Wahlen 2011
Neue Politiker braucht das Land - diese auch?

Der bekannte Herzchirurg Thierry Carrel will die Zukunft im Gesundheitswesen mitgestalten. Deshalb tritt er bei den Nationalratswahlen 2011 für die Berner FDP an. Auch weitere Prominente zieht es in die Politik.

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Sind das die neuen Aushängeschilder der SVP?
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Jacques de Haller Hat auch sein Interesse an der FDP angemeldet: Der FHM-Präsident.
Gölä gibt gern seine autoritären Erziehungstipps weiter. Könnte durchaus mit der SVP sympathisieren: Der Mundartrocker Gölä.
Paul Accola (re., hier mit Alberto Tomba) «Bagger-Päuli» machte aus seinen treuschweizerischen Gefühlen nie einen Hehl
Chris von Rohr Aus dem linken Rocker wurde ein gezähmter Staatsbürger, der es insbesondere Christoph Blocher angetan hat.
Serge Demuth Gilt als neue Hoffnung der SVP.
Benjamin von Wyl Jüngstes Mitglied auf der Kandidatenliste der SP Aargau.
Viviane Hösli Die Buchhändlerin ist in Zofingen daheim und dort auch im Einwohnerrat tätig.
Flurin Burkard Er ist bereits Mitglied des Grossrats, nun will er in den Nationalrat.

Sind das die neuen Aushängeschilder der SVP?

Keystone

Thierry Carrel will im Gesundheitswesen zukünftige Weichen stellen. Der 50-Jährige ist in Freiburg zweisprachig aufgewachsen. Seit rund 11 Jahren ist er Professor für Herzchirurgie am Berner Universitätsspital Insel. Im Herbst 2008 behandelte er den damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach dessen Herz-Kreislauf-Stillstand. Carrel legte ihm fünf Bypässe. Jetzt will er für den Nationalrat kandidieren.

17_hans Fehr
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Andreas Gross Seit 1991 an vorderster Front (SP).
Toni Bortoluzzi Seit 1991 dabei (SVP).
Maximilian Reimann Ein Methusalem im Parlament: Reimann ist 69 Jahr alt und seit 23 im National- resp. Ständerat.
Max Binder Seit 1991 im Parlament (SVP).
Christine Goll Seit 1991 Nationalrätin (SP)
Ulrich Schlüer 67 Jahre alt, seit 16 Jahren im Parlament (SVP).
Anita Thanei Seit 1995 im Nationalrat (SP).

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In einem Interview mit «Tages Anzeiger» auf sein jetzt schon enormes Arbeitspensum - 80 Stunden sind die Regel - angesprochen, sagt Carrel: «Ich habe dies ausführlich mit der Spitalleitung, dem VR-Präsidenten und dem künftigen Rektor der Universität besprochen. Alle unterstützen mein Engagement. Es ist so: Zwischen 2006 und 2009 war ich nebst meinem Vollzeitpensum in Bern zu 30 bis 40 Prozent in Basel tätig. Ich habe dazu beigetragen, dass die Herzchirurgie der Universitätsklinik Basel und des Inselspitals zusammenarbeiten. Seit in Basel ein neuer Chefarzt eingesetzt ist, verfüge ich wieder über freie Kapazitäten.» Seine Kandidatur scheint damit gesichert.

De Haller will für SP antreten

Auch ein zweiter Arzt will in die Politik: Der Präsident der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), Jacques de Haller, hat sein Interesse bekundet. Der bekannte Mediziner will für die Berner SP in den Wahlkampf um ein Nationalratsmandat steigen.

Die Berner FDP legt am Mittwoch, 19. Januar, an ihrer Delegiertenversammlung die definitive Kandidatenliste für die Nationalratswahlen 2011 fest. Die Berner SP nominiert ihre Kandidaten am 26. Februar.

Die Parteien arbeiten offenbar hart daran, die Beharrungstendenz gewissen Politiker aufzuheben, und der Partei frischen Wind und damit zahlreiche Wähler zu bescheren. So sind Gölä, Chris von Rohr und Paul Accola von der SVP ins Gespräch gebracht worden.

Auffrischung gesucht

Denn eine gewisse Auffrischung ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Die ärgsten Sesselkleber sitzen nämlich in der SVP und in der SP. Den Parteistrategen macht diese Konstellation Bauchweh. Denn eine Partei bleibt nur am Leben, wenn hoffnungsvolle Nachwuchskräfte die Chance haben, selber einmal Karriere zu machen, bevor sie ebenfalls im Pensionsalter sind. Die SVP hatte das 2007 sehr geschickt gemacht. Sie hat die junge Natalie Rickli und den populären Alfred Heer auf vordere Listenplätze gesetzt. Diese haben ihre Chance prompt wahrgenommen. Schlüer wurde abgewählt (bis Maurer Bundesrat wurde), und Ernst Schibli entging auf dem letzten Platz knapp der Blamage.

Jung, jünger, am jüngsten

Christine Goll und Andreas Gross sitzen seit 1991 im Nationalrat und führen damit die Liste der amtsältesten Dinosaurier an, gefolgt von Anita Thanei (seit 1995), Jacqueline Fehr und Mario Fehr (beide seit 1995). In der SVP sind es die Gestirne Max Binder und Toni Bortoluzzi (beide seit 1991), die ihren Platz seit geraumer Zeit warm halten. Auch Hans Fehr ist seit 16 Jahren schon im Amt. Zwei Methusalem der Amtsältesten sind Maximilian Reimann (69) und Ulrich Schlür (67).

Gegensteuern will vor allem die SP nun mit jungen Kandidaten. Benjamin von Wyl besipielsweise, Maturand und Vizepräsident der SP Reinach. 20 Jahre jung ist er - und muss in der SVP-Hochburg des Bezirks Kulm gegen die SVP antreten. Auch der junge Grossrat Flurin Burkhard, 23 Jahre alt und Mitglied von Pink Cross, tritt an, beenso wie die Buchhändlerin Viviane Hösli (26), die bereits im Einwohnerrat von Zofingen sitzt. Geradezu alt nimmt sich da Martin Killias ein, den die SP ebenfalls portiert. Der Professor für Strafrecht und Kriminologe Martin Killias ist 62 Jahre alt.

Die SVP spricht von Serge Demuth als potentiellen Frischling, abgesehen vom stets für Polarisierung sorgenden Cédric Wermuth. Weitere Namen wird die SVP nächste Woche bekannt geben. man darf gespannt sein.