Bundesrats-Karussell
Nach Keller-Sutters Zusage: Die Chancen der CVP-Männer sind gestiegen

Gestern waren die Scheinwerfer auf Karin Keller-Sutter gerichtet. Doch schon bald werden auch wieder andere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für die Bundesratswahlen in den Fokus rücken.

Roger Braun
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«Ja, ich will»: An der heutigen Medienkonferenz gibt Karin Keller-Sutter ihre Bundesratskandidatur bekannt.
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Nach reiflicher Überlegung habe sie sich für eine Kandidatur entschieden. "Es wäre mir eine grosse Ehre und Freude, mich für unser Land in dieser verantwortungsvollen Position einzusetzen."
"Ich gebe zu, dass ich mir noch vor nicht allzu langer Zeit nicht hätte vorstellen können, mich dieser Herausforderung nochmals zu stellen", sagt Karin Keller-Sutter
Keller-Sutter kandidierte bereits 2010 für die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz – gewählt wurde Johann Schneider-Ammann.
Nach Elisabeth Kopp wäre sie die erste Frau nach 30 Jahren, die für die FDP im Bundesrat sitzt.
Im Video: Karin Keller-Sutter sagt Ja zu Bundesrats-Kandidatur.

«Ja, ich will»: An der heutigen Medienkonferenz gibt Karin Keller-Sutter ihre Bundesratskandidatur bekannt.

GIAN EHRENZELLER

Bei der FDP stellt sich die Frage, wer neben Kronfavoritin Keller-Sutter auf einem wahrscheinlichen Zweierticket stehen könnte. Immer wieder genannt werden die Namen des Bündner Ständerats Martin Schmid, der Zürcher Nationalrätin Regine Sauter sowie des Nidwaldner Ständerats Hans Wicki. Alle drei haben zwar ihr Interesse am Amt signalisiert, aber noch nicht entschieden, ob sie tatsächlich kandidieren.

Die parteiinterne Frist laufe noch, sagt Sauter auf Anfrage. Die Kantonalparteien können Kandidaten dem FDP-Generalsekretariat noch bis zum 24. Oktober melden. Besonders Martin Schmid werden gute Chancen eingeräumt, auch wenn er nicht unumstritten ist. Aus dem Rennen nahm sich gestern der Urner Ständerat Josef Dittli. Die Konstellation bei der Nachfolgeregelung des FDP-Bundesratssitzes spreche für eine freisinnige Frau im Bundesrat, sagt er. Mit Keller-Sutter stelle sich eine Persönlichkeit zur Verfügung, die alles mitbringe für das Amt.

Frauenfrage nun weniger wichtig

Auch auf das Kandidatenfeld der CVP könnte der Entscheid Keller-Sutters einen Einfluss haben. Denn bei den Christlichdemokraten dürfte die Frauenfrage nun nicht mehr eine so grosse Rolle spielen bei der Suche nach der Nachfolge von Doris Leuthard. Die Chancen der CVP-Männer dürften gestern also gestiegen sein – insbesondere jener aus der Innerschweiz, die auch schon seit längerer Zeit keinen Vertreter mehr im Bundesrat hatte.

Die aussichtsreichsten Bundesratskandidaten von der CVP:

Viola Amherd (CVP/VS). Die 56-Jährige ist ein Urgestein im Bundeshaus, wo sie seit 2005 politisiert. Die Anwältin ist schlagfertig und häufig Gast in der «Arena». In der Fraktion ist sie aber etwas links der Mitte positioniert.
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Pirmin Bischof (CVP/SO). Der 59-Jährige ist ebenfalls Anwalt, er ist seit Jahren ein heiss gehandelter Kandidat und gilt als wirtschaftspolitisches Schwergewicht. Doch ihm wird auch nachgesagt, er neige bisweilen zu Wendemanövern.
Weitere mögliche CVP-Köpfe Elisabeth Schneider-Schneiter (Nationalrätin/BL).
Weitere mögliche CVP-Köpfe Ruth Humbel (Nationalrätin/AG)
Weitere mögliche CVP-Köpfe Erich Ettlin (Ständerat/OW)
Weitere mögliche CVP-Köpfe Walter Thurnherr (Bundeskanzler)

Viola Amherd (CVP/VS). Die 56-Jährige ist ein Urgestein im Bundeshaus, wo sie seit 2005 politisiert. Die Anwältin ist schlagfertig und häufig Gast in der «Arena». In der Fraktion ist sie aber etwas links der Mitte positioniert.

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Dort werden sich die Augen vor allem auf den Obwaldner Ständerat Erich Ettlin richten. Er sagt: «Ein Mann aus der Innerschweiz hat seit gestern sicherlich bessere Karten.» Doch er will sich nicht von der für ihn «guten Konstellation» beeinflussen lassen. «Entweder man will das Amt oder nicht», sagt Ettlin. Ob er es will, wird er bald bekannt geben. So wie auch andere CVP-Politiker, die ihr Interesse signalisiert haben. Ähnlich wie Ettlin äussert sich der Innerrhoder Nationalrat Daniel Fässler, der sich eine Kandidatur überlegt: «Wenn man sich das Engagement als Bundesrat vorstellen kann, sollte man seine eigene Kandidatur nicht von anderen Kandidaturen abhängig machen.»

Im Rennen ist auch der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth. Er sagt, er begrüsse Keller-Sutters Kandidatur. Doch weil er aus dem gleichen Kanton kommt und die Nachfolge von Doris Leuthard zuerst gewählt wird, könnte Würth für die FDP-Kronfavoritin zum Spielverderber werden. Davon will er aber nichts wissen: «Für den Fall, dass ich antrete, ist für mich völlig klar: Wenn es zwei Zürcher oder zwei Berner erträgt, dann erträgt es auch zwei St. Galler.» Seinen Entscheid will Würth nächste Woche bekannt geben.

Wie entscheidet sich Bischof?

Die CVP des Kantons Solothurn würde gerne ihren Ständerat Pirmin Bischof als Kandidaten nominieren. Doch dieser hat seinen Entscheid noch nicht gefällt. Er sagt: «Bei den Bundesratswahlen steht die Qualifikation im Vordergrund, nicht das Geschlecht.» Das dürfte die Walliser Nationalrätin Viola Amherd gerne hören, die in der CVP mithin auch als Favoritin gilt. Sie sagt, die Kandidatur Keller-Sutters beeinflusse ihre Entscheidungsfindung nicht. «Ich gehe davon aus, dass auch zwei Frauen gewählt werden können.»

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