Coronavirus

Nur noch 5 statt 10 Tage Quarantäne? Bundesrat Berset und die Kantone warnen

Bundesrat Alain Berset beriet erneut mit den Kantonen – unter anderem über die Länge der Quarantäne. (Archivbild)

Bundesrat Alain Berset beriet erneut mit den Kantonen – unter anderem über die Länge der Quarantäne. (Archivbild)

Frankreich will die Dauer der Quarantäne halbieren, der deutsche Star-Virologe Christian Drosten schlägt eine Verkürzung auf fünf Tage vor. Gestern hat sich Bundesrat Alain Berset mit Kantonsvertretern über die Frage beraten.

Zum zweiten Mal seit der Sommerpause kam es gestern wieder zu einem Treffen von Bundesrat Alain Berset mit den kantonalen Gesundheitsdirektoren. Es wurde nicht nur über Grossveranstaltungen, die nächste Skisaison sowie die Frage des Testens beraten, sondern auch darüber: Wie lange soll die Quarantäne dauern?

In der Schweiz gibt es zwei Gründe, die zu einer Quarantänepflicht führen. In die Quarantäne muss, ...

  • ... wer engen Kontakt mit einer infizierten Person hatte. «Enger Kontakt» heisst gemäss BAG, dass sich jemand in der Nähe - eine Distanz von weniger als 1,5 Metern - einer infizierten Person während mehr als 15 Minuten ohne Schutz (Hygienemaske oder physische Barriere wie Plexiglasscheibe) aufgehalten hat.
  • ... wer aus einem Risikoland einreist, genauer: wer sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Staat oder Gebiet mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung aufgehalten hat, gemäss der Länderliste des BAG. «Dann ist man verpflichtet, sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in ihre Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben», heisst es auf dem Merkblatt des BAG.

Aktuell sind etwa 12'000 Menschen in Quarantäne

Zehn Tage - das ist eine lange Zeit. Diese Dauer, sie gilt seit April, führt dazu, dass die Quarantäne oft nicht befolgt wird. Das ist verboten, geschieht aber trotzdem. Aktuell befinden sich in der Schweiz etwa 12'000 Menschen in Quarantäne. Zahlen zu Quarantäne-Verweigerern gibt es nicht.

Die Epidemiologin Nicola Low, Mitglied der Covid-Taskforce des Bundes, sagte in der NZZ, eine kürzere Quarantäne könnte die Menschen ermutigen, die Regeln besser zu befolgen. Sie wies darauf hin, dass die tatsächliche Quarantänezeit für die meisten Betroffenen schon heute weniger als zehn Tage betrage. Denn die Zählung beginnt ab dem Tag des letzten Kontakts mit einer ansteckenden Person.

Schilder weisen auf die Quarantänepflicht für Rückkehrerinnen aus Risikoländern hin. Hier ein Beispiel aus dem Kanton Zug. (Archivbild)

Schilder weisen auf die Quarantänepflicht für Rückkehrerinnen aus Risikoländern hin. Hier ein Beispiel aus dem Kanton Zug. (Archivbild)

Soll also die Quarantäne offiziell auf fünf Tage halbiert werden - so wie das in Deutschland der bekannte Virologe Christian Drosten vorgeschlagen hat? Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) liess Sympathien für diesen Vorschlag durchblicken. Auch mit Blick auf andere Länder. Frankreich hat eine Verkürzung der Quarantäne von 14 auf 7 Tage in Aussicht gestellt.

Das falsche Signal angesichts steigender Fallzahlen

Doch die Schweiz wird ihre zehntägige Quarantäne beibehalten, das ist nach dem gestrigen Treffen von Alain Berset mit den kantonalen Gesundheitsdirektoren klar, wie die CH-Media-Redaktion erfahren hat. Ebenfalls anwesend: Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte. Angesichts der steigenden Fallzahlen, so der Tenor an der Sitzung, wäre ein Lockerung jetzt das falsche Signal. Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (SVP) sagt dazu:

Zahlen aus dem Aargau würden zeigen, so Gallati, dass das Risiko nach fünf Tagen noch zu gross sei. Gemäss Angaben der Kantonsärztin bestehe bei etwa der Hälfte auch danach noch ein Ansteckungsrisiko.

Gegen Quarantäne-Verkürzung: Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati.

Gegen Quarantäne-Verkürzung: Der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati.

Das ist die entscheidende Frage: Wie lange ist jemand noch ansteckend? Massgebend ist die Inkubationszeit, also die Dauer zwischen der Infektion und dem Ausbruch der ersten Symptome. Im Durchschnitt beträgt sie gemäss Weltgesundheitsorganisation fünf Tage. Virologe Drosten sagte in seinem Podcast, neue Daten würden zeigen, dass fünf Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome rund 90 Prozent der Infizierten nicht mehr ansteckend seien. Doch die Studien dazu sind widersprüchlich.

Darum gehen Bund und Kantone auf Nummer sicher und belassen die 10-Tage-Regel. Der Aargauer Regierungsrat Gallati wich früher auch schon von Empfehlungen des Bundes ab - das dürfen die Kantone in gewissen Fällen -, hier aber ist für ihn klar:

Wer Symptome hat, für den gilt übrigens nicht bloss Quarantäne, sondern Isolation. Deren Dauer ist abhängig vom Testergebnis. Falls dieser positiv ausfällt, schaltet sich die zuständige kantonale Stelle ein und erteilt Anweisungen.

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