Vatikan

Papst Franziskus braucht einen neuen Stellvertreter für die Schweiz

Thomas E. Gullickson, der päpstliche Nuntius für die Schweiz und Liechtenstein, hier im Januar 2018 beim traditionellen Neujahrsempfang des diplomatischen Korps in Bern mit Bundesrat Alain Berset.

Thomas E. Gullickson, der päpstliche Nuntius für die Schweiz und Liechtenstein, hier im Januar 2018 beim traditionellen Neujahrsempfang des diplomatischen Korps in Bern mit Bundesrat Alain Berset.

Erzbischof Thomas E. Gullickson (70) ist als Nuntius seit 2015 der offizielle Vertreter des Vatikans in der Schweiz. Er hat aus Altersgründen seinen Rücktritt angeboten, Papst Franziskus hat das Angebot angenommen. Der US-amerikanische Kirchendiplomat verlässt damit ein Land, dessen Seelenheil er in Gefahr sieht.

Silvester wird sein letzter offizieller Arbeitstag in der Apostolischen Nuntiatur sein. Seine Exzellenz Nuntius Thomas E. Gullickson verlässt den Botschaftssitz des Vatikans in Bern. Dass der Papst also einen neuen Stellvertreter für die Schweiz und Liechtenstein braucht, war bis dato noch nicht öffentlich bekannt. Erzbischof Gullickson ist im August 70 Jahre alt geworden und hat mit Erreichen dieser Altersgrenzen den für Nuntien vorgesehenen Rücktritt angeboten. «Papst Franziskus hat meine Bitte sofort erhört und meinen letzten Arbeitstag auf den 31. Dezember 2020 festgesetzt», schreibt Gullickson in einem unserer Redaktion vorliegenden Gastbeitrag für die katholisch-konservative Organisation Pro Ecclesia Schweiz. Und weiter:

Zum Lieblingsort: Der US-Amerikaner will nun in die Heimat zurückkehren und dort festen Wohnsitz beziehen. Ob er in seine Heimatstadt Sioux Falls im Bundesstaat South Dakota zieht, wo er 1976 zum Priester geweiht worden war, bleibt offen. Der Erzbischof möchte sich auf Anfrage mit Verweis auf ein derzeit zu umfangreiches Mass an zu leistender Arbeit nicht weiter als im besagten Gastbeitrag äussern. Gullickson, Doktor des kanonischen Rechts, ist seit über 40 Jahren weltweit für den Vatikan im Einsatz. Als diplomatischer Vertreter des Heiligen Stuhls war er tätig in Ruanda, Österreich, in der damaligen Tschechoslowakei, in Israel und Deutschland. Bevor er 2015 in die Schweiz kam, war er ab 2011 als Nuntius in der Ukraine.

Nuntius musste Vorschläge liefern: Churer Bischofssitz immer noch vakant

Offen bleiben auch die gestellten Fragen zur Besetzung des nach wie vor vakanten Bischofssitzes im Bistum Chur, wo derzeit interimistisch Pierre Bürcher als Apostolischer Administrator amtet. Die Suche eines Nachfolgers für den emeritierten Vitus Huonder war eine der zentralen Aufgaben des als konservativ geltenden Thomas E. Gullickson. Gemäss dem katholischen Medienportal kath.ch soll der Nuntius dem Papst schon vor längerer Zeit eine Liste mit fünf Kandidaten geschickt haben. Auf der Liste sei auch der Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, zu finden gewesen. Wann Papst Franziskus dem Churer Domkapitel den erwarteten Dreiervorschlag zur Abstimmung vorlegen wird, das steht nach wie vor in den Sternen.

Noch im Juni hatte Nuntius Gullickson gegenüber der «Luzerner Zeitung» gesagt, er warte in Sachen Churer Bischofssitz auf Nachricht aus Rom. Er bete inständig nicht nur für einen guten neuen Amtsinhaber, sondern auch dafür, dass die Menschen hierzulande ihre Meinung dem Bischof gegenüber ändern würden: «Ich glaube nicht an den Superbischof, den viele sich wünschen, charismatischer Leader und Versöhner: So ein Bischof ist noch nicht geboren. Das Erfolgsrezept für das Bistum Chur ist eher auf die Bereitschaft des Klerus gebaut, den neuen Bischof bedingungslos anzunehmen und ihn durch dick und dünn zu tragen.»

Was die Situation der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz betrifft, so sieht der stramm konservative Noch-Nuntius keine rosige Zukunft, wie er im Gastbeitrag für Pro Ecclesia durchblicken lässt. Gullickson schreibt: «Leider scheint es so, dass die ‹Institution Kirche› hier in der Schweiz ihre Sendung zum Heil der Seelen verraten hat.» Es werde «nur durch ein Wunder möglich sein, den Glauben an die kommende Generation weiterzugeben». Zum Glück gebe es Gruppen wie Pro Ecclesia, die mit einer klaren Vision den Glauben auch in diesen Zeiten aufblühen liessen. Der US-amerikanische Erzbischof schliesst seine Ausführungen mit einem positiv gestimmten Appell an die Gläubigen:

Der US-amerikanische Erzbischof Thomas E. Gullickson hielt anlässlich des Jubiläums der Vereinigung Kirche in Not in der Jesuitenkirche in Luzern die Messe.

Der US-amerikanische Erzbischof Thomas E. Gullickson hielt anlässlich des Jubiläums der Vereinigung Kirche in Not in der Jesuitenkirche in Luzern die Messe.

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