Verkehr

Parkplätze in der blauen Zone sollen für Velowege verschwinden – Elektrowägeli droht das Aus

Das Velo soll gestärkt werden. Velostation in Luzern.

Das Velo soll gestärkt werden. Velostation in Luzern.

Städte fordern vom Bund, das Velogesetz innert zehn Jahren umzusetzen. Die Autos sollen Platz machen.

Fussgänger und Velofahrer sollen in den Städten und Agglomerationen mehr Platz bekommen — und zwar schneller und verbindlicher, als dies der Bundesrat im Velogesetz vorsieht. Dies fordert die Städtekonferenz Mobilität, ein Zusammenschluss von zwanzig Städten. Sie hat am Freitag die Landesregierung in einem Positionspapier zum Nachbessern aufgefordert. Sie will eine konkrete Umsetzungsfrist für durchgehende Verkehrsnetze und ausreichende Mittel für deren Finanzierung.

Geld soll aus Agglomerationsfonds fliessen

Auf Nachfrage sprach der neue SKM-Präsident Adrian Borgula (Grüne, Luzern) von einer Frist von «fünf bis zehn Jahren», um den Veloartikel, der mit 76 Prozent Ja-Stimmen angenommen worden war, umzusetzen. Zur Zeit befindet sich das entsprechende Gesetz in der Vernehmlassung. Das Geld dafür soll aus den Agglomerationsprogrammen des Bundes kommen.

Der Platz auf Schweizer Strassen und Plätzen ist heute schon vielerorts ausgelastet. Zugewinne für Velofahrer und Fussgänger müssen also zu einem grossen Teil auf Kosten anderer Verkehrsmittel gehen. An einer Pressekonferenz stellten die Regierungsmitglieder verschiedener Städte klar, dass das Auto weichen muss. Es sei punkto Platz am ineffizientesten.

Der Zürcher Tiefbauvorsteher Richard Wolff (AL) schlug vor, öffentliche Parkplätze (blaue Zone) zugunsten von Velowegen aufzuheben. Bestärkt in ihrem Engagement für das Velo fühlen sich die vorwiegend aus dem rot-grünen Lager stammenden Stadtpolitiker von der Verkehrsentwicklung während der Corona-Krise. Das Velo ist das einzige Verkehrsmittel, mit dem mehr Kilometer zurückgelegt wurden als zu normalen Zeiten. Dies zeigt eine Studie der ETH und der Uni Basel. Dabei dürfte allerdings auch das ungewöhnlich schöne Wetter der letzten Wochen eine Rolle gespielt haben.

Neue Elektrogefährte im Gegenwind

Dass das Velo eine Schönwetterlösung sei, wollte die grüne Stadträtin aus Neuenburg, Christine Gaillard, nicht gelten lassen. In Kopenhagen, der weltweit führenden Velostadt sei das Wetter auch nicht immer gut, was die Velofahrer nicht bremse. Zentral seien vielmehr sichere, durchgehende und hindernisfreie Velorouten.

Um den Veloverkehr zusätzlich anzukurbeln, fordert die Städtekonferenz Veloverleihangebote in Verkehrs-Apps auf dem Smartphone zu integrieren. Die SBB will dies beim klassischen Fahrplan-App nicht tun, wie sie auf Anfrage sagt. Sie bietet aber mit «Smartway» bereits ein Programm an, dass andere Verkehrsmittel wie Mietvelos und Elektro-Trottinetts anzeigt.

Letztere werden von der Städtekonferenz kritisch gesehen. In ihrem Positionspapier plädiert sie dafür, Elektrotrottinette gesetzlich explizit zu regeln. Sie sollen nicht auf dem Trottoir fahren dürfen. Der Zürcher Tiefbauvorsteher Richard Wolff teilte an der Pressekonferenz noch einen Seitenhieb an die kleinen Elektroautos des Bieler Start-ups Enuu aus. Sie werden zur Zeit in Zürich getestet, kämen aber nicht gut an und würden im Volksmund als «Elektrorollstühle» verlacht.

Kommen bei den Veloförderern nicht gut an: Elektroautöli, hier bei einer Testfahrt in Basel, werden in Zürich als "Elektrorollstühle" verlacht.

Kommen bei den Veloförderern nicht gut an: Elektroautöli, hier bei einer Testfahrt in Basel, werden in Zürich als "Elektrorollstühle" verlacht.

Die Bewilligung für die per Smartphone buchbaren Vehikel läuft Ende Mai aus. Gemäss Wolff sehe es nicht so aus, als würde sie verlängert. Gemäss Recherchen ist dies aber noch nicht entschieden. Die Betreiber der Elektrowägeli geben sich auf Anfrage zuversichtlich, dass man für die 3000 Zürcher Nutzer mit der Stadt eine Lösung finde. Die Mini-Elektroautos würden tatsächlich rechtlich als Elektrorollstühle gelten.

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