Aarau
Parkanlagen als kostbares Kulturerbe

Die Stadt Aarau investiert in die Erhaltung der grosszügigen Parkanlagen der so genannten Gönhardgüter. In einer ersten Etappe ist der Aussenbereich der Francke-Villa mit 500 000 Franken fachgerecht restauriert worden.

Drucken
Francke-Gut in Aarau saniert
4 Bilder
Francke Weg Parkwege: Südliche Front der Villa Francke.
Francke Garten Baumbestand: Blick nach Norden, gegen die Stadt.
Francke Badhaus Romantisch: Das klassizistische Badehaus im Park.

Francke-Gut in Aarau saniert

Aargauer Zeitung

Hermann Rauber

Aarau weiss durchaus, über welchen Schatz es mit dem zusammenhängenden Parkensemble der Gönhardgüter verfügt. Der blühende Garten zwischen Entfelder- und Gönhardstrasse dient laut Stadtrat Ruedi Zinniker «den in der Umgebung wohnenden und arbeitenden Menschen als grüne Lunge, als Ruhe- und Naherholungsoase». Er bietet aber in Zentrumsnähe auch den Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Deshalb ist es erfreulich, dass die Einwohnergemeinde als Grundeigentümerin gewillt ist, diese Idylle zu erhalten und zu pflegen.

Historische Gönhardgüter

Um 1900 entdecken wohlhabende Bürger das freie Land auf der südlichen Ausfallstrasse von Aarau auf den Distelberg und nach Entfelden. Sie bauen an der Hangkante Richtung Gönhard Villen, die sie mit grosszügigen Parkanlagen umgeben. Die prächtigste ist die Villa Francke-Zurlinden, die aus dem Jahr 1902 datiert. In den im Stil der Neorenaissance gehaltenen Räume sind heute die nationale Koordinationsstelle für Bildungsforschung, der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband und das Schulblatt für die Kantone Aargau und Solothurn eingemietet. In einer zweiten Etappe sollen auch die benachbarten Parkanlagen des Landolt-Gutes (gegenwärtig Sitz einer privaten PR- und Werbeagentur) und des Müller-Brunner-Gutes (seit einigen Jahren das «Haus der Musik») restauriert werden. Die entsprechenden Arbeiten werden aber voraussichtlich erst in den Jahren 2012 und 2013 ausgeführt. Der Stadtrat rechnet für diese Sanierung mit Kosten von noch einmal 1,2 Millionen Franken. (hr)

Samt einem Pflegeplan

Für die Realisierung nimmt man in den nächsten Jahren immerhin knapp 2 Millionen Franken in die Hand. Ruedi Zinniker durfte beim Abschluss der ersten Sanierungsetappe vor Ort unter strahlender Herbstsonne festhalten, dass «die Bevölkerung die Parkanlagen im Süden der Stadt sehr schätzt». Deshalb liess der Stadtrat ein Entwicklungskonzept und einen Pflegeplan für die Gönhardgüter erarbeiten, das auf den historischen Grundlagen aufbaut und den Fortbestand dieses Kulturgutes langfristig sichern soll. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Stadt auch die Absicht hat, «sich für heute noch unbekannte und spezielle Bedürfnisse in der Zukunft Flächen von hoher Qualität vorderhand freizuhalten», heisst es im Rahmen der grundsätzlichen Nutzungs- und Entwicklungsstrategie für die gesamten Anlagen.

Mehr Durchlässigkeit

Vorderhand aber gilt der Fokus dem Grünraum. Im Rahmen der ersten Etappe und mit einem Aufwand von 500 000 Franken ist es gelungen, die Weganlagen rund um das Francke-Gut neu zu gestalten, das Bassin im Gartenbad zu restaurieren und die Durchlässigkeit für Fussgänger auf der Nord-Süd-Achse zu verbessern. Die durchgehende Parkverbindung zwischen dem Landolt- und dem Müller-Brunner-Gut wird von den Kindern auf dem Weg vom Goldern- oder Binzenhofquartier ins nahe Gönhard-Schulhaus nach ersten Beobachtungen bereits eifrig benutzt, was ganz im Sinne des Erfinders ist. «Die Parkanlagen stehen auch weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung», wobei man am bisherigen Prinzip der «sanften Nutzung» festhält, erklärt Zinniker. Es wird also keine Massenveranstaltungen in den Gönhardgütern geben.

Historische Spurensuche

Der zugezogene Fachmann, der Landschaftsarchitekt Daniel Schneider, war zwar anfänglich entzückt von der «Park-Romantik», aber ebenso erschrocken über den Zerfall und die Überwucherung der Grünanlage. Er machte sich als Garten-Denkmalpfleger auf «historische Spurensuche» und entdeckte dank Luftaufnahmen gar einstige Wegverbindungen im Areal des Francke-Gutes. Mit alten Plänen und Fotografien konnte man die ursprüngliche Bepflanzung rekonstruieren, ging es doch bei der Restaurierung um die Sichtbarmachung der «ursprünglichen Lebendigkeit» des Parkes. Denn «dieser Ort ist einmalig», beendete Schneider seine Liebeserklärung an die gesamte Anlage. Das Werk ist augenfällig gelungen, auch wenn man weiss, dass der Baumbestand aus biologischen Gründen ständig erneuert werden muss. Für die Unterhaltsarbeiten zuständig sind übrigens die Stadtgärtnerei und der Aarauer Werkhof.

Aktuelle Nachrichten