Verkehr

Neulenker sollen nicht mehr in die Nachhilfe müssen

Der Nutzen von Weiterbildungskursen ist umstritten.

Der Nutzen von Weiterbildungskursen ist umstritten.

Der Nationalrat will die obligatorischen Weiterbildungskurse für Neulenkerinnen und Neulenker abschaffen. Er hat am Donnerstag mit 109 zu 75 Stimmen bei 8 Enthaltungen eine entsprechende Motion der FDP-Fraktion angenommen.

Für das Anliegen hatte Christian Wasserfallen (FDP/BE) geworben. Der Führerschein auf Probe habe sich bewährt, stellte er fest. Die Wirkung der obligatorischen Weiterbildungskurse habe dagegen nicht nachgewiesen werden können.

Wasserfallen argumentierte auch mit den Kosten der Weiterbildungskurse. Es sei nicht notwendig, alle Autolenker nach bestandener Prüfung nochmals zur Kasse zu bitten. Die Kurse sollten nur für diejenigen Neulenker obligatorisch sein, die in der Probezeit eine schwere Verkehrsregelverletzung begangen hätten.

System verbessern

Verkehrsministerin Doris Leuthard pflichtete Wasserfallen teilweise bei. Das System müsse verbessert werden, sagte sie. Es sei aber der falsche Weg, nur diejenigen in den Weiterbildungskurs zu schicken, die eine Widerhandlung begangen hätten.

Das Ziel sei es, Unfälle und Widerhandlungen präventiv zu vermeiden und nicht erst zu reagieren, wenn diese bereits passiert seien. Deshalb habe das Parlament den Führerausweis auf Probe und die Zweiphasenausbildung eingeführt. Der Nationalrat hiess den Vorstoss dennoch gut. Stimmt auch der Ständerat zu, muss der Bundesrat dem Parlament eine Gesetzesänderung vorlegen.

Wirkung der Kurse nicht nachgewiesen

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hatte das neue Regime für Neulenkerinnen und Neulenker letztes Jahr untersucht. Sie kam zum Schluss, dass es teilweise Wirkung zeigt: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit schwer oder tödlich verletzten Menschen, die durch junge Neulenker verursacht wurden, ging stärker zurück als die Zahl der Unfälle in allen Alterskategorien.

In Befragungen zeigte sich laut der bfu, dass sich Neulenkerinnen und Neulenker von der drohenden Annullierung des Ausweises auf Probe positiv beeinflussen lassen. Weniger Wirkung scheinen die Weiterbildungskurse zu haben: Die Sicherheitseffekte dieser Kurse hätten "nicht im erwartbaren Ausmass nachgewiesen" werden können, schrieb das Bundesamt für Strassen (ASTRA) zur Untersuchung.

Die bfu empfahl Verbesserungen. So sollten Neulenkerinnen und Neulenker den ersten Teil der obligatorischen Weiterbildungskurse bereits in den ersten Monaten nach der Fahrprüfung absolvieren müssen. Angesichts der Tatsache, dass das Unfallrisiko in den ersten Monaten des Führerausweisbesitzes am höchsten sei, würden die Kurse heute zu spät besucht. Das ASTRA kündigte an, die Vorschläge prüfen.

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