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Neue Studie zeigt: Schulschliessungen bewirken nur wenig

Die Schulen sind geschlossen, die Kinder zuhause. (Symbolbild)

Die Schulen sind geschlossen, die Kinder zuhause. (Symbolbild)

Seit dem 16. März sind die Schulen in der Schweiz geschlossen. Eine Analyse von Daten früherer Epidemien zeigt nun, dass die Wirkung dieser Massnahme begrenzt sein dürfte.

(gb.) Ein Team von Wissenschaftern aus Grossbritannien und Australien hat untersucht, welchen Einfluss Schulschliessungen auf die Ausbreitung ansteckender Krankheiten haben kann. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «The Lancet Child & Adolescent Health» veröffentlicht. Da die Datenlage zur aktuellen Coronapandemie begrenzt ist, hat das Forscherteam Studien zu früheren Ausbrüchen wie zum Beispiel der Sars-Pandemie von 2003 genutzt.

Auch damals kam es in Hongkong, Singapur und China zu Schulschliessungen. Die Analyse zeigt, dass die Massnahme keinen bedeutenden Beitrag zur Eindämmung der Pandemie lieferte, weil die Übertragungsrate in den Schulen gering gewesen sei. 

Der Forschungsbestand sei jedoch nicht eindeutig und würde sich teilweise widersprechen, heisst es in der Studie. So fand kürzlich eine Studie in Grossbritannien, dass Schulschliessungen zu einer Senkung der Todesrate von zwei bis drei Prozent führen kann. Andere Massnahmen des «Social Distancing» – wie etwa die Isolation von infizierten Personen – seien aber viel effektiver.

Covid-19 ist keine normale Grippe

Die Forscher haben auch Studien über andere saisonale Grippewellen in ihre Analyse einbezogen. Dabei zeigte sich, dass Schulschliessungen umso effektiver sind, je geringer die allgemeine Ansteckungsrate und höher die Anfälligkeit bei Kindern ist. So wie bei einer Grippe, wo Kinder die Haupttreiber der Infektionskette seien.

Bei Covid-19 ist das nach heutigem Kenntnisstand umgekehrt. Generell ist die Ansteckungsrate sehr hoch. Kinder und Jugendliche hingegen sind weniger ansteckend, weil sie tendenziell eher leichte Symptome entwickeln und die Krankheit deshalb seltener durch Husten oder Niesen übertragen würde.

Die Studie kommt deshalb zum Schluss, dass es aktuell keine starken Hinweise dafür gibt, dass Schulschliessungen die Coronapandemie wirksam eindämmen können.

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