die von uns gestellten Bedingungen erfüllt sein müssen. Wir stimmten damals nur unter Vorbehalt der Vorlage des definitiven Beschaffungsvertrags zu.

Das stand nicht im Communiqué.

Doch. Da steht wortwörtlich: «Die Fraktion unterstützt folglich die Schaffung des Gripen-Fonds und den Kauf des Gripen, sofern die vier Bedingungen auch in den definitiven Verträgen erfüllt bleiben.» Das ist der springende Punkt.

FDP-Ständerat Hans Hess vertrat an der Medienkonferenz die Überzeugung, dass dem Vertrag zuzustimmen sei.

Das hat er, gestützt auf die ihm damals vorliegenden Unterlagen. Die Haltung der Partei änderte sich aber nicht. Es bringt nichts, die Differenz zum Ständerat herauszustreichen. Dieser entschied unter anderen Voraussetzungen, konnte nur eine halbe Stunde Einsicht nehmen - in einen Vertrag auf Englisch. Ich sagte immer: Der Showdown ist im Nationalrat.

Im Sommer nannten Sie den Gripen einen «Papierflieger», kritisierten die Verträge mit Schweden, dann beschlossen Sie, den Kauf zu unterstützen. Und jetzt wollen Sie ihn wieder sistieren. Sie fahren einen Zickzack-Kurs.

Nein. Es handelt sich beim Gripen nach wie vor um einen Flieger, der erst entwickelt werden muss: Er existiert bis jetzt nur auf Papier. Da muss man kritisch sein, da ist ein erheblicher Entwicklungsaufwand zu erwarten. Wenn es nicht gut kommt, brauchen wir Sanktionsmöglichkeiten. Sonst stehen wir mit abgesägten Hosen da. Darum stellten wir die Bedingungen früh und halten daran fest.

Verteidigungsminister Ueli Maurer sagt, es sei schwierig, den Schweden jetzt noch Forderungen zu stellen. Wieso also den Kauf weiter aufschieben?

Unsere Mitglieder in der SiK haben festgestellt, dass die Bedingungen nicht erfüllt sind. Im Hinblick auf eine mögliche Volksabstimmung brauchen wir Klarheit. Sonst kann man keinen Abstimmungskampf führen. Die Zustimmung in der Kommission war hoch, wir waren nicht die Einzigen.