In Zürich und im Aargau darf im Kindergarten nur noch Mundart gesprochen werden. Damit gehen zwei Kantone mit zusammen zwei Millionen Einwohnern folgenschwere neue Wege: Zürich, mit 1,4 Millionen bevölkerungsreichster Kanton und der Aargau mit 0,64 Millionen viertgrösster Kanton.

Im Tessin sorgt diese Entwicklung für Empörung. «Damit wird der Dialekt institutionalisiert», sagt CVP-Nationalrat Marco Romano in der Zeitung „Schweiz am Sonntag". Der Kindergarten sei «die erste Institution», mit der Kinder in Kontakt kämen. Die neue Generation erhalte ein «anderes Verständnis der Sprachvielfalt», glaubt er. «Ich frage mich, was die Deutschschweiz damit will. Will sie den Dialekt institutionalisieren? Will sie eine Verfassungsänderung, eine Hollandisierung?»

Am Montag stellt der Tessiner dem Bundesrat Fragen zur Mundart-Problematik. «Ist es notwendig, den Artikel 4 der Bundesverfassung abzuändern und Hochdeutsch durch Schweizer-Deutsch zu ersetzen?», will er wissen. Heute steht in Artikel 4: «Die Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.» Weiter fragt Romano, ob Romandie und Tessin «Hochdeutsch im Unterricht durch Schweizer-Deutsch» ersetzen sollten, «um die nationale Kohäsion zu gewährleisten?»

Im Moment verstehe er seine Fragen als «Provokation». Romano: «Die Deutschschweiz muss sich erklären, ob sie Dialekt als Landessprache haben will.» Ob es «bald fünf Landessprachen» gebe, fragt er sich. Nur: Welchen Dialekt würde die Deutschschweiz in die Verfassung schreiben? «Walliser Dialekt? Berner Dialekt? Oder Basler Dialekt?» Romano sagt: «Geht es so weiter, reiche ich eine parlamentarische Initiative oder eine Motion ein.» Schon bald könnten Kantonalparlamente ihre Debatten in Mundart führen, befürchtet er.