Die Demo gegen den Rassismus, welche am 15. April von Seewen nach Schwyz führte und unter dem Titel «Schwyz ist bunt» rassistische Tendenzen in der Region thematisierte, wird um ein Kapitel reicher. Vor der Anti-Rassismus-Demo wurden zwei Transparente entwendet. Eines davon tauchte im Internet auf Nazi-Plattformen wieder auf. Jetzt reichen die Veranstalter Strafanzeige wegen Diebstahl und Gewaltdrohung ein.

Vermummte Rechtsextreme – Video gelöscht

Sieben Männer vor einem Kieshaufen. Die Gesichter vermummt, der rechte Arm erhoben. Vor ihnen liegt ein Transparent mit dem Schriftzug «Schwyz ist bunt». Es brennt. Das Bild stammt aus einem mittlerweile gelöschten Video, das die «Kameradschaft Heimattreu» auf Facebook hochgeladen haben soll.

«Damit wird bewiesen, dass das, was wir mit unserer Demo zeigen wollten, Tatsache ist. In Innerschwyz gibt es starke rechtsextreme Gruppierungen, und sie sind präsent», sagt eine Demo-Teilnehmerin.

Ihr gehörte das grosse Transparent, das kurz vor Demo-Start in Seewen entwendet wurde und nun im Video wieder auftaucht. Entsprechend erschrocken ist sie. Die vermummten Rechtsextremen im Video tragen Pullover des Blood-and-Honour-Netzes, das in Deutschland verboten ist und nun auch in der Schweiz als Combat 18 oder 28 erscheint.

Bunte Demonstration gegen Schwyzer "Ku-Klux-Klan"-Gruppe

Bunte Demonstration gegen Schwyzer "Ku-Klux-Klan"-Gruppe

   

Einbruch vor der Demo?

Das brennende Transparent stammt aus dem Umfeld des Netzwerkes «Bündnis Buntes Schwyz», das am 13. April eine Demonstration im Nachgang zum Schwyzer Ku-Klux-Klan-Skandal organisiert hatte. Dieses verschickt am Mittwochmorgen eine Medienmitteilung, in der es heisst:

Denn das Transparent sei noch vor der Demonstration gestohlen worden. Und: «Bereits in der Nacht davor sind Rechtsextreme in einen Keller eingebrochen und haben da einige Schilder und ein weiteres Transparent gestohlen.» Weiter schreiben die Aktivisten, die Polizei «soll auch wegen Verstössen gegen die Antirassismus-Strafnorm ermitteln».

Denn die Männer im Video sollen dem internationalen Neo-Nazi-Netzwerk «Blood and Honour» angehören. Dieses wurde in den 1980er-Jahren in England gegründet und ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 verboten.

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Schwyzer Kantonspolizei ist bereits am Ermitteln

Vom Video wollen sich die Organisatoren der Demo aber nicht einschüchtern lassen. Sie werden noch dieser Tage bei der Kantonspolizei Schwyz eine Strafanzeige wegen Diebstahl und Sachbeschädigung einreichen. Zudem wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft wegen Artikel 261bis (Antirassismusstrafnorm) ermittelt, eventuell auch wegen Artikel 260ter (kriminelle Organisation). Das Video ist der Polizei bekannt. «Diesbezüglich werden Abklärungen gemacht», sagt Polizeisprecher Florian Grossmann.

Das jetzt wieder zum Vorschein gekommene Transparent, welches besonders bunt war und den Demonstrationszug hätte anführen sollen, ist allerdings nicht das einzige, das den Organisatoren gestohlen wurde.

Bereits in der Nacht auf den Demo-Samstag wurde bei Elias Studer, Ex-Juso-Präsident, privat eingebrochen und ein Transparent entwendet. Er habe eigentlich nicht über den Vorfall kommunizieren wollen, erklärte Studer damals, weil er Angst hatte, «dass es Leute abschreckt, sich politisch zu engagieren».

Die «teilweise verzerrte Darstellung der Anti-Rassismus-Demo» nervte ihn dann aber so stark, dass er noch am Tag nach der Demonstration via Facebook den Gang an die Öffentlichkeit machte. Der Diebstahl sehe ganz so aus, «als wären Rassisten/Rechtsextreme am Werk gewesen, die es nicht ertragen, dass Menschen sich demokratisch und friedlich gegen Rassismus stellen», so Elias Studer.

Enge Verbindung zu Schwyzer Rechtsextremen

Dass das Ganze nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte, zeigt sich am Schluss des Videos auf Facebook. Hier ist das Wappen der C18 Schweiz zu sehen. Die Combat 18 ist der bewaffnete Teil von Blood and Honour. Combat 18 wird in Deutschland als Terrororganisation eingestuft.

C steht für Kampf, die 1 für den ersten und die 8 für den achten Buchstaben des Alphabets – also A für Adolf und H für Hitler. Auch Schweizer spielen eine wichtige Rolle. Eng verbunden sind neben der Brigade 8 aus dem Kanton Schwyz auch die sogenannte Kameradschaft Heimattreu. Die Schweizer Mitglieder organisierten unter anderem Aufnahmetests.