Corona
Das Bier auf der Restaurantterrasse muss warten: Der Bundesrat vertagt den Öffnungsschritt – einzig die 5er-Regel fällt

Trotz grossen Drucks bleibt die Regierung hart. Die Restaurantterrassen bleiben geschlossen, die meisten Lockerungen fallen ins Wasser. Die einzige Änderung: Bei privaten Treffen in Innenräumen sind neu zehn statt fünf Personen erlaubt.

Maja Briner
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Dieses Bild wird sich so rasch nicht ändern: Die Terrassen bleiben bis auf Weiteres zu.

Dieses Bild wird sich so rasch nicht ändern: Die Terrassen bleiben bis auf Weiteres zu.

Georgios Kefalas/Keystone

Alain Berset sagte es gleich zu Beginn, und danach immer wieder: «Wir müssen leider noch geduldig sein.» Der Gesundheitsminister trat am Freitag allein vor die Medien, um den unpopulären Entscheid des Bundesrats zu verkünden: Gelockert wird fast nichts. Einzig die 5er-Regel für private Treffen fällt: Ab Montag dürfen sich in Innenräumen bis zu zehn Personen treffen.

Alle anderen möglichen Schritte, die der Bundesrat eine Woche zuvor in Konsultation geschickt hatte, sind verschoben, darunter etwa die Öffnung der Restaurantterrassen. «Es ist leider noch nicht der Moment für einen zweiten grossen Öffnungsschritt», sagte Berset. Die Situation verschlechtere sich, und die Impfkampagne sei noch zu wenig weit fortgeschritten für weitere Lockerungen.

Erst am 14. April will der Bundesrat über das weitere Vorgehen entscheiden. Mindestens bis dahin bleiben also Restaurants, Kinos, Fitnesszentren und vieles mehr geschlossen. «Die Situation ist eine Belastung für alle», räumte der Bundesrat ein.

Neue Virusvarianten sind gefährlicher

Berset nannte mehrere Gründe, weshalb die Regierung – trotz Druck aus Kantonen, Parlament und der Wirtschaft – auf Lockerungen verzichtet. Einer davon: Gemäss neuen Studien ist die britsche Virusvariante nicht nur ansteckender, sondern auch gefährlicher als die ursprüngliche. Die Mortalität sei «deutlich erhöht», sagte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit.

Gleichzeitig steigen die Fallzahlen wieder deutlich. Noch habe man die Situation unter Kontrolle, sagte Berset. Mit grösseren Lockerungen aber riskiere man, die Kontrolle zu verlieren – so wie in der ersten und zweiten Welle. Und dann, so mahnte er, wären wiederum drastische Massnahmen nötig. Dadurch würden Lockerungen verunmöglicht. Berset sagte:

«Wir wollen das Risiko nicht eingehen, die Krise zu verlängern.»
In der aktuellen Situation sei ein grösserer Öffnungsschritt nicht möglich, sagt Bundesrat Alain Berset.

In der aktuellen Situation sei ein grösserer Öffnungsschritt nicht möglich, sagt Bundesrat Alain Berset.

Anthony Anex / KEYSTONE

Immerhin, so warb Berset, könne die Schweiz ein wenig lockern, während andere Länder ihre Massnahmen verschärfen müssten. Die 5er-Regel war besonders für Familien mit mehreren Kindern eine grosse Einschränkung. Fast 1,2 Millionen Menschen leben laut Bundesamt für Statistik in einem Haushalt mit fünf Personen – und hatten damit faktisch Besuchsverbot. Nicola Low, Professorin für Epidemiologie an der Universität Bern, bezeichnete die 5er-Regel im Januar gegenüber SRF indes als eine der wichtigsten Massnahmen.

Berset sagte am Freitag, die Regel sei eine sehr einschneidende Massnahme, ein massiver Eingriff in die Grundrechte, deshalb lockere man sie nun. Gleichzeitig rief er aber zur Vorsicht auf – und dazu, sich vor Treffen testen zu lassen. Auf Nachfragen musste er indes einräumen, dass zwar grundsätzlich genügend Tests auf dem Markt seien, diese aber womöglich noch nicht überall zur Verfügung stünden.

Impfen als Ausweg

Einmal mehr gedulden müssen sich hingegen die Beizer. Auch die Restaurantterrassen bleiben geschlossen – obwohl die Kantone deren Öffnung verlangt hatten. Gesundheitsminister Berset verwies zur Begründung auf die steigenden Zahlen, aber auch auf die Aussagen der Gastrobranche: Diese habe klargemacht, dass die Öffnung der Terrassen nur für wenige Betriebe eine Lösung sei. Wann Restaurants wieder öffnen können, bleibt weiter ungewiss.

Berset bekräftigte aber, dass der Bundesrat bald auch den Blick auf die mittelfristige Entwicklung richten werde. Und: Sobald alle impfwilligen Personen aus Risikogruppen geimpft sind, sollen Lockerungen eher möglich sein. Der Bundesrat hat dazu verschiedene Richtwerte definiert. Und er stellte klar: Sobald alle Personen, die sich impfen lassen wollen, geimpft sind, seien Schliessungen nicht mehr verhältnismässig. Wann dies der Fall sein wird, wollte Berset aber nicht sagen – das hänge auch davon ab, wie viele sich impfen lassen wollten, erklärte er – so oder so aber nicht vor dem Sommer.