Bildung

Lehrerpräsident Zemp warnt: Trend zu Teilzeit-Arbeit muss gestoppt werden – sonst droht Lehrermangel

Immer mehr Lehrer und Lehrerinnen arbeiten Teilzeit - nicht nur wegen der Familie. Jeder fünfte Lehrperson reduzierte ihr Arbeitspensum laut einer Studie wegen der beruflichen Belastung.

Immer mehr Lehrer und Lehrerinnen arbeiten Teilzeit - nicht nur wegen der Familie. Jeder fünfte Lehrperson reduzierte ihr Arbeitspensum laut einer Studie wegen der beruflichen Belastung.

Weniger als jeder dritte Lehrer arbeitet noch Vollzeit. Der Trend hin zur Teilzeitarbeit habe auch mit der Belastung zu tun, sagt der Lehrerverband.

Der Trend ist eindeutig: Immer weniger Lehrer und Lehrerinnen arbeiten Vollzeit. 2005 hatten noch 44 Prozent der Lehrpersonen in der Volksschule ein Vollzeit-Pensum. Heute sind es nur noch 29 Prozent. Das berichtet der Lehrerverband LCH unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Anders gesagt: Sieben von zehn Lehrern in der obligatorischen Schule arbeiten Teilzeit.

Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg beträgt der Anteil der Teilzeit-Beschäftigten 35 Prozent. Bei den Lehrern ist es inzwischen doppelt so viel.

Die Entwicklung beunruhigt den Präsidenten des Lehrerverbands, Beat W. Zemp. «Dieser Teilzeit-Trend muss unbedingt gestoppt werden - gerade auch angesichts der steigenden Schülerzahlen», sagte er heute bei der Präsentation der jüngsten Arbeitszeiterhebung.

In die Teilzeit ausgewichen

Der Lehrerverband geht davon aus, dass der Teilzeit-Trend auch eine Folge der hohen Arbeitsbelastung ist, der Lehrer ausgesetzt sind. Eine Studie von Sozialforscherin Martina Brägger aus dem Jahr 2016 stützt diesen Befund. Diese zeigte: Am häufigsten arbeiten Lehrer zwar wegen der Haus- und Familienarbeit Teilzeit. Rund jede fünfte Lehrperson reduzierte ihr Arbeitspensum aber wegen der beruflichen Belastung.

Die Arbeitsbedingungen drängten die Lehrer quasi in die Teilzeit, warnt der Lehrerverband. Zentralsekretärin Franziska Peterhans sagt:

Ein Grund dafür sei die hohe Anzahl Überstunden: In der Deutschschweiz arbeiten Lehrer und Lehrerinnen jährlich im Schnitt 2164 Stunden – 248 mehr als vorgesehen, wie die heute präsentierte Erhebung zeigt. Das ist zwar weniger als früher, für den Lehrerverband aber immer noch zu viel. Zudem seien die Anforderungen im Unterricht weiter gestiegen, heisst es in der Studie.

Die Schülerzahlen steigen

Klar ist: Je höher der Anteil der Teilzeit-Pensen, desto mehr Lehrer braucht es insgesamt. Und das könnte zum Problem werden. Das Bundesamt für Statistik geht davon aus, dass die Schülerzahlen in der obligatorischen Schule bis 2027 um mehr als zehn Prozent steigen werden. Gleichzeitig werden laut Lehrerverband überdurchschnittlich viele Lehrer pensioniert.

Es sei daher wichtig, dass der Anteil der Teilzeitpensen nicht weiter anwachse, sagt Zemp: «Das geht aber nur, wenn man auch mit einem Vollzeitpensum über Jahre hinweg gesund bleiben kann in diesem Beruf.» Der Lehrerverband fordert deshalb unter anderem eine Reduktion der Anzahl Pflichtlektionen für Lehrer.

Die Zahl der Pflichtlektionen für Lehrer müsse endlich sinken, fordert Beat W. Zemp, langjähriger Präsident des Lehrerverbands.

Die Zahl der Pflichtlektionen für Lehrer müsse endlich sinken, fordert Beat W. Zemp, langjähriger Präsident des Lehrerverbands.

Teilzeit-Lehrer leisten besonders viel Überzeit

Für Lehrer haben die Teilzeitpensen zudem einen Haken: Sie müssen besonders viele Überstunden leisten. Bei einem Pensum von weniger als 50 Prozent wird laut der Studie durchschnittlich 22 Prozent Gratisarbeit geleistet. Bei einem Vollzeitpensum sind es hingegen nur zwei bis drei Prozent.

Die vielen Überstunden bei den Teilzeitpensen haben unter anderem damit zu tun, dass mehr Zeit für Absprachen zum Unterricht nötig wird. Zudem investieren Lehrer laut der Studie umso mehr Zeit in die Planung und die Vor- und Nachbereitung ihres Unterrichts, je kleiner ihr Arbeitspensum ist.

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