Helmut Hubacher

«Noch einmal einen rechten Batzen sammeln» – Schwerkranker SP-Doyen Hubacher verabschiedet sich mit Spendenbrief von Genossen

Helmut Hubacher bei einer Rede am 1. Mai 2014 in Brugg.

Helmut Hubacher bei einer Rede am 1. Mai 2014 in Brugg.

Der langjährige SP-Präsident Helmut Hubacher (94) ist schwer krank. Mit einem auf der Schreibmaschine formulierten Spendenaufruf setzt er sich ein letztes Mal für seine «grosse Liebe» ein, die SP.

Helmut Hubacher ist eine der grossen Figuren der Schweizer Sozialdemokratie. Von 1963 bis 1997 sass es für den Kanton Basel-Stadt im Nationalrat. 1975 bis 1990 war er Präsident der SP Schweiz. Danach blieb er als Autor mit spitzer Feder für die «Basler Zeitung» in der Öffentlichkeit präsent. Ab Januar 1998 schrieb er insgesamt 1445 Kolumnen für die «BaZ».

Verfasst hat Hubacher seine in kurzen, klaren Hauptsätzen formulierten Kolumnen auf der Schreibmaschine. Aus seinem Wohnort im jurassischen Dörfchen Courtemaîche schickte er sie jeweils per Fax in die BaZ-Redaktion am Basler Aeschenplatz. Am 27. Juni 2020 verkündete der heute 94-Jährige seinen Abschied – aus gesundheitlichen Gründen: «Eine schwere Krankheit hat mich zurückgeworfen. Sie zwingt mich, meine Kolumne aufzugeben.»

«Der Kampf geht weiter»

Auch von einer anderen Gewohnheit verabschiedet sich der schwerkranke Hubacher. In diesen Tagen hat die SP Schweiz wie jedes Jahr einen Spendenbrief Hubachers an ihre Mitglieder und Sympathisanten verschickt. «Ich muss mich vom Dienst zurückziehen», schreibt Hubacher mit Verweis auf seinen «schweren gesundheitlichen Rückschlag». Der Spendenbrief sei sein «letzter Versuch, für die SP noch einmal einen rechten Batzen zu sammeln», heisst es in dem von Hubacher ebenfalls auf seiner Schreibmaschine verfassten Brief.

So sieht der Spendenaufruf Hubachers aus.

So sieht der Spendenaufruf Hubachers aus.

Der Grandseigneur der SP verweist in seinem Spendenaufruf auf die 660'000 Armutsbetroffenen, welche in der Schweiz an der Grenze zur Existenznot leben, darunter 144'000 Kinder. «Der Kampf geht weiter. Keine Rede davon, der Wohlstand sei für alle gesichert», heisst es in dem Brief, welcher der CH-Media-Redaktion vorliegt. «Diese Partei, die SP, bleibt meine grosse Liebe», heisst es am Ende des Briefes.

«Helmut bleibt ein Vorbild»

Es sind die letzten Worte, die der grosse alte Mann der Schweizer Sozialdemokratie an seine Parteigenossen richten wird. «Helmut ist und bleibt ein Vorbild für uns alle», schreibt die SP in einem unten am Brief angefügten Absatz. Briefe und Grussworte würden an Hubacher weitergeleitet.

Über die Details seiner Erkrankung gibt die Partei keine Auskunft, wie SP-Sprecher Gaël Bourgeois auf Anfrage mitteilt. Hubacher werde immer ein «sehr geschätzter Genosse bleiben», doch es sei nicht die Aufgabe der Partei, über seinen Gesundheitszustand zu informieren. Ob sich der letzte Aufruf Hubachers in besonders hohen Spendenrücklauf niederschlage, will die SP nicht im Detail verraten. Ausserdem lasse sich dies zum jetzigen Zeitpunkt sowieso noch nicht abschätzen.

An Hubachers Seite in Courtemaîche ist seine Frau Gret, mit der er seit über 70 Jahren verheiratet ist. Die beiden hatten sich bei den Basler Jungsozialisten kennengelernt. Das Paar hat drei Kinder.

Autor

Kari Kälin

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