CVP-Nationalrat

«Notwendig, um Vertrauen des Regimes zu gewinnen» – Claude Béglé verteidigt Nordkorea-Tweets

CVP-Nationalrat Claude Béglé an einer öffentlichen Kommissionssitzung im Januar 2019.

CVP-Nationalrat Claude Béglé an einer öffentlichen Kommissionssitzung im Januar 2019.

Der Waadtländer CVP-Nationalrat Claude Béglé rechtfertigte an einer Pressekonferenz in Bern erneut seine umstrittene Reise nach Nordkorea.

(watson.ch/cbe) Er sorgte mit begeisterten Tweets aus Pjöngjang in der politischen Sommerpause für Kopfschütteln: Der Waadtländer CVP-Nationalrat Claude Béglé lobte auf Twitter Ausbildungssystem, staatliche Versorgung und kulturelle Veranstaltungen in der hermetisch abgeriegelten Diktatur.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz musste er sich viel Kritik anhören: «Claude Béglé ist der nordkoreanischen Propaganda aufgesessen», ärgerte sich CVP-Präsident Gerhard Pfister. Im Nationalrat wird über eine «Lex Béglé» diskutiert. Sie soll Parlamentariern erschweren, private Auslandsreisen auf eigene Faust zu unternehmen, die vom Gastland zu propagandistischen Zwecken ausgenutzt werden.

Am Donnerstag hat Béglé vor den Medien in Bern erneut seine umstrittene Reise verteidigt. Zu seinen lobenden Tweets aus Pjöngjang sagte Béglé gemäss dem Westschweizer Radio RTS: «Diese Tweets waren notwendig, um das Vertrauen des Regimes zu gewinnen.»

Zwar stellte Béglé klar, dass in Nordkorea ein diktatorisches Regime an der Macht sei, welches die Menschenrechte verletze. Machthaber Kim Jong-un nannte er einen «schrecklichen Typen». Doch Béglé lobte erneut das nordkoreanische Ausbildungssystem, die industrielle Produktion und «die kleine, aber clevere Mittelschicht», die ein normales Leben zu führen scheine.

Der oberste Führer Kim Jong-un beobachtet einen Raketentest im Juli 2019.

Der oberste Führer Kim Jong-un beobachtet einen Raketentest im Juli 2019.

Béglé stellte einen 35-seitigen Bericht vor, den er über seine Reise nach Nordkorea verfasst hat. Diesen habe er dem Aussendepartement sowie den Parlamentsdiensten zur Verfügung gestellt. Eine der Erkenntnisse des Berichts: Er erwarte eine baldige Öffnung Nordkoreas. Zu diesem Zweck könne die Schweizer Diplomatie ihre guten Dienste zur Verfügung stellen.

Gemäss RTS zeigte sich Béglé überzeugt, dass seine Reise die Grundlage für eine solche Mission geschaffen habe. Sie trage dazu bei, gewisse Vorurteile in Frage zu stellen, die in der Schweiz gegenüber dem nordkoreanischen Regime herrschten.

Die Pressekonferenz habe im Einverständnis mit der CVP-Parteispitze stattgefunden, berichtet RTS. Deren Inhalt gebe aber lediglich die persönlichen Ansichten Béglés wieder, heisst es aus der CVP.

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