Schweiz

Nach Todesfällen: Tabak-Giganten fahren eine clevere Strategie der Schadensminderung

Eine Frau raucht ihre E-Zigarette Juul.

Eine Frau raucht ihre E-Zigarette Juul.

Phillip-Morris will mehr E-Zigaretten und IQOS verkaufen. E-Zigaretten und Heat-not-Burn-Produkte sind zwar weniger giftig, aber nicht ohne Risiko. Lungenärzte warnen davor, weil auch diese süchtig machen können.

Der Tabak-Gigant Philip Morris informierte am Dienstagmorgen in Bern über die Gefahren von Alternativen der herkömmlichen Zigaretten. Dies nachdem immer mehr Todesfälle publik geworden sind.

Der Auftritt von Philipp Morris reiht sich ein in eine Gesamtstrategie der Industrie, die alternatives Rauchen als harmlos darstellen will. Doch stimmt dies? Das sollten Sie zum Thema wissen:

Die Tabakwaren-Hersteller sprechen im Zusammenhang mit der Anpreisung von E-Zigaretten von «Harm reduction», Schadensminderung. Kurz gesagt: E-Zigaretten dampfen ist weniger schädlich als das Rauchen herkömmlicher Tabak-Zigaretten. Bezogen auf die Menge an Schadstoffen ist das nicht von der Hand zu weisen. Im Zigarettenrauch stecken rund 4800 Chemikalien und 280 Gifte, davon sind 70 krebserregend. Bei den E-Zigaretten wird mit einer Heizspirale eine Flüssigkeit verdampft und dabei ist weniger Gift im Spiel. Allerdings werden auch dort kritische Substanzen eingeatmet. Zum Beispiel je nach Flüssigkeit Formaldehyd, Aldehyde und Metalle wie Blei und Cadmium. Über die Langzeitwirkung von E-Zigaretten gibt es logischerweise noch keine Langzeit-Studien. Die Produkte sind noch nicht lange auf dem Markt.

Erhitzen statt verbrennen

Das gilt auch für eine andere Art des neuen Rauchens: Bei sogenannten Heat-not-Burn-Produkten, die Philipp Moris IQOS nennt, wird gepresster Tabak nicht verbrannt, sondern erhitzt. Dabei entstehen weniger Verbrennungsprodukte als bei einer Zigarette. Gemäss Philipp Morris produzieren IQOS 95 Prozent weniger schädliche chemische Substanzen als Zigaretten. Somit würden die 27 Prozent der Schweizer Bevölkerung, die heute am Glimmstengel hängen, gesundheitlich profitieren, wenn sie auf E-Zigaretten oder IQOS umsteigen würden. Ihre Schadstoffbelastung und jene ihrer Nachbarn und Angehörigen wäre absolut betrachtet kleiner. IQOS ist gemäss der Tabakindustrie zwar nicht risikofrei, aber eine bessere Alternative als weiterhin Zigaretten zu rauchen.

Deutlicher Unterschied

Der Fachverband Sucht unterscheidet deutlich zwischen E-Zigaretten und IQOS. Er unterstützt die Schadenminderung durch E-Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird nach dem Motto Verdampfen ist besser als Verbrennen. Die Heat-not-Burn-Produkte wie IQOS schliesst der Fachverband aber aus, weil dort nicht verdampft wird.

Die «Harm reduction»-Strategie der Tabakindustrie wird von den Lungenärzten stark kritisiert. Sie diene nur dazu, das serbelnde Geschäft mit den Tabakzigaretten zu kompensieren. Und weil bei IQOS und je nach gewählter Flüssigkeit für die E-Zigaretten auch Nikotin im Spiel ist, werden so nur erreicht, dass die Menschen weiterhin vom süchtig machenden Nikotin abhängig blieben. Der Erfolg bei den Rauchstopp-Bemühungen mittels E-Zigaretten sei gering und kaum nachhaltig, schreiben Mediziner im «Swiss Medical Forum».

42 Tote in den USA

Schlagzeilen machte vor vier Tagen eine Meldung aus den USA. Dort starben 24 Menschen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten, rund 2200 Personen erkrankten deswegen. Geschädigt wurden deren Lungen, wodurch ist noch nicht endgültig geklärt. Der Verdacht liegt auf einem Vitamin-E-Azetat, ein aus Vitamin-E gewonnenes Öl, das der Flüssigkeit in den E-Zigaretten beigefügt wurde. Vitamin-E-Acetat wird in den USA zur Streckung und Verdünnung illegaler THC-haltiger Dampfprodukte verwendet. Hohe Dosierungen davon könnten zu den Lungenerkrankungen geführt haben. In den normalen Flüssigkeiten von E-Zigaretten ist dieser Wirkstoff allerdings nicht enthalten. In Europa wurde er noch nie nachgewiesen.

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Autor

Bruno Knellwolf

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