Pandemie

Nur 1000 Zuschauer: Swiss Olympic warnt die Kantone vor einer Konkurswelle im Sport

Gehören solche Bilder bald der Vergangenheit an? Werden im Fussball und im Eishockey die Lichter gelöscht?

Gehören solche Bilder bald der Vergangenheit an? Werden im Fussball und im Eishockey die Lichter gelöscht?

Dürfen monatelang nur 1000 Fans Spiele besuchen, sind die 20 Fussball- und 24 Eishockeyklubs der beiden höchsten Ligen in ihrer Existenz bedroht. Das schrieb Swiss Olympic den kantonalen Gesundheitsdirektionen.

In einem Brief an die Kantone wählt Swiss Olympic dramatische Worte. Die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände warnt explizit vor einer Konkurswelle im Schweizer Sport.

«Swiss Olympic ist überzeugt, dass insbesondere die Klubs aus den höchsten Spielklassen im Fussball und Eishockey sowie Veranstalter von Sport-Grossanlässen unmittelbar in ihrer Existenz bedroht sind», heisst es im Schreiben vom 24. Juli an die Gesundheitsdirektoren der Kantone. «Wenn die Anzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer bis Ende März 2021 auf maximal 1000 Personen beschränkt bleibt.»

Direkt bedroht sind 20 Fussball- und 24 Eishockey-Klubs

Swiss Olympic nennt einige Veranstalter, die in ihrer Existenz bedroht sind. Das seien aber nur «einige Beispiele», schreiben Präsident Jürg Stahl und Direktor Roger Schnegg:

  • Alle 20 Klubs der Super League und Challenge League im Fussball.
  • Alle 24 Klubs der National League und Swiss League im Eishockey.
  • Internationalen Lauberhornrennen.
  • Athletissima Lausanne.
  • Spengler Cup Davos.
  • Ski-Weltcup Adelboden.

Das Stabilisierungspaket von 95 Millionen Franken für den Sport, das Bundesrat und Parlament für 2020 gesprochen haben, ändere daran nichts, betont Swiss Olympic. «Schon gar nicht für die Fussball- und Eishockeyklubs, die nach geltender Regelung nur teilweise von den à-fonds-perdu-Beiträgen profitieren können.»

Es geht um 11,4 Milliarden und 100000 Stellen

Im Brief streichen Stahl und Schnegg die wirtschaftliche Bedeutung des Sports hervor. Der Schweizer Sport sorge für eine Bruttowertschöpfung von 11,4 Milliarden Franken und biete rund 100’000 Stellen. Das zeige die Studie Sport und Wirtschaft 2020.

Gleichzeitig streicht Swiss Olympic auch die gesellschaftliche Bedeutung der Sportklubs und der grossen Sportveranstaltungen heraus. Sie sei «aus sozialer Sicht enorm». Sollten die professionellen Klubs und die Sport-Grossanlässe die Coronakrise nicht überstehen, «geht ein wichtiger Teil der Kultur unseres Landes verloren».

Swiss Olympic erklärt sich im Brief bereit, die kantonalen Behörden bei der Bewilligung von Sport-Grossanlässen administrativ zu entlasten. Eine vom Dachverband gebildete Expertengruppe könnte den Kantonen «verständliche, leicht anwendbare Vorgaben, Checklisten und Standardkonzepte» als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen, um die Bewilligungsverfahren zu vereinfachen.

Kantone wollen 1000er-Begrenzung bis Ende Jahr

Die Gesundheitsdirektorenkonferenz der Kantone (GDK) hat am Donnerstag mehrheitlich beschlossen, hart zu bleiben. Der GDK-Vorstand empfiehlt dem Bundesrat, das Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Personen vorerst bis Ende Jahr zu verlängern. Bei Grossveranstaltungen sei angesichts «der instabilen Lage und der steigenden Fallzahlen» Vorsicht geboten, schreibt er in einer Mitteilung. Grosse Veranstaltungen könnten zu einer Verbreitung des Virus beitragen. «Sie sollen deshalb weiterhin streng reguliert werden.» Die Kantone wollen auch keine Bewilligungspflicht auf kantonaler Ebene. Grossveranstaltungen hätten oft nationalen Charakter. Eine Bewilligungspflicht würde «vielschichtige Vollzugsprobleme» nach sich ziehen.

Wie reagiert Swiss Olympic darauf? Man habe die Stellungnahme der GDK «zur Kenntnis genommen», sagt Sprecher Fabio Gramegna. «Die Task Force von Swiss Olympic wird in den nächsten Tagen entscheiden, in welcher Form wir im Hinblick auf den Bundesratsentscheid reagieren.»

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Autor

Othmar von Matt

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