Heikle Mitgliedschaft

Nach heftiger Kritik: Bundesrat Cassis verlässt Waffenlobby «Pro Tell» wieder

Der designierte Aussenminister Ignazio Cassis ist vor seiner Wahl in den Bundesrat Mitglied der Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht "Pro Tell" geworden.

Der designierte Aussenminister Ignazio Cassis ist vor seiner Wahl in den Bundesrat Mitglied der Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht "Pro Tell" geworden.

Die Freude der Waffenlobby Pro Tell am ersten Bundesrat als Mitglied war von kurzer Dauer. Der neue Aussenminister Ignazio Cassis (FDP) gibt seine Mitgliedschaft nach nur gut einem Monat bereits wieder auf.

«Angesichts der laufenden öffentlichen Diskussion und der Instrumentalisierung seines damaligen Beitritts hat Bundesrat Cassis seine Mitgliedschaft bei «Pro Tell» und «libertà e valori» aufgegeben», sagt Ursula Eggenberger, Leiterin Kommunikation der Bundeskanzlei, zur «Nordwestschweiz».

«Seine Überzeugung bezüglich eines freiheitlichen, der Schweizer Tradition entsprechenden Waffenrechts wird er im Bundesrat vertreten, genauso wie seine Unterstützung für die Bilateralen Verträge und das Schengen-Abkommen.»

Letzte Woche machten «Luzerner Zeitung» und «Tages-Anzeiger» publik, dass Cassis am 11. September Pro Tell beigetreten war – neun Tage vor seiner Wahl zum Bundesrat. Das trug ihm unter anderem den Vorwurf ein, er habe das aus wahltaktischen Überlegungen getan.

Cassis hatte sich zuvor in einem von Pro Tell geführten schriftlichen Interview mit der Waffenlobby solidarisiert. Da diese auch das Schengen-Abkommen im Visier hat, hatte er sich in Widerspruch zur Haltung des Gesamtbundesrats gestellt, was für einen neuen Aussenminister nicht gerade hilfreich ist. Pro Tell und ihre Spitzenleute, so Vize-Präsident und SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor (Wallis), feierten den Beitritt von Cassis als grossen Erfolg.

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