Sexismus-Vorwurf

Nach Groupie-Vergleich: Genfs Regierungspräsident kassiert Schelte aus den eigenen Reihen

Mit Sexismus-Kritik konfrontiert: Genfs Regierungspräsident Antonio Hodgers. (Keystone)

Mit Sexismus-Kritik konfrontiert: Genfs Regierungspräsident Antonio Hodgers. (Keystone)

Antonio Hodgers ist mit einem Sexismus-Vorwurf konfrontiert. Während der lokale Parteipräsident der Grünen Hodgers verteidigt, melden sich nun die weiblichen Aushängeschilder der Partei - und sie sind «pas contentes».

Damit hatte Antonio Hodgers wohl nicht gerechnet. In einer RTS-Sendung hatte Genfs Regierungspräsident kürzlich eine Journalistin der Zeitung „Le Temps“ angegriffen, nachdem ihm ein Portrait über ihn aus ihrer Feder missfallen hatte. Sein Verdikt: „Diese Journalistin ist in Pierre Maudet verliebt, wie ein junges Mädchen in Justin Bieber.“ Damit stellte er die Redaktorin quasi als Groupie dar. „Le Temps“ schlug zurück und zitierte in einem Artikel Politiker und eine Gleichberechtigungsexpertin, die Hodgers Spruch als sexistisch taxierten (CH Media berichtete).

Der Parteipräsident der Genfer Grünen hingegen, Nicolas Walder, hielt Hodgers die Stange. Die Aussage sei einer von Hodgers witzigen Sprüchen, für die er schliesslich bekannt sei. Zudem gäbe es nun mal Journalisten, die eher rechts oder eher linksgerichtet seien.

Alles kein Problem also für Hodgers Parteikollegen? Von wegen, wie eine Umfrage von CH Media bei den weiblichen Aushängeschildern der Grünen in der Romandie zeigt. Vize-Präsidentin Lisa Mazzone, die erst kürzlich in Genf mit dem besten Resultat in den Ständerat gewählt wurde, bezeichnet die Aussagen ihres Parteikollegen schlicht als „nicht akzeptabel.“ Rät sie ihm an, sich zu entschuldigen? „Das muss er selber wissen.“

"Halte diese Aussage nicht für intelligent"

Die Neuenburger Sensationsfrau Céline Vara, die im Oktober zur Überraschung aller den Sprung in den Ständerat schaffte, schliesst sich der Kritik Mazzones an. Vara, auch sie Vize-Präsidentin der Grünen, sagt auf Anfrage: „Ich halte diese Aussage nicht für intelligent und ich bin insbesondere erstaunt, dass dies jemand gesagt hat, der sich ansonsten sehr für feministische Anliegen einsetzt.“ Die frischgewählte Nationalrätin Leonore Porchet aus dem Kanton Waadt teilt die Meinung ihrer Parteikolleginnen Mazzone und Vara ebenso. Sie plädiere generell für eine Entschuldigung, wenn ein Fehler gemacht wurde.

Hodgers selber, der mit einer Bundesratskandidatur liebäugelt, hat sich bisher nicht zur Kritik geäussert.

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