Atomkraftwerk
Lieber in Mühleberg als anderswo

Falls es dereinst noch ein Atomkraftwerk in der Schweiz braucht, möchte es die Berner Regierung im Kanton Bern wissen. Das ärgert SP und Grüne.

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Mühleberg

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

In dieser Woche wird Finanzdirektor Urs Gasche (BDP) vor der ständerätlichen Energiekommisson die Position der bernischen Regierung darlegen und sich für den AKW-Standort Mühleberg einsetzen - falls es ein neues Atomkraftwerk gibt. «Wir haben ihm das Mandat erteilt», sagt Bau- und Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) auf Anfrage zu einem Bericht des «Sonntagsblicks».

Im Fall der Fälle profitieren

«Die Mehrheit der Berner Regierung ist klar der Meinung, dass man auf erneuerbare Energien setzen muss», um den steigenden Strombedarf decken zu können, sagt Egger. Wenn aber im Jahr 2013 oder 2014 das Schweizer Stimmvolk Ja zur Atomkraft sagt, wolle der Kanton Bern profitieren. In diesem Fall sähe die Regierung die Arbeitsplätze lieber in Mühleberg als anderswo. Egger sieht darin keine inkonsequente Haltung.

Drei Rahmenbewilligungsgesuche für neue Atomkraftwerke sind derzeit hängig. Alpiq will in Gösgen ein AKW bauen, die Axpo und die BKW mit dem Kanton Bern als Mehrheitsaktionär möchten 2020 in Beznau und Mühleberg zwei Kraftwerke in Betrieb nehmen.

«Klar gegen atomare Energie»

Kritik bekommt die rot-grün dominierte Regierung nun aus den eigenen Reihen, von den Sozialdemokraten und von den Grünen. «Wir sind ganz klar gegen atomare Energien», sagt Irène Marti Anliker, Präsidentin der SP Kanton Bern, «gerade auch aus wirtschaftlichen Gründen.» Die Zukunft liege in den erneuerbaren Energien. «Sie bringen Arbeitsplätze.» Auch die BKW müsse endlich aus der Atomenergie aussteigen.

Sie anerkennt zwar, dass die bernische Regierung grundsätzlich aus der Atomenergie aussteigen will - nicht jedoch, dass sie volkswirtschaftliche Gründe für den möglichen Standort Mühleberg aufführt. «Ich bin der Meinung, dass man eindeutig gegen Atomkraftwerke Stellung beziehen muss.» Die SP Kanton Bern werde den Standort «klar bekämpfen».

Nur zur Hälfte beruhigend

Auch die Grünen Kanton Bern wollen «mit allen verfügbaren Mitteln» ein neues Atomkraftwerk im Kanton Bern verhindern. «Es beruhigt mich, dass die Regierung zwar den Ausstieg will», sagt Co-Präsident Blaise Kropf. Es sei aber grundlegend falsch, aus wirtschaftlichen Überlegungen auf eine «alte und risikobehaftete Energie zu setzen.

Kropf zweifelt an der Richtigkeit von Gasches Aussage, wonach die Akzeptanz für AKWs zunehme. Er ist im Gegenteil überzeugt, dass auch die Berner Bevölkerung kein AKW mehr will. Die Initiative «Bern erneuerbar» sei bereits von 19 000 Personen unterschrieben worden. Dies sind 4000 Unterschriften mehr als für das Zustandekommen nötig. Mit dieser Initiative soll erreicht werden, dass im Kanton Bern der Strombedarf ab dem Jahr 2025 zu 75 Prozent und ab 2035 gänzlich durch erneuerbare Energien gedeckt wird.

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