Immer mehr Kinder kommen in der Schweiz unehelich zur Welt. Von insgesamt 82‘164 Babys hatten vergangenes Jahr 14‘268 eine ledige Mutter. Wird ein Kind in ein Konkubinat geboren, muss der Vater vor oder nach der Geburt seine Vaterschaft auf dem Zivilstandsamt anerkennen.

16 234 Männer haben das 2012 gemacht - doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. «Es gibt zunehmend Paare, die sich bewusst entscheiden, nicht zu heiraten und trotzdem eine Familie zu gründen», sagt Alexandra Rumo-Jungo, Familienrechtsexpertin an der Universität Freiburg.

Bekommt jedoch eine ledige Frau ein Baby, gelangt automatisch eine Meldung an die Kindesschutzbehörde - ehemals Vormundschaftsbehörde. Und bekennt sich innerhalb von einem bis drei Monaten kein Mann als Vater, erhält das Kind einen Beistand. Dieser soll helfen, die Fragen der Vaterschaft und auch des Unterhalts zu klären. In 1068 Fällen wurde die Kinderschutzbehörde aktiv.

Keine automatische Benachrichtigung mehr

Doch künftig findet die automatische Benachrichtigung bei einem unehelichen Kind an die Kinderschutzbehörde nicht mehr statt. Im Rahmen der Revision des Sorgerechts wurde der Artikel 309 «Feststellung der Vaterschaft» aus dem ZGB gestrichen. «Man sah in der Beistandschaft eine Diskriminierung für unverheiratete Mütter. Die Änderung benachteiligt nun unter Umständen die Kinder, denn es wird nicht automatisch versucht, den Vater ausfindig zu machen. Dabei hätte «jedes Kind ein Recht darauf», ist Wider überzeugt.

Bestreitet ein Mann die Vaterschaft, ist ein DNA-Test unausweichlich. In der Schweiz bieten elf vom Bund anerkannte Laboratorien Vaterschaftsabklärungen an. 1331 offizielle Tests wurden dort 2012 durchgeführt, rund 200 mehr als vor fünf Jahren. Bei rund 10 Prozent der Untersuchungen kommt ein «falscher Vater» zum Vorschein. Das stellt Christoph Noppen, Leiter Genetik und Molekularbiologie vom anerkannten Labor Viollier in Basel, fest. Über 100 Genprofile analysiert das Labor jährlich.

Noppen muss immer wieder Interessierte abweisen. «In Dreiviertel der Fälle kommt ein Test nicht zustande. Viele Männer wollen ihre angeblich untreue Frau testen, doch heimliche Vaterschaftstests sind verboten», sagt Noppen. Und Rumo-Jungo stellt fest: «Männer wollen vermehrt die Frage geklärt haben, ob das Kind, das sie grossziehen, auch wirklich ihr Kind ist.» Es wird geschätzt, dass in der Schweiz etwa 5 Prozent Kuckuckskinder leben.