Kandidatur

Mattea Meyer und Cédric Wermuth wollen gemeinsam an die SP-Spitze – die Konkurrenz wartet ab

Sie kennen sich schon lange: Mattea Meyer (links) und Cédric Wermuth bei der Einreichung der 99-Prozent-Initiative.

Sie kennen sich schon lange: Mattea Meyer (links) und Cédric Wermuth bei der Einreichung der 99-Prozent-Initiative.

Das ehemalige Juso-Duo Meyer/Wermuth wagt sich aus der Deckung: Gemeinsam wollen sie Christian Levrat beerben – und die SP zur Bewegung machen.

Nun kommt Bewegung in die Frage, wer an der SP-Spitze auf Christian Levrat folgen wird. Am Mittwochabend haben die beiden Nationalräte Mattea Meyer und Cédric Wermuth eine gemeinsame Kandidatur angekündigt. Die 32-jährige Zürcherin und der 33-jährige Aargauer sind langjährige Weggefährten.

Während zweier Jahre stand das Duo zusammen an der Spitze der Juso: Wermuth als Präsident, Meyer als Vizepräsidentin. Dass sie die SP im Co-Präsidium führen wollen, begründen sie mit ihrer familiären Situation. Allerdings ist auch klar, dass Wermuth alleine kaum Chancen gehabt hätte: Nach zwölf Jahren Levrat wünschen sich viele Genossen eine Frau an der Parteispitze.

Ziehen Roth und Reynard nach?

Franziska Roth

Franziska Roth

Noch ist das Kandidatenfeld offen, weitere Kandidatenpaare sind zu erwarten: Die Solothurner Nationalrätin Franziska Roth, die in ihrem Kanton die SP erfolgreich geführt hat, überlegt sich eine Kandidatur weiterhin, wie sie auf Anfrage sagt. Roth hat auch bereits Gespräche über ein mögliches Co-Präsidium geführt. «Mathias Reynard ist auf mich zugekommen», sagt sie.

Mathias Reynard

Mathias Reynard

Mit einer Doppelkandidatur der Solothurnerin und des Wallisers wären sowohl die Deutschschweiz als auch die Romandie in der SP-Parteispitze vertreten. Roth ist eben erst gewählt worden, sie hat in Solothurn den langjährigen Nationalrat Philipp Hadorn verdrängt. Reynard – Roths Sitznachbar im Nationalrat – ist zwar erst 32 Jahre alt, politisiert jedoch seit 2011 in Bern. Bei den Ständeratswahlen erreichte er einen grossen Achtungserfolg, fast wäre es ihm gelungen, die Walliser CVP-Doppelvertretung zu knacken.

Min Li Marti

Min Li Marti

Noch im Rennen sind auch zwei Zürcher Nationalrätinnen: Min Li Marti und Priska Seiler Graf sagten am Mittwoch, sie überlegten sich eine Kandidatur weiterhin. Beide können sich auch eine Doppelspitze vorstellen; Seiler Graf führt aktuell die Zürcher Kantonalpartei im Co-Präsidium. Aus dem Rennen genommen hat sich hingegen Gabriela Suter, Nationalrätin und Präsident der Aargauer SP. Die zeitliche Belastung sei zu gross, begründete sie ihren Entscheid. Auch die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Badran sagte am Mittwoch zum «Blick», sie stehe nicht zur Verfügung. Bereits früher abgesagt hat unter anderen auch der Bündner Nationalrat Jon Pult.

Priska Seiler Graf

Priska Seiler Graf

Kampf auf der Strasse und nicht nur im Parlament

Zurück zu Wermuth und Meyer. Die in Bern arrivierten Politiker inszenieren ihre Kandidatur als Teil einer Bewegung von unten: Weltweit würden – Stichwort Klima oder Frauenstreik – Menschen aus Empörung auf die Strasse gehen, «weil die Mächtigen sich weigern, die drängendsten Probleme zu diskutieren und zu lösen», schreiben sie auf ihrer Homepage. Sie fordern «ein linkes Projekt über den Tellerrand und über die Landesgrenze» hinaus.

Die SP müsse das Mobilisierungspotenzial etwa der Klimaaktivisten oder des Frauenstreiks nutzen können, fordern sie. Man müsse sich fragen, warum die SP am 20. Oktober nicht von dieser Bewegung profitiert habe, ergänzt Wermuth in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung WOZ. «Es darf nicht dabei bleiben, dass wir lediglich Politik im Parlament und die Bewegungen ausschliesslich Politik auf der Strasse machen.»


Das Duo Meyer/Wermuth muss parteiintern auch mit Widerstand rechnen. Gerade Vertretern des sozialliberalen Flügels dürften Wermuth und Meyer zu links sein. Der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch etwa sagte dieser Zeitung kürzlich: «Generell ist wichtig, dass der Präsident in der Mitte der Partei steht.» Meyer und Wermuth kommen damit nicht in Frage.

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