Kriminalität
Neue Schweizer Meldestelle erfasst homo- und transphobe Gewalt

Die Schweiz erhält eine nationale Meldestelle für homo- oder transphobe Gewalt. Bei der "LGBT+ Helpline Schweiz" können Gewaltdelikte an Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen anonym gemeldet werden. Ziel ist es, Gewaltakte, die auf der sexuellen Orientierung basieren, zu erfassen.

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Gemäss der Webseite der Helpline wurden in den vergangenen fünf Jahren schätzungsweise 30 Prozent aller LGBT zu Hause oder in der Öffentlichkeit angegriffen oder mit Gewalt bedroht. Bild: Menschen demonstrieren für mehr Toleranz gegenüber LGBT. (Archivbild)

Gemäss der Webseite der Helpline wurden in den vergangenen fünf Jahren schätzungsweise 30 Prozent aller LGBT zu Hause oder in der Öffentlichkeit angegriffen oder mit Gewalt bedroht. Bild: Menschen demonstrieren für mehr Toleranz gegenüber LGBT. (Archivbild)

Keystone

Wie die neue Meldestelle am Montag mitteilte, erfassen Polizeistellen und Strafverfolgungsbehörden Gewaltakte, die auf der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität des Opfers basieren, nicht als solche. Dies führe zu einem Informations- und Wissensdefizit.

Mittels eines standardisierten Online-Fragebogens und einer 24-Stunden-Hotline können nun Opfer, Zeuginnen und Zeugen Diskriminierungen, Gewalt- und Hassverbrechen an Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen (LGBT) anonym melden. Rund 30 Personen, die als psychologische Berater arbeiten, unterstützen die Ratsuchenden, vermitteln Spezialisten oder helfen beim Gang zur Polizei.

Ab 2017 wird die Meldestelle zudem einmal jährlich sämtliche Vorfälle in einem Diskriminierungs- und Gewaltbericht der Öffentlichkeit und den Behörden zur Verfügung stellen und sie anonymisiert an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) melden.

Gemäss der Webseite der Helpline wurden in den vergangenen fünf Jahren schätzungsweise 30 Prozent aller LGBT zu Hause oder in der Öffentlichkeit angegriffen oder mit Gewalt bedroht. Fehlende Zahlen führten jedoch zur trügerischen Annahme, dass Diskriminierung und Gewalt an LGBT nicht stattfände.

So sei es auch in Grossbritannien gewesen, bevor dort die Gewaltakte erfasst worden seien: Die britische Organisation "The Hate Crime Report Galop" meldet rund 39'000 homo- und transphoben Attacken in Grossbritannien pro Jahr. Erfasst würden offiziell jedoch lediglich 4000 davon.

www.lgbt-helpline.ch

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