Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter ist Banker, hobbymässig aber auch Videoproduzent. In einem siebenminütigen Clip berichtet er am Dienstag auf Facebook über "die Sümpfe von Bern". Am Schluss präsentiert er ein "Quiz der Woche" – und verhöhnt darin die Präsidentin der Jungsozialisten, Tamara Funiciello.

"Woher kommt das Michelin-Männchen?", fragt Matter. Zur Antwort stehen: Altbundesrätin Micheline Calmy-Rey, Tamara Funiciello, die oben ohne zu sehen ist, und der Reifenhersteller Michelin. Wobei er nach Funiciello einen Lacher von Toni Brunner einspielt.

Matter spielt auf Funiciellos Körper an. Die Bernerin und einige ihrer Parteikolleginnen zogen sich im vergangenen März aus, um mit brennenden Büstenhaltern gegen Sexismus zu protestieren. Sie warben mit der Aktion für den Woman's March in Zürich. Sie ernteten heftige Reaktionen, etwa von SVP-Haudegen Andreas Glarner.

Matter verteidigt sich

Dass es sich bei seinem Witz um billiges Bodyshaming handelt, ist für Matter nicht der Fall. "Das ist doch keine Beschimpfung. Mir ist einfach unweigerlich das Michelin-Männchen in den Sinn gekommen, als ich Frau Funiciello oben ohne sah", sagt er zum "Blick". Sie sei selbst schuld, wenn sie sich nackt zeige. "Ich lasse mich auch nicht oben ohne fotografieren, sonst würde man meinen Ranzen sehen – und den könnte man auch humoristisch thematisieren."

Funiciello selbst bleibt gelassen: "Ich habe keine Zeit für solches Zeugs. Wenn Nationalrat Matter aber tatsächlich eine Altbundesrätin und eine junge Frau beleidigen muss, damit irgendjemand seine Videos schaut, dann sagt das eigentlich schon alles."

Respektlose Kommentare oder Meinungsfreiheit?

März 2017: Respektlose Kommentare oder Meinungsfreiheit?

Andreas Glarner und seine Fans schiessen auf Facebook gegen die JUSO Frauen, die sich oben ohne auf einem Plakat zeigen. Das soll Konsequenzen haben.

Weniger gelassen reagieren zwei SP-Grössen: "Wie armselig ist das denn??? SVP-Millionär Matter vergreift sich total. So nicht!", schreibt der Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth auf Twitter. SP-Präsident Levrat geht noch einen Schritt weiter: "Wenn Nationalrat Matter einen Rest Würde besitzt, entschuldigt er sich. Oder er tritt zurück." Tue er das nicht, müsse die Partei reagieren.

Die Folgen seiner Beleidigungen reichten weit über den jetzigen Fall hinaus: "Was soll eine junge Frau denken, die sich überlegt, politisch aktiv zu werden? Muss sie damit rechnen, zur Zielscheibe von schmierigen Sprüchen alternder Millionäre zu werden?", doppelt Levrat nach.

Der Wink an die Medien

Was er mit seinem Video auslösen würde, ist sich Matter wohl bewusst gewesen. In seinem Facebook-Eintrag hat er über zwei Dutzend Medien markiert. Die Frage stellt sich: Hat er es auf öffentliche Präsenz abgesehen? Matter gibt auf diese ihm schriftlich gestellte Frage keine Antwort. Über Humor lasse sich streiten. Mit dem augenzwinkernden Vergleich habe er Funiciello nicht beleidigen wollen.

Es ist nicht der erste Angriff Matters auf Funiciello: Anfang Oktober riet er ihr, sie solle nach Italien zurückkehren und ihre Ideologie dort ausleben. Von dort stammt ihr Vater. Das, nachdem die Jungsozialisten vor dem Haus von Ems-Chefin und SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher demonstriert hatten. (mwa)