Fall Arafat
Leiter toxikologisches Institut: «Polonium liegt ja nicht auf der Strasse rum»

Der Leiter der forensisch-toxikologischen Instituts der Universität Bern, Wolfgang Weinmann, sagt, weshalb Polonium als Mordinstrument gebraucht wird und wann Forensiker nach diesem Gift suchen.

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Jassir Arafat starb 2004 in Paris. keystone

Jassir Arafat starb 2004 in Paris. keystone

Herr Weinmann, wenn bei einem Mord Polonium im Spiel ist, ist das ein schwieriger Fall für die Forensik?

Eigentlich nicht. Zumindest dann nicht, wenn man auch in diese Richtung sucht.

Wann macht man das?

Sagen wir so: Wenn höhere politische Kräfte am Tod einer Person interessiert sein könnten.

Wolfgang Weinmann, Leiter der forensisch-toxikologischen Instituts der Uni Bern

Wolfgang Weinmann, Leiter der forensisch-toxikologischen Instituts der Uni Bern

ho

Warum verwendet ein Täter Polonium?

Ganz einfach. Weil es hochgiftig ist und hundertprozentig wirkt.

Abgesehen davon: Gäbe es nicht einfachere Methoden als Polonium?

Da gehört schon ein gewisses Knowhow dazu. Denn ein Täter muss sich ja auch selbst gegen die Radioaktivität schützen. Radioaktive Materialien müssen etwa mindestens in einem Bleibehälter transportiert werden. Zudem liegt Polonium ja nicht auf der Strasse herum und wächst auch nicht im Vorgarten.

Jassir Arafats Tod

Die Schweizer Forensiker, welche den Tod von Jassir Arafat untersuchten, favorisieren die These, dass der ehemalige PLO-Chef mit Polonium 210 vergiftet wurde. Ihre Resultate bestätigen dies jedoch nicht eindeutig. Viele Fragen bleiben offen bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Die Resultate unterstützten aber die These einer Vergiftung, hielt Patrice Mangin, Professor beim Westschweizer Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsspitals Lausanne, fest. Die Forscher zeigten sich aber überrascht über die hohen Polonium-Werte, welche gefunden wurden. So sei in Proben der Rippen- und Beckenknochen Polonium 210 in einer bis zu 18 Mal höheren Konzentration gefunden worden als normal.

Hätten Sie sich auf eine Untersuchung mit derart politischem Hintergrund eingelassen?

Das kommt darauf an, wer fragt.

In diesem Fall war es der Al-Jazeera-Journalist Clayton Swisher.

Das verwundert mich schon ein wenig. Die Anfrage müsste wohl von einer Organisation wie der UNO kommen, damit wir tätig würden. Für eine Zeitung würden wir so etwas wohl nicht machen. Im Normalfall werden wir auf Auftrag von Behörden und Staatsanwaltschaft aktiv. (aru)